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Impfstoff Rückschlag für Covid-Studie von Astra-Zeneca

Der Impfstoff von Astra-Zeneca gilt als vielversprechend. Doch nun gab es bei einem Probanden Komplikationen. Folge: Der Pharmakonzern setzt seine Studie aus.
09.09.2020 Update: 09.09.2020 - 16:36 Uhr 4 Kommentare
Astra-Zeneca: Nebenwirkungen bei vielversprechendem Corona-Impfstoff Quelle: dpa
AstraZeneca

Die Oxford University entwickelte den Impfstoff für den Pharmakonzern.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch bei der Suche nach einem Impfstoff gegen Covid-19 haben einen schweren Dämpfer erhalten. Ausgerechnet bei einem der aussichtsreichsten Kandidaten gibt es jetzt Bedenken. Der Pharmakonzern Astra-Zeneca hat die fortgeschrittene klinische Studie für seinen Corona-Impfstoff vorsorglich gestoppt, nachdem bei einem der Teilnehmer gravierende gesundheitliche Probleme aufgetreten sind.

Wie das Unternehmen in der Nacht zum Mittwoch mitteilte, ist das eine Routinemaßnahme in solchen Fällen. Nun soll geprüft werden, ob die gesundheitlichen Probleme des Teilnehmers mit der Impfung zusammenhängen.
Die Börse reagierte umgehend auf die Nachricht. In London verlor die Aktie von Astra-Zeneca am Mittwochvormittag rund 1,7 Prozent. Der Impfstoff „AZD1222“ gehört zu den am weitesten fortgeschrittenen Impfstoffkandidaten. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte den Impfstoff als einen der führenden Kandidaten bezeichnet.

Für die Anleger sei die Nachricht ein Stimmungsdämpfer, urteilten Analysten der Investmentbank Barclays. Sie rechnen damit, dass Astra-Zeneca in wenigen Tagen mehr über das Sicherheitsprofil wisse. Aktuell agiere man wohl extrem vorsichtig, so die Analysten. Astra-Zeneca und acht weitere Pharma- und Biotech-Unternehmen hatten erst am Dienstag versichert, dass sie bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs keine Kompromisse bei der Sicherheit machen werden.

Details über die gesundheitlichen Probleme des Probanden gab Astra-Zeneca nicht bekannt. Das Unternehmen sprach lediglich von „einer potenziell unerklärlichen Krankheit“. Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf eine informierte Person, dass es sich bei dem gesundheitlichen Problem um Transverse Myelitis handele – eine Entzündung, die das Rückenmark treffe und von Vireninfektionen ausgelöst werden könne.

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    Tatsächlich besagt der Umstand, dass das Unternehmen die Studie unterbrochen hat, noch nichts über den Erfolg oder Misserfolg des Impfstoffs von Astra-Zeneca aus. Darauf weist auch ein Sprecher des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller hin.

    Weltweit sollten 50.000 Teilnehmer geimpft werden

    „Bei großen klinischen Studien mit mehreren Tausend Teilnehmern gibt es immer eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Probanden ein medizinisches Ereignis auftritt. Jetzt muss geprüft werden, ob das im Zusammenhang mit dem Impfstoff steht oder nicht“, sagte der Sprecher.

    Die im Juli angelaufenen späten klinischen Studien für den Impfstoffkandidaten „AZD1222“ sollen weltweit bis zu 50.000 Teilnehmer umfassen. Allein in den USA sollen bis zu 30.000 Probanden in die Studien eingeschlossen werden. Wie viele Teilnehmer bis dato rekrutiert und geimpft wurden, dazu machte Astra-Zeneca auf Anfrage des Handelsblatts keine Angaben.

    Wie das Unternehmen mitteilte, werden weitere Impfungen aber freiwillig ausgesetzt, um die Überprüfung der Sicherheitsdaten durch ein unabhängiges medizinisches Komitee zu ermöglichen.

    Der Impfstoff von Astra-Zeneca wurde von der britischen Oxford University entwickelt. Der Pharmakonzern stieg Ende April als Produktions- und Vertriebspartner in das Projekt ein und treibt den Ausbau der nötigen Kapazitäten voran. Bei dem Kandidaten handelt es sich um einen sogenannten Vektorvirus-Impfstoff.

    Grafik

    Transportvehikel („Vektor“) für den Impfstoff ist ein modifiziertes Adenovirus, das normalerweise nur bei Schimpansen in Erscheinung tritt. Es wurde gentechnisch mit dem Spike-Protein des Coronavirus ausgestattet. So soll das Immunsystem angeregt werden, das Sars-CoV-2 Virus im Falle einer Infektion unschädlich zu machen.

