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Bankensoftwarespezialist Wie Eugene Danilkis das neue Fintech-Einhorn Mambu erschuf

Mit Mambu hat der 38-Jährige Danilkis zum Aufstieg der digitalen Bankenherausforderer beigetragen – und sich den Respekt der traditionellen Banken erworben.
22.01.2021 - 15:07 Uhr Kommentieren
Mittlerweile hat sein Fintech 170 Geschäftskunden in 50 Ländern, die mit ihren Finanzprodukten 20 Millionen Menschen erreichen. Quelle: Mambu
Eugene Danilkis

Mittlerweile hat sein Fintech 170 Geschäftskunden in 50 Ländern, die mit ihren Finanzprodukten 20 Millionen Menschen erreichen.

(Foto: Mambu)

Berlin Der Chef des Bankensoftwarespezialisten Mambu, Eugene Danilkis, hat es geschafft: Sein in Berlin ansässiges Fintech gehört nun zum illustren Kreis der Einhörner, also zu den Unternehmen, deren Bewertung eine Milliarde Euro überschreitet. Nach der jüngsten Finanzierungsrunde von 110 Millionen Euro, der zweithöchsten Venture-Capital-Spritze in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten, wird das Fintech auf 1,7 Milliarden Euro taxiert. Leadinvestor war dabei der Fonds TCV, der unter anderem auch bei Netflix und Spotify engagiert ist.

In Deutschland ist bislang nur wenigen Fintechs der Sprung in die Einhorn-Liga gelungen. Üblicherweise stellt der Übergang zu einer milliardenschweren Bewertung einen markanten Einschnitt dar, der auch öffentlichkeitswirksam gefeiert wird. Nicht so bei Mambu. Die neue Bewertung wurde eher beiläufig mitgeteilt. Dinge an die große Glocke zu hängen entspricht nicht dem Naturell des 38-jährigen Danilkis.

„Mambu hat sich nie in die Öffentlichkeit gedrängt. Das Unternehmen haben nicht viele auf dem Radar – bei Investoren sieht das natürlich anders aus“, weiß Fritz Oidtmann, Managing Partner bei Acton Capital. Der Risikokapitalfonds ist seit Anfang 2016 bei dem Unternehmen Mambu engagiert, das seinen Namen von einer malaiischen Bezeichnung für eine robuste Bambusart ableitet.

Der rasante Aufstieg des Unternehmens ist für Oidtmann stark mit der Person Danilkis verbunden. Er gilt als exzellenter Softwareingenieur mit einem Faible für die Raumfahrt. Früher hat er auch Software für die internationale Raumstation ISS entwickelt. In seiner Freizeit ist er ein leidenschaftlicher Fotograf.

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    Leicht könnte man ihn daher als Nerd abstempeln, der seinen speziellen Interessen nachgeht. Das trifft nach Einschätzung von Oidtmann aber überhaupt nicht zu. „Er ist in erster Linie ein guter Unternehmer, der in den vergangenen Jahren gewachsen ist und eine Nase für den Markt hat. Er will Dinge voranbringen und scheut dabei auch nicht vor unkonventionellen Entscheidungen zurück“, sagt Oidtmann.

    Die Idee für die Gründung eines Unternehmens kam Danilkis, Frederik Pfister und Sophia Nunez während des Studiums an der Carnegie Mellon University von Pittsburgh. Sie arbeiteten an einem Projekt zu Mikrofinanzierung in Lateinamerika. Dabei stellten sie fest, dass es keine Infrastruktur für diese Art der Finanzierung gab. So reifte die Idee, diese Lücke durch ein Kernbankensystem zu schließen.

    Mambu zählt zu den Pionieren in der Branche

    „Als Mambu 2011 an den Start ging, wussten wir, dass die Zukunft des Bankwesens auf agiler und flexibler Technologie aufgebaut sein muss“, sagt der aus Kanada stammende Softwareingenieur Danilkis. Es sei darum gegangen, einen neuen Rahmen für Finanzdienstleistungen zu schaffen, den das Internet, die zunehmende Digitalisierung und Smartphones möglich machten.

    Dabei ging es Danilkis nicht um die Entwicklung von neuen Finanzprodukten und -dienstleistungen für den Endkunden. Ihm schwebte eher der Aufbau einer Plattform vor, die es anderen Marktteilnehmern erlauben würde, solche Produkte und Dienstleistungen in einer modernen Weise anzubieten.

    Heute bezeichnet Danilkis sein Unternehmen als Banking-Plattform, die „Software as a Service“ anbietet – über das Internet. Damit zählt er zu den Pionieren in der Branche. „Mambu war eines der ersten Unternehmen, das die Chance nutzte, Bankensoftware in die Cloud zu verlagern“, lobt John Doran, General Partner bei TCV.

