Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Internetkonzern Sea „Free Fire“: Mit dem beliebtesten Handyspiel der Welt wird Forrest Li zum Börsenstar

Bis zu 100 Millionen Menschen spielen täglich „Free Fire“. Die Firmengruppe dahinter ist so zum wertvollsten Unternehmen Südostasiens aufgestiegen.
01.03.2021 - 14:07 Uhr Kommentieren
Weltweit wurde das Spiel aus Singapur, das in Deutschland nahezu unbekannt ist, sowohl 2019 als auch 2020 so oft auf Smartphones heruntergeladen wie kein anderes.
Szene aus „Free Fire“

Weltweit wurde das Spiel aus Singapur, das in Deutschland nahezu unbekannt ist, sowohl 2019 als auch 2020 so oft auf Smartphones heruntergeladen wie kein anderes.

Bangkok Steve Jobs steht auf der Bühne, er trägt eine schwarze Robe, hinter ihm weht eine Flagge der Universität Stanford. Der Apple-Gründer ist an den Campus der Elitehochschule gekommen, um vor Absolventen von seinen Adoptiveltern zu erzählen, von seinem Studienabbruch, dem zwischenzeitlichen Rauswurf bei Apple und seiner Krebsdiagnose. Es ist Juni 2005, und zum Abschluss seiner berühmten Ansprache gibt Jobs den Anwesenden noch einen Tipp fürs Leben. „Bleibt hungrig, bleibt verrückt“, sagt er.

Im Publikum sitzt ein junger Student aus China. Er heißt Forrest Li und zeigt sich von der Rede tief beeindruckt. Die Aufzeichnung wird sich der damals Mitte-20-Jährige, der seinen englischen Vornamen in Anlehnung an den Film „Forrest Gump“ selbst gewählt hat, noch Dutzende Male im Internet ansehen.

Inzwischen beschreibt er Jobs‘ Worte als wichtigste Inspiration für seine rasante Gründerkarriere, die in seiner Wahlheimat in Südostasien beispiellos ist: Lis Start-up, das er 2009 mit Freunden gründete, stieg in Rekordzeit zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen der 650 Millionen Einwohner großen Region auf. Ein wichtiger Grund dafür ist die Coronakrise.

Von seiner Zentrale in Singapur – der Heimat seiner Frau, die wie er in Stanford studierte – baute Li einen Internetgiganten auf, der in Südostasien sowohl den Markt für E-Commerce als auch das lukrative Geschäft mit Onlinespielen dominiert. In Zeiten der Pandemie stellte sich die Kombination aus Onlineshopping und zu Hause Zocken als ideales Geschäftsmodell heraus.

Die von Li geführte Firmengruppe mit dem Namen Sea wurde zum Börsenüberflieger: An der New Yorker Wall Street, wo das Unternehmen seit 2017 notiert ist, hat sich der Börsenwert des Unternehmens in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verfünffacht. Nicht einmal bei Tesla ging es in der Zeit derart steil bergauf. Die Marktkapitalisierung von Sea lag in den vergangenen Wochen zeitweise bei mehr als 140 Milliarden Dollar. Lis persönliches Vermögen wuchs laut „Forbes“ auf knapp 14 Milliarden Dollar.

Das Milliardengeschäft mit „Battle Royale“

Wer den Aufstieg des 43-Jährigen verstehen möchte, sollte sich dafür zuerst mal eben aus einem Flugzeug in die Tiefe stürzen – natürlich rein virtuell über Lis populärste Smartphone-App. Mit dem Fallschirmsprung beginnt das Hit-Spiel „Free Fire“, das für Sea zu einer unverzichtbaren Einnahmequelle geworden ist.

Das Prinzip ist simpel: Nach der Landung bekämpfen sich die Spieler in einer virtuellen Arena so lange, bis nur noch einer übrig ist. Die Spielfläche wird während des Spiels ständig kleiner, damit sich die Schlacht nicht endlos in die Länge zieht. „Battle Royale“ heißt dieses Genre in der Computerspielszene – der Kassenschlager „Fortnite“ des US-Entwicklers Epic Games folgt der gleichen Idee.

Der 43-jährige Gründer hat Südostasiens wertvollstes Unternehmen aufgebaut. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Forrest Li

Der 43-jährige Gründer hat Südostasiens wertvollstes Unternehmen aufgebaut.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Was „Free Fire“ aber so besonders macht, ist seine Zielgruppe: Statt Spielefans mit teuren PCs oder modernen Konsolen in den Fokus zu nehmen, konzentrierte sich Li auf Smartphone-Besitzer in Schwellenländern. Wer „Free Fire“ spielen will, braucht nicht die teuren Geräte mit erstklassigen Prozessoren von Apple oder Samsung. Die App läuft auch auf günstigeren Geräten von chinesischen Herstellern wie Oppo oder Xiaomi ohne Probleme.

