Drohnen: Start-up Quantum Systems plant mehrere Firmenübernahmen
Düsseldorf, Berlin. Der Münchener Drohnenhersteller Quantum Systems steht offenbar vor dem Abschluss mehrerer wichtiger Deals. Das erfuhr das Handelsblatt von mit der Sache vertrauten Personen. Demnach soll das Unternehmen kurz davorstehen, zwei Akquisitionen abzuschließen. Weitere sollen in Vorbereitung sein. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme dazu ab.
Laut Insidern steht Quantum dabei kurz vor dem Zukauf von zwei Unternehmen, mit denen sich das Start-up unter anderem im Bereich Software für autonome Systeme verstärken will. Zum Preis machten die informierten Personen keine Angaben.
Quantum hat Bedarf: Für das Unternehmen, dessen Aufklärungsdrohnen unter anderem in der Ukraine zum Einsatz kommen, läuft das Jahr deutlich besser als geplant. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, dürfte die Firma 2025 einen Gesamtumsatz von 275 Millionen Euro verzeichnen. Das sind 34 Prozent mehr als die Prognose, die das Start-up Anfang des Jahres getroffen hatte.
Das entspräche einer Verdreifachung zum Vorjahr und verschafft der Firma ein großes Interesse bei Investoren und eröffnet neue Möglichkeiten. Zugleich stimmt die Auftragslage. „Wir peilen an, in diesem Jahr Aufträge im Wert von einer Milliarde Euro zu erhalten“, sagte Firmen-Co-Chef Florian Seibel kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Nach Finanz- und Unternehmenskreisen verhandelt Quantum Systems derzeit mit verschiedenen Kapitalgebern über eine Erweiterung seiner jüngsten Finanzierungsrunde. Erst im Mai hatte die Firma 160 Millionen Euro eingesammelt. Der Londoner Wagniskapitalgeber Balderton Capital, der die Runde angeführt hatte, zählt laut Finanzkreisen zu den Interessenten. Der Investor war bislang nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Weitere Finanzrunden stehen an
Nach Handelsblatt-Informationen könnten dem Unternehmen nun noch einmal 150 Millionen Euro zufließen. Dabei streben die Co-Chefs Seibel und Sven Kruck wohl eine Bewertung von drei Milliarden Euro an. Im Mai hatte die Firma die prestigeträchtige Bewertungsmarke von einer Milliarde geknackt, ab der ein Start-up als „Einhorn“ bezeichnet wird.
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Die schnell steigende Bewertung ist auch eine Folge des Investmentbooms um Start-ups im Verteidigungssektor. Quantums Wettbewerber Helsing soll nach der jüngsten Finanzierung im Juni sogar mit zwölf Milliarden Euro bewertet sein. Das Team von Quantum geht nach Handelsblatt-Informationen davon aus, dass die Firma ihre Umsätze weiter so steigern kann, dass bei einer nächsten größeren Investmentrunde im Frühjahr 2026 eine Bewertung von fünf Milliarden Euro stehen könnte.
Zwischenzeitlich gab es bereits Spekulationen um einen kurzfristigen Börsengang: Mehrere Investmentbanken hatten Quantum Systems angeboten, diesen zu begleiten. Doch das Führungsteam will sich zunächst auf die Erweiterung des Geschäfts von fliegenden Drohnen auf die militärischen Dimensionen Land und See konzentrieren – und arbeitet wohl auch vor diesem Hintergrund an mehreren Übernahmen.
Zwei weitere potenzielle Zukäufe werden Insidern zufolge geprüft. Eine der beiden Firmen, für die sich Quantum noch interessiert, könnte Fernride sein. Das Münchener Start-up Fernride hat gegenüber dem Handelsblatt jüngst eine strategische Neuausrichtung bestätigt: Seine Aktivitäten im Bereich der Hafenlogistik, die sich langsamer entwickelt hatten als geplant, werden zunächst eingestellt. Deshalb will sich CEO Hendrik Kramer auf den Rüstungssektor konzentrieren. Damit der sogenannte „Pivot“ gelingt, entlässt die Firma 60 Prozent ihrer etwa 130 Mitarbeiter und rekrutiert Fachkräfte aus dem Verteidigungsbereich.
Die Fähigkeit, militärische Fahrzeuge wie Panzer aus der Ferne zu steuern, gilt als kritische Zukunftstechnologie im Bereich der Verteidigung. Start-ups wie Quantum Systems und Arx Robotics arbeiten daran, aber auch etablierte Konzerne wie Rheinmetall.
Quantum hatte sich schon früher mit Zukäufen verstärkt, um das schnelle Wachstum zu bewerkstelligen und im Wettbewerb zu bestehen. Im Frühjahr hat Quantum Systems etwa den Copterdrohnen-Anbieter Airrobot aus dem sauerländischen Arnsberg gekauft und damit dessen Aufträge übernommen.
Erstpublikation: 15.10.2025, 17:42 Uhr.