Alexander Kudlich: Ex-Rocket-Vorstand investiert künftig in junge Tech-Unternehmen
Alexander Kudlich (links im Bild) geht künftig auf Gründer-Jagd.
Foto: ReutersHamburg. Als Alexander Kudlich im März nach neun Jahren aus dem Vorstand des Berliner Start-up-Konzerns Rocket Internet ausschied, hieß es luftig, er wolle sich „neuen Herausforderungen“ stellen. Jetzt wird klarer, worin seine neue Mission besteht: Kudlich hat mit zwei Partnern einen eigenen Risikokapitalgeber aufgebaut und dafür 170 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld soll an junge Tech-Unternehmen fließen.
Der neue Risikokapitalfonds heißt „468 Capital“. Er habe bereits in eine „Handvoll“ europäische Start-ups investiert, sagte Kudlich der „Financial Times“. Insgesamt will er in rund 25 Gründer investieren. Im Fokus stehen maschinelles Lernen, quelloffene Software und Automatisierung.
Mit dabei sind zwei weitere Partner: Ludwig Ensthaler war ebenfalls bis März bei Rocket Internet und machte Investments für den Rocket-Risikokapitalgeber Global Founders Capital. Ebenfalls in der Tech-Szene bekannt ist Florian Leibert. Der Schweinfurter lebt im Silicon Valley und gehörte zum frühen Technik-Team von Twitter. Der Mehrfachgründer baute zuletzt die Cloud-Software-Firma D2iQ auf.
468 Capital soll europäischen Gründern helfen, den Sprung in die USA zu schaffen. „Wer ein globales Geschäftsmodell hat und dabei relevant sein will, muss auch in den Vereinigten Staaten sein“, sagte Kudlich der „FT“. Er betonte, 468 Capital verzichte anders als viele Konkurrenten auf Geld von staatlichen Förderern wie dem European Investment Fonds und der Förderbank KfW. Zu den Investoren gehörten stattdessen Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften.
Beteiligt sei der neue Investor bereits am Karlsruher Grafikdesign-Software Vectornator, am deutsch-ungarischen Robotik-Start-up Bardeen und an einem Energie-Optimierer namens Frequenz. Das gibt einen Eindruck von dem Investment-Fokus: Die Partner wollen aussichtsreiche Gründer auch abseits der etablierten Start-up-Metropolen wie Berlin etwa in Karlsruhe, Tübingen und Aachen finden – also im Umfeld der Technischen Hochschulen. Allein sind sie mit dem Ansatz nicht: Mehrere Tech-Fonds stürzen sich derzeit auf solche Gründer, die tiefer in neue Technologien einsteigen.
Mit 170 Millionen Euro Volumen gehört der neue Fonds zu den mittelgroßen deutschen Risikokapitalgebern – und ist deutlich kleiner als der jüngste Topf von Rocket Internet, der rund eine Milliarde Euro groß ist.
Trotz der Corona-Krise gab es mehrere Fonds-Ankündigungen in den vergangenen Monaten. In München startete etwa der Tech-Fonds Vsquared mit 65 Millionen Euro. Anders als in der Finanzkrise, bei der die Geldversorgung gestört war, versiegen die Finanzquellen in der aktuellen Situation offenbar nicht.