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ChipbrancheASML reduziert Prognose – Chip-Aktien verlieren 420 Milliarden Dollar

Aufgrund eines Datenlecks wurden die Quartalszahlen des Chip-Anlagenbauers einen Tag zu früh veröffentlicht. Der Ausblick für 2025 enttäuscht die Anleger – und belastet Chipwerte weltweit.Joachim Hofer 16.10.2024 - 09:31 Uhr aktualisiert Artikel anhören
ASML-Maschine: Europas wertvollster Tech-Konzern steckt in der Krise. Foto: via REUTERS

München. Wegen eines Datenlecks hat Europas wertvollster Tech-Konzern ASML seine Quartalszahlen völlig unerwartet einen Tag früher als geplant veröffentlicht. Konzernchef Christophe Fouquet verkündete am Dienstagabend aus Sicht der Anleger schlechte Nachrichten. „Wir erwarten, dass unser Gesamtumsatz im Jahr 2025 auf eine Spanne zwischen 30 und 35 Milliarden Euro anwachsen wird“, erklärte der Franzose laut einer Mitteilung.

Der jetzt prognostizierte Umsatz liege in der unteren Hälfte der Spanne, die der Chipausrüster vor zwei Jahren beim Investorentag in Aussicht gestellt habe, wird Fouquet in der Mitteilung weiter zitiert. Im besten Fall hatte ASML Erlöse von 40 Milliarden versprochen.

Die Investoren zeigten sich entsetzt über den Ausblick von ASML. Der Aktienkurs des Unternehmens brach deshalb um 15 Prozent auf rund 671 Euro ein. Das zog Chipwerte weltweit ins Minus. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg betrugen die Verluste zusammengenommen mehr als 420 Milliarden Dollar.

Im Sommer noch hatte ASML-Chef Fouquet fürs kommende Jahr einen kräftigen Aufschwung angekündigt: „Wir erwarten, dass 2025 stark wird“, sagte damals der Manager, der den weltgrößten Hersteller von Halbleiterequipment seit dem Frühjahr führt.

Davon kann jetzt aber keine Rede mehr sein. ASML wird kommendes Jahr kaum zulegen. Die Nachfrage ziehe langsamer an als erwartet, so Fouquet. Vor allem die mehrere Hundert Millionen Euro teuren EUV-Maschinen, auf denen die Chips mit extrem ultraviolettem Licht bearbeitet werden, seien nicht so gefragt wie geplant. Wichtige Abnehmer würden ihre Fabriken eher langsam ausbauen.

ASML-Chef Christophe Fouquet rechnet mit einem enttäuschenden Jahr 2025. Foto: Bloomberg/Getty Images

Dem Großkunden Intel geht das Geld aus

Vor allem ein Großkunde muss sparen: Intel. Der langjährige Weltmarktführer hatte kürzlich angekündigt, den Neubau des geplanten Werks in Magdeburg um mindestens zwei Jahre zu verschieben. An der Elbe wollte der US-Konzern rund 30 Milliarden Euro investieren.

Zudem geben auch die großen Speicherchiphersteller laut ASML weniger aus als angenommen, um ihre Kapazitäten zu erhöhen. Führend bei Speicherchips sind Samsung, SK Hynix und Micron.

Im dritten Quartal stieg der Umsatz von ASML um rund zwölf Prozent auf knapp 7,5 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern die eigene Prognose leicht. Der Gewinn ist um etwa zehn Prozent auf fast 2,1 Milliarden Euro geklettert. Die Aussichten allerdings sind düster: Denn der Konzern verbuchte lediglich Aufträge über 2,6 Milliarden Euro. Analysten hatten vorab mit bis zu sechs Milliarden Euro gerechnet.

Seit dem Rekordhoch im Juli ist der Kurs um mehr als 30 Prozent  abgesackt. Das lag nicht nur an den schlechten Zahlen. Die Investoren fürchten, dass die niederländische Regierung den Hightech-Export nach China auf Druck der USA weiter einschränken wird. Die Regierung von Präsident Joe Biden drängt schon seit längerer Zeit auf schärfere Ausfuhrbestimmungen. Amerika will so verhindern, dass die Volksrepublik hochmoderne Halbleiter herstellt. Chinesische Chiphersteller gehören jedoch zu den wichtigsten Kunden von ASML.

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Für das gesamte Jahr prognostiziert ASML nun einen Umsatz von 28 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa den Erlösen von 2023.

Die schwachen Zahlen von ASML sind für Analysten und Investoren auch deshalb überraschend, weil es beim Schlüsselkunden TSMC rund läuft. Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger der Welt hat gerade erst ein Umsatzplus von fast 40 Prozent im dritten Quartal gemeldet. Ganz offenbar investieren die Taiwaner aber deutlich weniger in neues Equipment, als ASML erhofft hatte.

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