    Mittlerweile hat das Fintech 170 Geschäftskunden in 50 Ländern, die mit ihren Finanzprodukten 20 Millionen Menschen erreichen. Mambu ist auf allen Erdteilen vertreten. Das Gros der Erlöse stammt aus Gebühren für die Nutzung der Plattform, die an bestimmte Kriterien gekoppelt sind – etwa wie häufig ein Konto genutzt wird.

    Für einen wichtigen Erfolgsfaktor des Geschäftsmodells halten Investoren das sogenannte „composable banking“. Auf der Mambu-Plattform können sich Kunden Bausteine aussuchen, die für ihren speziellen Zweck relevant sind – Kreditvergabe, Zahlungsverkehr, Kundenidentifizierung. Dabei können die Kunden je nach Markt zwischen verschiedenen Anbietern wählen, die sie auch austauschen können. „Über die Cloud können die Features schneller live gehen, sind preiswerter als andere Lösungen und beliebig skalierbar“, hebt Oidtmann die Vorteile hervor.

    Mit diesem Ansatz machte Mambu den Erfolg von sogenannten Challenger-Banken erst möglich. Das sind junge Firmen, die die etablierten Geldhäuser mit einem disruptiven Geschäftsmodell herausfordern. Diesen fällt es mit Mambu leichter, Banken Paroli zu bieten, wenn sie auf Kernbankensysteme zurückgreifen können, die sozusagen auf der grünen Wiese entstanden sind. Die stark expandierende Smartphonebank N26, die mit Mambu-Software arbeitet, ist dafür ein Beispiel.

    Andererseits gehört Mambu nicht zu den Fintechs, die die klassischen Kreditinstitute überflüssig machen wollen: „Wir haben Mambu 2011 mit dem Ziel gegründet, Bankentechnologie in einer digitalisierten Welt zu etablieren und für jeden zugänglich zu machen“, lautet das Credo von Danilkis.

    Selbst gestandene Banken setzen auf Mambu

    Mambu ist Vorreiter eines Trends, der mittlerweile die gesamte Kreditwirtschaft erfasst hat: Der Weg führt weg von klassischer IT-Infrastruktur hin zu cloudbasierten Plattformen, auf der auch Leistungen anderer Dienstleister integriert werden können. Durch Schnittstellen, sogenannten APIs, können sich Banken auch effektiver mit der Fintech-Szene vernetzen.

    Mambu profitiert natürlich davon, dass der Druck auf Banken noch nie größer war. Die Ertragsströme erodieren. Große Payment-Anbieter wie Paypal haben mit Macht den Zahlungsverkehr angegriffen. Internetkonzerne wie Google, Apple, Amazon und Facebook bieten verstärkt Finanzdienstleistungen an. Fintechs wildern in klassischen Bankgefilden. Und Beobachter sind sich einig, dass die Pandemie der Digitalisierung nochmals einen Schub geben wird.

    „In Summe ist die bestehende IT-Architektur zahlreicher Banken nur unzureichend darauf vorbereitet, das hohe Veränderungstempo im digitalen Zeitalter mitzugehen“, beobachtet die Beratungsgesellschaft Bain. Mittlerweile würden aber ausgereifte Software-as-a-Service-Pakete zur Verfügung stehen, die Banken nutzen könnten.

    Mambu wurde in diesem Kontext nicht ausdrücklich erwähnt. Doch die Tatsache, dass selbst gestandene Banken wie Santander oder ABN Amro auf die Dienste von Mambu zurückgreifen, spricht für sich.

    Danilkis ist sich im Klaren darüber, dass der Erfolg seines Unternehmens maßgeblich von den Mitarbeitern abhängt. Dafür ist er auch bereit, unkonventionelle Wege zu gehen. So ist Mambu auf der Suche nach Spezialisten nicht in Berlin, sondern in Amsterdam fündig geworden. Schließlich wurden die Büros dort bezogen, wo die Leute zu Hause waren. Mittlerweile ist auch Danilkis mit seiner Familie nach Amsterdam gezogen.

    Regelmäßig finden bei Mambu Umfragen statt, die dabei helfen sollen, die Arbeitssituation für die Mitarbeiter zu verbessern. „Die Mambuvians, so nennen sich die Mitarbeiter, sollen auch Freude an der Arbeit haben“, beschreibt Oidtmann das Anliegen. Die Umfragen werden künftig wohl etwas länger dauern: Denn bis 2022 will Mambu die Anzahl seiner Mitarbeiter von derzeit 500 auf 1000 verdoppeln.

    Mehr: Berliner Start-up Mambu gilt nun offiziell als Einhorn

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