Konjunkturkrise: Einbruch der Geschäftserwartung: Deutsche Industrie steht vor einer Existenzkrise
Die hohen Temperaturen sind energieintensiv, das Gas ist knapp.
Foto: dpaBerlin. Der Beginn des Ukrainekriegs Ende Februar war ein kurzfristiger Schock in der gesamten Wirtschaft. Nun aber kristallisiert sich heraus, dass die Folgen in bestimmten Sektoren lange anhalten dürften. Die Geschäftserwartungen in der deutschen Wirtschaft verschlechtern sich massiv.
Das ergibt die Auswertung der Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammern unter 25.000 Unternehmen, die dem Handelsblatt vorliegt. Ein Drittel der Betriebe rechnet in den nächsten zwölf Monaten mit schlechteren Geschäften als ohnehin schon. Nur noch 19 Prozent erwarten eine Besserung.
„Einen solchen Stimmungseinbruch haben wir in der Industrie bislang nur während der Finanzkrise und beim ersten Lockdown 2020 erlebt“, sagt Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK).
Der Schock durch den Ukrainekrieg ist auf dem besten Weg, sich zu einer strukturellen Krise zu entwickeln, die nicht über Monate, sondern über Jahre die deutsche Wirtschaft belasten wird. Und die wirtschaftliche Flaute könnte eine besonders bedrohliche Charakteristik annehmen.
Der DIHK erwartet für Deutschland in diesem Jahr nun bloß noch ein Wirtschaftswachstum von maximal 1,0 bis 1,5 Prozent. Die aktuelle Krise würde selbst dann deutlich weniger Wirtschaftskraft kosten als das Coronavirus. 2020 schrumpfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt aufgrund der Pandemie um rund fünf Prozent.