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Coronakrise Glänzende Geschäfte und Nachfrage-Einbruch – so unterschiedlich ist die Lage bei den Chipherstellern

Den Halbleiterfirmen geht es derzeit insgesamt besser als vielen anderen Branchen. Dennoch schlägt bei manchen die Rezession bereits voll durch.
24.04.2020 - 10:51 Uhr Kommentieren
Der Dax-Konzern Infineon kann seine Prognose nicht halten. Quelle: dpa
Halbleiterchip

Der Dax-Konzern Infineon kann seine Prognose nicht halten.

(Foto: dpa)

München Es ist eine Prognose, über die sich viele andere Industrien in der Coronakrise freuen würden: Der Umsatz der Halbleiterbranche werde dieses Jahr um 0,9 Prozent sinken, sagen die Marktforscher von Gartner voraus. Für die Chiphersteller allerdings ist es eine herbe Enttäuschung. Im Dezember hatte Gartner schließlich noch ein Plus von 12,5 Prozent für 2020 in Aussicht gestellt. Das wäre auch deshalb eine Erlösung gewesen, weil das Geschäft voriges Jahr um mehr als ein Zehntel eingebrochen ist.

Nachdem die Seuche in den vergangenen Wochen die ganze Welt stillgelegt hat, ist auch in der Chipbranche nichts mehr wie es war. Der erhoffte Aufschwung fällt erst einmal aus. Es zeichnet sich allerdings kein einheitliches Bild ab. So mancher Hersteller macht auch in diesen Tagen noch glänzende Geschäfte, während bei anderen die Rezession bereits voll durchschlägt.

Das liegt nicht zuletzt an den Kunden der Produzenten, die selbst ganz unterschiedlich betroffen sind. Wenn die Marktforscher recht behalten, wird die Industrie auch in den nächsten Monaten auseinander driften. Und nicht jeder Konzern wird den Schwung der vergangenen Wochen beibehalten können.

Das zeigt sich gut an Weltmarktführer Intel: Die Kalifornier sind im ersten Quartal geradezu sprunghaft gewachsen. Der Umsatz schoss um knapp ein Fünftel auf fast 20 Milliarden Dollar in die Höhe. Intel liefert Prozessoren – die Gehirne eines jeden Rechners. Weil der Datenverkehr in der Krise stark zunimmt, legen sich die Betreiber von Rechenzentren massenhaft neue Netzwerkrechner zu. Die Erlöse der Server-Sparte kletterten daher in den ersten drei Monaten des Jahres um mehr als 40 Prozent.

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    Doch auch das PC-Geschäft von Intel wuchs um 14 Prozent. Dies ist ein Bereich, der sich jahrelang eher schwer tat. Rund um den Globus besorgen sich die Arbeitnehmer aber derzeit Notebooks für die Heimarbeit – das sorgt für ein volles Auftragsbuch.

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    Der Aufwärtstrend könnte bis ins zweite Halbjahr anhalten, unterstrich Konzernchef Bob Swan. Euphorisch ist er trotzdem nicht: „Ab irgendeinem Punkt werden uns die Auswirkungen der Rezession treffen.“ Deshalb wollte er auch keine Prognose fürs laufende Jahr mehr abgeben.

    Die Halbleiter-Experten von McKinsey gehen unterdessen davon aus, dass der globale Chipumsatz dieses Jahr zwischen 5 und 15 Prozent sinken wird. Sie sind also deutlich pessimistischer als Gartner. Wie schlimm es wirklich werde, hänge davon ab, ob die Wirtschaft gegen Jahresende wieder anziehe oder nicht.

    Intel und seine größten Rivalen im Geschäft mit den Computerproduzenten, AMD und Nvidia, sind McKinsey zufolge erst einmal weniger betroffen von der Flaute. So würden Unternehmen weltweit zwar die Etats für neue PCs zusammenstreichen. Das würde teilweise ausgeglichen, da Konsumenten vermehrt neue Notebooks und Tablets kaufen. Mehr Geld fließe zudem dieses Jahr in neue Netzwerkrechner. Die Server werden nicht zuletzt für die vielen Videokonferenzen benötigt, die während der Pandemie stattfinden.

    Die großen Verlierer der Branche

    Zu den großen Verlierern der Chipindustrie zählen den Spezialisten von McKinsey zufolge dieses Jahr vor allem die Anbieter von Handychips, also Firmen wie Qualcomm oder Broadcom. Um bis zu ein Viertel könnte der Umsatz dieser Bauteile zurückgehen, weil die Menschen in der Krise weniger Smartphones kauften – und wenn sie zu neuen Modellen griffen, dann zu billigeren. Das habe sich bereits zu Jahresbeginn in China gezeigt, so McKinsey.