    Astra-Zeneca und die Oxford University hatten eine erste Zulassung und die Auslieferung der ersten Impfstoffchargen für das laufende Jahr in Aussicht gestellt. Bestellungen haben unter anderem bereits die USA, Deutschland, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Frankreich platziert. Ob sich dieser Zeitplan allerdings noch halten lässt, ist fraglich.

    Astra-Zeneca werde die Untersuchung beschleunigen, damit sich das Zulassungsverfahren für den Impfstoff so wenig wie möglich verzögere, hieß es vom Unternehmen weiter. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock erklärte am Mittwoch, dass die Unterbrechung nicht zwangsläufig ein Rückschlag sei. Das hänge von den Untersuchungsergebnissen des Vorfalls ab.

    Sorge um die Sicherheit der Probanden

    Weltweit forscht die Pharmaindustrie an Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus. Der politische Druck steigt. Russland hatte Mitte August als weltweit erstes Land einen Corona-Impfstoff zugelassen, der erst weniger als zwei Monate an Menschen getestet wurde. Die Genehmigung erfolgte vor der entscheidenden Wirksamkeitsstudie, an der üblicherweise Tausende Testteilnehmer beteiligt sind. Das löste internationale Kritik aus. Der Wettlauf weckt bei vielen Menschen die Sorge, dass die Sicherheit bei der schnellen Entwicklung auf der Strecke bleibt.

    US-Präsident Trump wiederum hat der amerikanischen Bevölkerung versprochen, dass es noch vor dem Jahresende einen Impfstoff geben werde. Und Ende August hatte Stephen Hahn, der Leiter der US-Gesundheitsbehörde FDA, erklärt, dass man bereit sei, einen Impfstoff vor Abschluss der Phase-3-Wirksamkeitsstudie zuzulassen, wenn man davon überzeugt sei, dass die Vorteile die Risiken überwiegen.

    Daraufhin hatte die Weltgesundheitsorganisation zur Vorsicht gemahnt. Die Sicherheit stehe an erster Stelle, sagte auch am Mittwoch die leitende Wissenschaftlerin der WHO, Soumya Swaminathan: „Nur weil wir über Geschwindigkeit sprechen, heißt das nicht, dass wir anfangen, Kompromisse einzugehen oder Abkürzungen zu nehmen.“

    Vor diesem Hintergrund hatte sich Astra-Zeneca am Dienstag dieser Woche mit acht weiteren westlichen führenden Impfstoffentwicklern verpflichtet, die geltenden regulatorischen Anforderungen bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs trotz der Dringlichkeit zur Eindämmung der Pandemie einzuhalten. Neben Astra-Zeneca unterzeichneten die britische Glaxo-Smithkline, die US-Unternehmen Johnson & Johnson, Merck & Co., Moderna und Novavax, Sanofi aus Frankreich sowie die Mainzer Firma Biontech und ihr US-Partner Pfizer die Erklärung.

    Die Unternehmen versprechen, dass die Sicherheit und Wirksamkeit bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs an oberster Stelle stünden. Eine Zulassung oder Notfall-Genehmigung werde erst beantragt, wenn dessen Sicherheit und Wirksamkeit in einer entscheidenden Phase-3-Studie nachgewiesen sei, die den üblichen regulatorischen Anforderungen entspreche.

    Nicht der einzige Dämpfer in der Impfstoffentwicklung

    Ein Impfstoffkandidat muss bis zu seiner Zulassung in drei klinischen Studienphasen am Menschen erprobt worden sein. In der ersten Phase wird die Sicherheit des Wirkstoffs an wenigen gesunden Probanden getestet. In der zweiten geht es darum, die richtige Dosierung zu finden. Die dritte Studienphase mit mehreren Tausend Probanden erst liefert die entscheidenden Ergebnisse, ob der Impfstoff genügend Schutzwirkung entfaltet. Auch die Sicherheit und Verträglichkeit werden erneut geprüft.

    Die Unterbrechung der Astra-Zeneca-Studie dürfte vermutlich nicht der einzige Dämpfer bei der Impfstoffentwicklung sein. Weltweit gibt es nach WHO-Angaben gegenwärtig 176 Corona-Impfstoffprojekte, davon befinden sich 34 in der klinischen Erprobung am Menschen.

    Vor überzogenen Hoffnungen bei den Corona-Impfstoffen hatte Anfang der Woche der Virologe Hendrik Streeck gewarnt: „Es kann sein, dass wir sehr schnell einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 finden, das will ich gar nicht ausschließen. Aber es kann genauso sein, dass sich die Suche sehr kompliziert gestaltet“, sagte Streeck in einem Interview mit dem Medizinportal Doc Check. „Ich bin Impf-Fan, aber man kann nicht darauf bauen, dass der erste Impfstoff ein goldener Treffer sein wird“, so der Virologe weiter.

