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Flagright, Glocally oder VoizeDiese deutschen Start-ups haben es in den bekanntesten Accelerator der USA geschafft

In der jüngsten Runde hat der renommierte Y Combinator sechs Firmen aus Deutschland aufgenommen. Die Gründer erzählen, was ihre Unternehmen auszeichnet.Stephan Scheuer 15.04.2022 - 12:27 Uhr Artikel anhören

Der „Y Combinator“ gilt als eines der renommiertesten Start-up-Accelerator-Programme.

Foto: Y Combinator

San Francisco. Airbnb, Stripe oder Dropbox: Die renommierte Start-up-Schmiede Y Combinator hat einige der wertvollsten Firmen der Welt hervorgebracht. Die Organisation aus dem Silicon Valley hat rund 4000 Firmen gefördert.

Die jüngste Gruppe von geförderten Firmen stellte kürzlich einer ausgewählten Zahl von Investoren und Journalisten ihre Geschäftsmodelle vor. Das Handelsblatt war dabei und stellt die sechs Start-ups aus Deutschland vor, die aufgenommen wurden.

Der Y Combinator ist eine Institution im Silicon Valley, die die Landschaft für Firmen mitgeprägt hat. „Der Y Combinator ist der Goldstandard“, sagte Christian Jorg, Managing Partner US beim vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Gründerprogramm German Accelerator.

Die Organisation sei bestens vernetzt und gebe guten Zugang zu Geldgebern. „Anschlussfinanzierung ist deutlich einfacher als bei anderen Acceleratoren“, sagte Jorg.

Konzentrierte sich der Y Combinator, kurz YC, anfangs noch darauf, eine kleine Zahl von Firmen zu fördern, wurde der Fokus stark erweitert. Schon in der vergangenen Runde wurden mehr als 400 Firmen aufgenommen.

Voize: Sprachassistent für Gesundheitssektor

In der jüngsten Runde bewarben sich 17.000 Jungfirmen. 414 wurden ausgewählt. Davon stammen sechs aus Deutschland. Fabio Schmidberger ist einer der Gründer in dem Programm. Er ist CEO von Voize, einer Firma, die Pflegedokumentation per Spracheingabe ermöglicht. Mitarbeitende etwa in Krankenhäusern sollen nicht mehr aufwendig Formulare ausfüllen müssen, sondern wichtige Informationen einfach diktieren können.

Beim weiteren Aufbau der Firma erhofft sich Schmidberger entscheidende Unterstützung von YC. „Das Fachwissen beim YC ist am besten“, sagte Schmidberger. Er und seine Co-Gründer würden während des dreimonatigen Programms von herausragenden Fachleuten im Aufbau ihrer Firma unterstützt.

Auf die Frage, wieso gerade seine Firma aufgenommen wurde, hatte er eine klare Antwort: „Wir sind erst beim zweiten Anlauf genommen worden. Unser größter Vorteil war, dass wir großen Fortschritt zeigen konnten.“ Das Geschäftsmodell habe sich ausgezahlt. Der Umsatz habe sich verzehnfacht.

Mehrere Anläufe beim YC sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. In der jüngsten Runde zählte das Programm 57 Prozent der Firmen, die mehr als ein Mal das Bewerbungsprogramm durchlaufen haben.

Flagright: Echtzeit-Prüfung gegen Geldwäsche

Baran Özkan ist Co-Gründer und CEO vom Münchener Start-up Flagright. Seine Firma bietet eine Lösung an, die Firmen aus der Finanzbranche helfen soll, in Echtzeit Kriminelle zu identifizieren. Dank einer einfachen Integration könnten Firmen schnell und einfach den Vorgaben der Geldwäscheregulierung Rechnung tragen.

„Y Combinator ist die beste Adresse in der Welt“, begründete Özkan die Entscheidung für das Programm. Seine Firma habe sich auch für das Berliner Programm Techstars interessiert, Y Combinator sei letztlich schneller gewesen.