    Leiden dürften auch die Konzerne, die viel Geschäft mit Autoherstellern machen. Die Erlöse mit Fahrzeugchips würden zwischen 10 und 27 Prozent einbrechen, schätzt McKinsey. Das ist schmerzlich für die europäischen Halbleiterhersteller wie den Dax-Konzern Infineon oder NXP aus den Niederlanden, die einen großen Teil vom Umsatz mit der Autobranche erzielen. Wegen der langen Vorlaufzeiten der Kunden sei der Rückgang allerdings erst gegen Ende des zweiten Quartals in den Zahlen der Chipfirmen zu spüren.

    Neben Intel hat bereits eine ganze Reihe der führenden Chiphersteller die Quartalszahlen vorgelegt. Die Ergebnisse waren gemischt. Texas Instruments profitiere davon, dass die Kunden in den vergangenen Wochen die Lager gefüllt hätten, teilte der Konzern in dieser Woche mit.

    Gleichwohl sei der Umsatz im ersten Quartal um sieben Prozent auf 3,33 Milliarden Dollar geschrumpft. Der Gewinn ist mit knapp 1,2 Milliarden Dollar hingegen nahezu konstant geblieben. CEO Rich Templeton kündigte an, das Unternehmen werde seine Fabriken offen halten und auch die Forschung und Entwicklung aufrecht erhalten. Auch die Aktionäre würden ihre Dividenden erhalten, selbst der Aktienrückkauf werde fortgesetzt.

    Von Mai an werde Texas Instruments die Pandemie wohl stärker zu spüren bekommen, weil die Kunden dann genügend Vorräte hätten. „Viele Kunden sind noch dabei, sich zu sortieren“, sagte Finanzvorstand Officer Rafael Lizardi diese Woche. Wie es im zweiten und dritten Quartal weiter gehe, sei noch völlig offen.

    Europas größter Chiphersteller ST Microelectronics ist im ersten Quartal noch gewachsen, rechnet in Folge des coronavirusbedingten Nachfrageeinbruchs in der Autoindustrie aber mit einem Umsatzrückgang. Im zweiten Quartal werde ein Minus von rund zehn Prozent erwartet, teilte das Unternehmen mit. Im ersten Quartal kam STM wegen steigender Absätze auf ein Erlösplus von 7,5 Prozent. Das sind allerdings fünf Prozentpunkte weniger als Firmenchef Jean-Marc Chery zu Beginn des Jahres in Aussicht gestellt hatte.

    Die Autoindustrie streicht Aufträge

    Vor allem die Autoindustrie habe die Aufträge gekürzt, sagte Chery. Wegen der Auflagen der Behörden sei es zudem herausfordernd, die Fabriken und auch die Lieferkette am Laufen zu halten. Zwar seien alle Fabriken des italienisch-französischen Konzerns in Betrieb; zum Teil aber mit geringerer Kapazität, was zu Leerstandskosten führe.

    „Wir gehen von Wachstum im zweiten Halbjahr aus“, so Chery. Einerseits gebe es bereits Kundenzusagen, andererseits dürften die Schwierigkeiten in der Lieferkette dann wegfallen. ST will angesichts der Schwierigkeiten nun maximal 1,2 Milliarden Dollar investieren, das sind 300 Millionen weniger als zunächst geplant.

    Der weltgrößte Handychip-Hersteller, Broadcom, warnte jüngst vor massiven Lieferschwierigkeiten. Die Kunden müssten mindestens sechs Monate im Voraus bestellen, teilte der Konzern mit. Durch die Einschränkungen des täglichen Lebens in Malaysia, Thailand, Singapur und den Philippinen seien die Abläufe empfindlich gestört. Normalerweise betrage der Vorlauf lediglich zwei oder drei Monate. Broadcom beliefert unter anderem den iPhone-Hersteller Apple.

    Dass die Branche indes zumindest langfristig an Wachstum glaubt, beweisen die jüngsten Aussagen von ASML. Die Nachfrage sei auch in der Krise gut, teilten die Niederländer mit. ASML ist einer der wichtigsten Zulieferer der Industrie und die Maschinen des Konzerns sind einer der größten Posten in den Investitionsetats der Chipfirmen.

    Mehr: Welche Chiphersteller von der Coronakrise profitieren – und welche leiden.

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