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HochleistungschipsJapan treibt Aufholjagd mit Milliarden voran

Die Regierung verdoppelt die Zuschüsse für das Start-up Rapidus, um zum Marktführer TSMC aufzuschließen. Innerhalb weniger Jahre wollen die Japaner gleich mehrere Chipgenerationen überspringen.Martin Kölling 03.04.2024 - 15:59 Uhr
Rapidus-Präsident Atsuyoshi Koike beim ersten Spatenstich im September: Das Start-up baut auf Hokkaido eine Fabrik für Hochleistungschips.  Foto: IMAGO/Kyodo News

Tokio. Japans Regierung will das Land mit hohen Subventionen in die Spitzengruppe der Chiphersteller bringen. Am Dienstag hat das Wirtschaftsministerium die Subventionen für das Start-up Rapidus um 3,3 Milliarden auf umgerechnet fast sechs Milliarden Euro aufgestockt.

Das erst 2022 von heimischen Konzern-Schwergewichten wie Toyota und NEC gegründete Unternehmen baut derzeit auf der nördlichen Insel Hokkaido eine Fabrik für Chips mit Strukturen von zwei Nanometern. Das Design stammt vom US-Konzern IBM, die Belichtungstechnik vom belgischen Imec, die Produktionstechnik von den Japanern.

Je geringer die Strukturgröße, umso leistungsfähiger sind die Halbleiter. Das in Deutschland geplante Werk des taiwanischen Chipriesen TSMC setzt maximal 12-Nanometer-Technik ein.

Japan geht damit einen Sonderweg. Anders als Deutschland plant das Land nicht nur die Ansiedlung von ausländischen Chipfirmen wie TSMC mit relativ ausgereiften Technologien. Die Wirtschaft und die Regierung wollen auch die Vormachtstellung der Taiwaner und Amerikaner bei der derzeit modernsten Chipgeneration angreifen, die für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) immer wichtiger wird.

Wirtschaftsminister Ken Saito ließ am Dienstag keinen Zweifel an der Zielsetzung:. „Generative KI und autonomes Fahren sind der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Industrie insgesamt, und das Ministerium wird alles tun, um erfolgreich zu sein.“

Chipkombinationen werden immer wichtiger

Weitere Förderungen sind daher ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Sie würden nach Bedarf vergeben, erklärte Hidemichi Shimizu, der für Halbleiter zuständige Direktor des Ministeriums.

In diesem Jahr geht die Regierung sogar erstmals einen Schritt über die eigentliche Chipproduktion hinaus. Erstmals sind umgerechnet etwa 330 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung im Bereich des sogenannten Back-End-Packaging vorgesehen, also des Zusammensetzens eines funktionsfähigen Chips.

„Das ist eine sehr wichtige Technologie, die in Zukunft die Produktionskapazitäten und die Wettbewerbsfähigkeit von fortschrittlichen Halbleitern bestimmen wird”, erklärt Shimizu.

Wirtschaftsminister Ken Saito: „Generative KI und autonomes Fahren sind der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit der japanischen Industrie insgesamt.“ Foto: Franck Robichon/Pool Photo via AP

Da sich die Chipstrukturen kaum noch verkleinern lassen, wird die Kombination von Speicher- und Rechenchips auf einer Struktur oder mehreren Halbleiterschichten immer wichtiger. So kann nicht nur die Leistungsfähigkeit der Chips weiter gesteigert, sondern auch der Energieverbrauch gesenkt werden. Bei diesem komplexen Verfahren setzt Rapidus auch auf Technologie der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft.

Das Projekt spielt eine Schlüsselrolle bei dem Versuch Japans, mit einem großen Sprung seine alte Technologieführerschaft in der Chipindustrie wiederzuerlangen. Innerhalb weniger Jahre will Rapidus mehrere Chipgenerationen überspringen, erklärte die US-Denkfabrik Center for International & Strategic Studies. „Das wäre eine beispiellose technologische Leistung.“

Japan will Abhängigkeiten verringern

In den 1980er-Jahren war Japan der größte Chip- und Computerstandort. Noch heute kommen rund zehn Prozent der weltweit produzierten Halbleiter aus Japan. Bei Speicherchips konkurriert Kioxia mit SK Hynix aus Südkorea um den zweiten Platz hinter Samsung.

Doch im Wettlauf um immer kleinere Chipstrukturen konnten die japanischen Mischkonzerne nicht mehr mithalten. TSMC aus Taiwan eroberte den Markt für Hochleistungschips, Samsung aus Südkorea und Intel aus den USA versuchen nun aufzuschließen.

Diese Abhängigkeit von ausländischen Anbietern will die japanische Regierung angesichts des eskalierenden Handelskriegs zwischen China und den USA verringern. Doch sie ging bisher im Stillen vor. Als die Regierung 2021 erstmals Subventionen für Chipfabriken ankündigte, hatte sie sich bereits TSMC als ersten Investor gesichert.

Dabei halfen die Subventionen von inzwischen 1,2 Billionen Yen, umgerechnet etwa 7,4 Milliarden Euro, sowie der Einstieg des Elektronikkonzerns Sony und des Autozulieferers Denso als Joint-Venture-Partner. Dies führt nun dazu, dass Japan die USA und die Europäische Union bei der Stärkung der Chiplieferketten überholt.

Während beispielsweise das TSMC-Werk in Deutschland noch in Planung ist, haben die Taiwaner im Februar bereits ihre erste Fabrik eingeweiht, planen offiziell eine zweite und Gerüchten zufolge eine dritte.

Japan will in der Chip-Wertschöpfungskette aufsteigen

Der Kraftakt zahlt sich inzwischen über die Chipproduktion hinaus aus. TSMC und auch Samsung bauen ihre Entwicklung in Japan aus, um von der großen Expertise der ehemaligen Chipgroßmacht  bei Komponenten, Chemikalien und Produktionsanlagen für die Branche zu profitieren.

TSMC-Gründer Morris Chang zeigte sich bei der Werkseröffnung auf der südjapanischen Insel Kyushi daher nicht nur zuversichtlich, dass das Engagement des Konzerns die Sicherheit bei der Versorgung mit Chips für Japan und die Welt verbessern werde. „Ich glaube und hoffe, dass es auch eine Renaissance der japanischen Halbleiterindustrie einleiten wird.“

TSMC-Werk in Kumamoto: Die Taiwaner wollen von der Chipexpertise in Japan profitieren. Foto: Kyodo News via AP

Das ist auch der Plan der Regierung. Zu Beginn der Offensive konzentrierte sich die Regierung, ähnlich wie bei der geplanten TSMC-Fabrik in Deutschland, auf Chips mit relativ großen Strukturen für die Auto- und Elektronikindustrie. Denn dort ist der Bedarf im eigenen Land am größten.

Die erfolgreiche Ansiedlung von TSMC und nun die Expansionspläne stärken das Selbstvertrauen, sich schnell in der Wertschöpfungskette nach oben arbeiten zu können. Vergangene Woche kündigte die Regierung an, die Entwicklung einer neuen Generation von Halbleitern für autonomes Fahren durch japanische Autohersteller und -zulieferer zu subventionieren. Die Chips sollen dann auch im Land produziert werden – bei Rapidus.

Ob der Versuch, den Sprung von reifer zu modernster Chiptechnologie zu schaffen, gelingen wird, bleibt abzuwarten. Minister Ken Saito war sich des hohen Einsatzes bereits im vergangenen Jahr bewusst. „Das Projekt darf auf keinen Fall scheitern“, sagte er.

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Erstpublikation: 02.04.2024, 12:01 Uhr.

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