Mit der Aufnahme in die Förderung bekommen Özkan, Schmidberger und die anderen Gründerinnen und Gründer im Programm nicht nur Zugang zu Fachleuten, Schulungen und Kontakt zu Geldgebern.

YC selbst investiert auch in die Firmen. Jedes Start-up bekommt 125.000 Dollar und gibt im Gegenzug sieben Prozent der Firmenanteile an YC. Für die aufgenommenen Firmen in diesem Jahr gibt YC weitere 375.000 Dollar hinzu. Start-ups können also bis zu 500.000 Dollar einsammeln.

Glocally: Nachhaltiger Lieferdienst

Fabian Warmdt ist CEO beim Münchener Start-up Glocally. Die Firma verspricht nachhaltige und schnelle Lieferungen im E-Commerce. Die Zustellung soll CO2-neutral erfolgen. Dazu setzt die Firma auf E-Lastenräder.

Warmdt fällt ein vernichtendes Urteil über vergleichbare Programme in Deutschland und Europa. „Acceleratoren in Deutschland oder Europa sind nicht effektiv. Wir waren sogar in ein paar, das war Zeitverschwendung. Es hindert einen daran, Produkte zu bauen und Kunden zu gewinnen“, kritisierte Warmdt.

Der YC sei anders aufgebaut. Das Vermitteln von Fachwissen erfahrener Gründerinnen und Gründer stehe im Fokus. Die Jungfirmen würden zu stark zeitlich belastet und könnten dennoch viel lernen. „Einer von unseren Partnern hat zum Beispiel Yahoo gegründet. Das ist so viel Erfahrung und Wissen, das findet man so in der Ballung nirgends“, sagte Warmdt.

Pina Earth: Plattform für nachhaltige Forstwirtschaft

Pina Earth aus München hat es mit einer Plattform für Waldbesitzer in den YC geschafft. Die Jungfirma will mit einer Sammlung digitaler Werkzeuge nachhaltige Forstwirtschaft qualifizieren und entlohnen. Durch die Nutzung von Luftbilddaten und künstlicher Intelligenz könne die CO2-Bindung von Wäldern genau gemessen und nachverfolgt werden, verspricht das Start-up.

YC verschaffe dem Start-up nicht nur ein gutes Netzwerk, es gebe auch fachliche Unterstützung. „Wir werden eng von Gustaf Alströmer begleitet, der zudem als Business Angel bereits viele Investments in Climate-Tech-Start-ups getätigt hat“, sagte Co-Gründerin und CEO von Pina Earth, Gesa Biermann.

AiSupervision: Manuelle Produktionsschritte erfassen

Die Firma AiSupervision aus Mannheim richtet sich an Industriekunden. CEO Sascha Lang will ein Betriebssystem für Produktionslinien aufbauen. Das System soll auf Basis von künstlicher Intelligenz auch manuelle Produktionsschritte in der Fertigung erfassen können und so etwa Vorarbeiter entlasten. „Wir sind live in 15 Fabriken“, sagte Lang bei der Vorstellung seines Unternehmens.

Wer sich Fabriken außerhalb von Tesla oder Amazon angesehen habe, wisse, wie oft noch Papier und Stifte im Einsatz seien, um den Ablauf der Produktion zu überwachen. Dadurch ginge viel Geld und Effizienz verloren. AiSupervision wolle dieses Problem lösen, sagte Lang.

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Gavel: Live-Shopping für Einzelhändler

Das Berliner Start-up Gavel hat es mit einem Konzept für Live-Shopping in den YC geschafft. Co-Gründer Marvin Musialek erklärte, dass noch immer viele Einzelhändler keinen Onlineverkauf aufgebaut hätten. Das wolle Gavel ändern und konzentriere sich zunächst auf Comic-Läden.

Musialek sagte: „Y Combinator hat ja das Prinzip Accelerator erfunden, und wir sind immer davon überzeugt.“ Die Unterstützung und Finanzierung aus den USA sei wichtig – auch für eine künftige Expansion. „Die USA sind ein sehr starker und entscheidender Markt für uns, werden aber eher mittelfristig eine Rolle bei uns spielen“, sagte Musialek.

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