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Coronakrise EU-Prognose: Auf den Einbruch folgt der schnelle Aufschwung

Dieses Jahr wird die EU-Wirtschaft um 7,5 Prozent schrumpfen. Aber schon 2021 wird sie wieder deutlich wachsen, sagt die EU-Kommission voraus.
06.05.2020 - 18:23 Uhr Kommentieren
Die Wirtschaft in der EU bricht stark ein. Quelle: dpa
Containerterminal im Hafen von Antwerpen

Die Wirtschaft in der EU bricht stark ein.

(Foto: dpa)

Brüssel Vor dem Coronavirus sind alle Länder gleich – doch einige sind gleicher. Das Virus macht zwar vor keinem EU-Staat halt, und die ökonomischen Folgen der Pandemie werden alle zu spüren bekommen. Doch Ausmaß und Dauer der Rezession werden je nach Land sehr unterschiedlich ausfallen. „Der Covid-19-Schock ist symmetrisch, aber der Abschwung und die anschließende Erholung werde asymmetrisch verlaufen“, heißt es in der am Mittwoch vorgelegten Frühjahrsprognose der EU-Kommission.

Nord- und Osteuropäer und auch Deutschland kämen voraussichtlich relativ schnell wieder aus der Krise heraus, erwarten die Brüsseler Konjunkturforscher. Südeuropa treffe die Krise ungleich härter.

Erstmals seit Ausbruch der Pandemie wagte die Kommission eine Vorhersage zu den ökonomischen Auswirkungen – und die fallen in diesem Jahr überall dramatisch aus. In den 27 EU-Mitgliedstaaten werde die Wirtschaft dieses Jahr im Schnitt um 7,4 Prozent schrumpfen, in den 19 Euro-Staaten sogar um 7,7 Prozent, so die Prognose. Die Arbeitslosenquote steige von 6,7 auf neun Prozent, und die Investitionen würden um mehr als 13 Prozent einbrechen.

„Europa erlebt einen ökonomischen Schock, den es so seit der Weltwirtschaftskrise nicht mehr gegeben hat“, sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. „Die unmittelbaren Auswirkungen für die Weltwirtschaft sind weit schlimmer als nach der Finanzkrise“, ergänzte Kommissionsvize Valdis Dombrovskis.

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    Die Kommissare konnten allerdings auch eine gute Nachricht verkünden: Die Talfahrt wird ihrer Meinung nach nicht allzu lange dauern. Schon im zweiten Halbjahr gehe es wieder aufwärts, und nächstes Jahr werde die Wirtschaft der EU kräftig um 6,1 Prozent wachsen. Das Vorkrisenniveau erreiche die europäische Wirtschaft nächstes Jahr allerdings noch nicht: Output, Beschäftigung, Investitionen und Exporte würden 2021 noch nicht wieder auf den Stand von 2019 steigen.

    Grund zu Optimismus

    Gleichwohl fällt die Prognose der Kommission insgesamt vergleichsweise optimistisch aus. Ob es am Ende so gut ausgehe, sei nicht sicher, räumte Gentiloni ein. Die Vorhersage basiere auf der Annahme, dass der wirtschaftliche Stillstand im Mai schrittweise beendet werde.

    Falls der Stillstand länger andauere oder falls später neue Infektionswellen erneut Schließungen von Teilen der Wirtschaft erzwingen würden, könne der Aufschwung länger auf sich warten lassen. Das gelte auch, wenn die EU es nicht schaffe, eine effektive gemeinsame Wiederaufbaustrategie zu verabschieden.

    Grafik

    Und Gentiloni zählte noch weitere Risiken auf: Die Pandemie könne zu protektionistischen Tendenzen in der Weltwirtschaft führen, die für Europa schädlich seien. Auch eine Insolvenzwelle und dauerhafte Probleme am Arbeitsmarkt seien nicht auszuschließen.

    Diese Gefahren sind in der EU-Frühjahrsprognose nicht berücksichtigt. Und so konnte sie für das kommende Jahr einigermaßen günstig ausfallen – jedenfalls im Durchschnitt aller EU-Staaten. Hinter dem allgemeinen Ausblick verbergen sich freilich sehr große Unterschiede.

    In Deutschland erwartet die Kommission eine schnelle Erholung der Wirtschaft. Dieses Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt um 6,5 Prozent einbrechen, nächstes Jahr aber schon wieder um 5,9 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenquote werde nur geringfügig auf vier Prozent steigen und nächstes Jahr wieder auf 3,5 Prozent zurückgehen. Die staatliche Gesamtverschuldung schieße dieses Jahr von 59,8 Prozent auf 75,6 Prozent nach oben und werde nächstes Jahr wieder leicht auf 71,8 Prozent zurückgehen.

    Weitaus dramatischer ist die Lage in Spanien, Italien und Griechenland. Dort bahnt sich erneut eine Arbeitsmarktkrise an: Die Erwerbslosenquoten bleiben laut EU-Prognose auch nächstes Jahr zweistellig. Nach der Schuldenkrise von 2009 bekommen die drei Länder nun den zweiten schweren Schlag. Und es kommt noch ein viertes Land hinzu: In Frankreich macht die Coronakrise jüngste Erfolge im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit komplett zunichte.

    Marode Staatsfinanzen

    Die prekäre Arbeitsmarktlage geht einher mit immer maroderen Staatsfinanzen. Im Krisenjahr 2020 steigen Defizite und Schulden zwar überall in der EU an, doch nirgendwo erreichen sie solche Höhen wie in Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland und Portugal. Bei der Staatsverschuldung haben alle fünf Länder die Marke von 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung geknackt.

    Griechenland kommt dieses Jahr auf 196 Prozent, Italien auf 159 Prozent. Und keines der fünf Länder schafft es, die Schulden nächstes Jahr wieder unter die 100-Prozent-Marke zu drücken. Dagegen sieht der deutsche Staatshaushalt trotz Coronakrise ziemlich gesund aus mit einem Schuldenstand von knapp 76 Prozent in diesem und knapp 72 Prozent im nächsten Jahr.

    Die Coronakrise droht die Kluft zwischen Nord und Süd in der Euro-Zone noch weiter zu öffnen. Die Pandemie grassierte ausgerechnet in Spanien und Italien am heftigsten. Obendrein ist die Struktur der südlichen Volkswirtschaften von den Folgen der Pandemie besonders stark betroffen. Für Italien, Spanien, Portugal und Griechenland ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftszweig mit vielen Arbeitsplätzen.

    Ausgerechnet diese Branche hat am meisten unter den Folgen der Pandemie zu leiden, denn Reisen in den Süden fallen dieses Jahr voraussichtlich weitgehend aus. Auch Frankreich ist davon stark betroffen.

    Das weiter zunehmende Nord-Süd-Gefälle bedrohe „den Binnenmarkt und die Euro-Zone“, warnte Gentiloni. In einer wirtschaftlich eng verflochtenen EU würden starke Länder automatisch in Mitleidenschaft gezogen, wenn schwache Länder immer weiter zurückfallen, heißt es in der EU-Prognose. Deshalb liege es im Interesse aller, mit einem starken, gemeinsamen Wiederaufbauprogramm dagegenzuhalten.

    Mehr: Wirtschaftsweise Schnitzer: „In der EU muss Geld von reichen zu armen Ländern fließen“.

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