Von Indonesien über Thailand bis nach Indien und Brasilien baute das Spiel seit seinem Start 2017 so eine riesige Fangemeinde auf. Im zweiten Quartal 2020 – als die Welt im Zeichen der ersten Corona-Lockdowns stand – erreichte „Free Fire“ Rekordwerte von mehr als 100 Millionen Nutzern pro Tag.

Weltweit wurde das Spiel aus Singapur, das in Deutschland nahezu unbekannt ist, sowohl 2019 als auch 2020 so oft auf Smartphones heruntergeladen wie kein anderes, berichtet das Marktforschungsunternehmen App Annie.

Für Lis Firmengruppe, die als Computerspiele-Distributor startete und ihr Gaming-Geschäft unter dem Firmennamen Garena bündelt, brachte „Free Fire“ den Durchbruch. Bereits zwei Jahre nach dem Start hatte es nach Unternehmensangaben mehr als eine Milliarde Dollar generiert.

Für 2020 rechnet Sea, an dem auch der chinesische Internetkonzern Tencent beteiligt ist, mit Einnahmen in seiner Entertainment-Sparte von mehr als drei Milliarden Dollar – ein Plus von rund 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Genaue Zahlen will das Unternehmen in seinem Jahresabschluss am Dienstag vorlegen,

Wettbewerb gegen Alibaba

Die Erlöse aus dem Spielegeschäft nutzt Li für ein Großprojekt, mit dem er anfangs auf große Zweifel stieß: Mit der Plattform Shopee stieg er 2015 in den umkämpften E-Commerce-Markt der Region ein. „Viele Menschen haben gefragt, warum wir uns das antun“, sagte der Chef der Sea-Gruppe kürzlich in einem Interview. Gerade als branchenfremder Investor sei das Risiko zu scheitern schließlich groß – zumindest auf dem Papier.

In seinen Smartphone-Erfahrungen sah Li aber einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Er setzte darauf, dass die aufstrebende Mittelschicht in der Region am liebsten mobil einkaufen würde. Der Fokus auf Shopping-Apps funktionierte: Inzwischen hat Shopee den früheren Marktführer in der Region – den von Rocket Internet gegründeten Onlinehändler Lazada, der später von Alibaba übernommen wurde, hinter sich gelassen.

Profitabel ist Shopee noch nicht. Li nimmt die Verluste in Kauf, um möglichst schnell zu wachsen – und groß genug zu sein, um es auch mit Amazon aufnehmen zu können, sollte der US-Konzern Südostasien künftig stärker ins Visier nehmen als bisher.

Mit einem Fintech-Arm will sich das Unternehmen in der Digitalwirtschaft der Region noch stärker verankern: Für Shopee hat Li ein eigenes Bezahlsystem entwickelt, das auf Verbraucher ohne Kreditkarten abzielt. In Singapur erhielt Sea vor wenigen Wochen die Lizenz, eine Digitalbank zu errichten.

Die meisten Analysten bewerten die Entwicklung der Firmengruppe positiv. Die malaysische Bank CIMB hob ihr Kursziel kräftig an – es liegt nun rund 25 Prozent über dem aktuellen Wert der Aktie. Es gibt aber auch Skeptiker: Nirgunan Tiruchelvam, Analyst bei dem Finanzdatenanbieter Tellimer, hält das rasante Wachstum während der Coronakrise für einen Ausnahmefall, den das Unternehmen nicht so leicht wird wiederholen können.

Li sieht das anders: Er glaubt, dass die Pandemie lediglich einen Trend beschleunigt hat, den es ohnehin gegeben hätte. Die Digitalisierung in der Region wird sich aus seiner Sicht nicht umkehren. „Und als Marktführer sind wir gut positioniert, die Wachstumschancen zu ergreifen“, sagte er kürzlich in einem Gespräch mit Analysten.

Eine unter anderem von Google herausgegebene Studie untermauert die Aufbruchsstimmung. Demnach setzte Südostasiens Internetwirtschaft im vergangenen Jahr 100 Milliarden Dollar um. Bereits 2025 sollen die Geschäfte dreimal so groß sein.

Mehr: Chinas Techkonzerne ziehen jetzt nach Singapur um.

Startseite
Mehr zu: Internetkonzern Sea - „Free Fire“: Mit dem beliebtesten Handyspiel der Welt wird Forrest Li zum Börsenstar
0 Kommentare zu "Internetkonzern Sea: „Free Fire“: Mit dem beliebtesten Handyspiel der Welt wird Forrest Li zum Börsenstar"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%