    Der Impfstoff von Astra-Zeneca gilt als einer der vielversprechendsten gegen das Coronavirus. Quelle: dpa
    Möglicher Corona-Impfstoff

    Der Impfstoff von Astra-Zeneca gilt als einer der vielversprechendsten gegen das Coronavirus.

    (Foto: dpa)

    Bisher habe man gegen keine der größten infektiologischen Herausforderungen einen Impfstoff gefunden, obwohl daran intensiv geforscht werde. „Ob Dengue, Tuberkulose, HIV, Malaria, sogar Hepatitis C – wir haben auch keinen Universalimpfstoff gegen die Grippe“, sagte der Virologe. Das Forschungsgebiet beinhalte auch sehr komplexe Bereiche, über die derzeit in der Öffentlichkeit kaum gesprochen werde. Beispielsweise könne es durch die Impfung auch zu einer Verstärkung der Infektion kommen.

    Russland nutzte am Mittwoch die Unterbrechung der Astra-Zeneca-Studie, um die Wirksamkeit seines Impfstoffkandidaten zu unterstreichen. Auch der russische Impfstoff setzt ein Adenovirus als Transportvehikel ein, allerdings ein menschliches. Kirill Dmitriew, der CEO des russischen Staatsfonds Russian Direct Investment Fund (RDIF), sieht eine „viel größere und erprobte Sicherheit menschlicher adenoviraler Vektoren im Vergleich zu neuen, noch nicht erprobten Technologien wie adenoviralen Vektoren aus Affen oder mRNA“.

    Letztere nutzen Astra-Zeneca und die Oxford University für ihren Impfstoff, bei mRNA bezieht sich Dmitriew auf den innovativen Forschungsansatz der Firmen Moderna, der Mainzer Biontech, aber auch des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac. Die mRNA sorgt dafür, dass die Zellen des Geimpften Virusproteine herstellen, die eine Immunreaktion hervorrufen, die dann Sars-CoV-2 abwehrt.

    Der RDIF hat die Entwicklung und Produktion des russischen Corona-Impfstoffs namens „Sputnik V“ finanziert. Daneben will der RDIF auch den Astra-Zeneca-Impfstoff gegen Corona in Russland produzieren lassen.
    Die Impfstoffkandidaten von Moderna und Biontech/Pfizer befinden sich ebenfalls bereits in groß angelegten Phase-3-Studien.

    Für den russischen Wirkstoff soll nach der bereits erteilten Zulassung nun auch eine entsprechend große Phase-3-Studie durchgeführt werden. Die russischen Forscher hatten in einem kürzlich veröffentlichten Artikel in der Fachzeitschrift „Lancet“ darauf verwiesen, dass ihre verwendeten Adenovirusvektoren eine Möglichkeit seien, eine robuste Immunreaktion hervorzurufen. Allerdings sei weitere Forschung nötig, um dies zu bestätigen, räumten sie ein.

    Mehr: Oxford-Forscher hoffen auf Zulassungsantrag für Corona-Impfstoff noch 2020.

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    4 Kommentare zu "Impfstoff : Rückschlag für Covid-Studie von Astra-Zeneca "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich denke: hochwirksame Medikamente haben auch Nebenwirkungen; dass es da zu Unterbrechungen kommt, halte ich für normal! Unter Rückschlag würde ich verstehen, dass keine oder nur eine ungenügende Wirkung erreicht wird; das kann ich hier noch nicht erkennen.

    • @Herr Markus Maisch
      kommt mir auch so vor, als wenn viele Journalisten gerne den Guttenberg machen. Guttenberg - der Erfinder des "copy and paste".

    • Liebes Handelsblatt,

      habt ihr von der WELT abgeschrieben? Was soll denn bitte diese Überschrift? Das ist mehr als unseriös. Klar ist doch aktuell, dass man nichts weiß. Und dass bei solchen Vorfällen das Standardprozedere eben ist, erstmal zu pausieren und zu untersuchen. Ob die Erkrankung mit dem Impfstoff zusammenhängt ist derzeit völlig offen, mitnichten kann man daher von schweren Nebenwirkungen sprechen! Sorry, das ist viel, aber kein guter Journalismus. Etwas weniger Aufgeregtheit wäre angebracht.

    • Die Überschrift ist irreführend - es ist ja noch nicht klar, ob es sich um "Nebenwirkungen" handelt. Clickbait?

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