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Jacob Fatih Der FitX-Gründer will Essen zur neuen Start-up-Hochburg machen

Der Unternehmer Jacob Fatih kam als Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland und baute die Fitnesskette FitX auf. Nun will er 1000 Start-ups anschieben.
22.08.2020 - 12:00 Uhr Kommentieren
„Ich habe in Deutschland fast mein Paradies gefunden.“ Quelle: FitX
FitX-Gründer Jacob Fatih

„Ich habe in Deutschland fast mein Paradies gefunden.“

(Foto: FitX)

Hamburg Vielleicht liegt es an seiner Biografie, dass die Pläne von Jacob Fatih ein wenig hoch gegriffen wirken. Auf 1000 Gründungen will es der 45-Jährige jedenfalls bis zum Rentenalter bringen. „Ich habe ein enormes Dankbarkeitsgefühl gegenüber dem Ruhrgebiet. Und ich spüre den Drang, Spuren zu hinterlassen“, sagt Fatih. Damit seine Firmenschmiede Crealize zum Erfolg wird, will er jetzt zunehmend ins Licht der Öffentlichkeit treten.

Denn Fatih ist einer der Unternehmer, deren Schöpfungen viele kennen, deren Namen aber fast niemand. Fatih hat die Fitnesskette FitX gegründet – und sucht eineinhalb Jahre nach dem Verkauf neue Herausforderungen. An Mut und Hartnäckigkeit, aber auch dem Willen, Geld zu verdienen, fehlt es ihm nicht. „Jacob Fatih lebt das grenzenlose Denken. Er hat nicht nur viele Ideen und Pläne, sondern er gibt ihnen auch Hand und Fuß und setzt sie in die Tat um“, sagt der aktuelle FitX-Chef Markus Vancraeyenest.

Schon als Schüler in seiner Geburtsstadt Teheran kopierte Fatih eifrig Kassetten mit westlicher Musik. Mit einer ganzen Wand voller Doppelrekorder habe er schließlich fast 100 Kassetten am Tag überspielt, erinnert er sich – bis die Sache aufflog.

Der nächste Vorfall war dann zu gravierend: Für Kommilitonen übersetzte Fatih Auszüge aus dem Roman „Die Satanischen Verse“ von Salman Rushdie, der im Iran verboten ist. Fatih, Sohn eines Professors, musste fliehen. Per Lastwagen ging es in die Türkei, von dort nach Paris und schließlich nach Essen.

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    Die vermeintliche Katastrophe erwies sich als Glücksfall. „Ich bin dem Ruhrgebiet sehr dankbar für mehr als eine helfende Hand“, sagt Fatih. Dem jungen Flüchtling erschien die Region als erstaunlich fruchtbares Land voller Möglichkeiten. „Ich habe in Deutschland fast mein Paradies gefunden“, sagt er.

    Vor allem aber arbeitete er sich selbst hoch. Statt sein im Iran angefangenes Pharmaziestudium weiterzuführen, machte er in einer der ersten McFit-Filialen den Trainerschein, wurde vom Aushilfstrainer zum Filialleiter, vom Filialleiter zum Gebietsverantwortlichen und schließlich zum zweiten Mann im Konzern, wie er sagt. McFit will sich dazu nicht äußern.

    Zugleich investierte Fatih in Immobilien – der Grundstock für die spätere Gründung der eigenen Fitnesskette FitX, an der er die Spielautomaten-Dynastie Schmidt beteiligte. Als er Ende 2019 seine letzten Anteile an den Partner verkaufte, gab es bereits 79 Filialen.

    Nebenbei gründete er mit einem Partner eine Sportsponsoring-Plattform, aus der – als kein Umsatz entstand – kurzerhand ein Online-Shop für ein in Fernost bestelltes Mountainbike wurde. Die erste Lieferung von 150 Stück war innerhalb von zehn Tagen weg – und die heute sehr erfolgreiche Marke YT Industries geboren. 2020 will Fatih damit die 100-Millionen-Euro-Umsatzmarke knacken.

    Von Immobilien über Döner bis Wellness

    „Das hat vor allem funktioniert, weil mein Geschäftspartner Markus Flossmann sehr talentiert ist. Es brauchte nur einen kleinen Anstoß von mir, um ihn zu dem Schritt der Gründung zu befähigen“, sagt Fatih. „Ich bin nicht in vielem gut, aber sicherlich darin, Leute zu motivieren.“

    Aus dieser Erfahrung entstand vor fünf Jahren Fatihs aktuelles und ambitioniertestes Projekt: Crealize. Obwohl Fatih als Essener kaum Teil der deutschen Gründerszene zwischen Berlin und München ist, baut er in seiner Wahlheimat einen Inkubator für Gründer auf. Bislang erscheinen die Geschäftsmodelle darin ähnlich gelegenheitsgetrieben zusammengewürfelt wie Fatihs Biografie.

    Ein Immobilienentwickler namens FC Real Estate baut einen Wohnturm in Holzbauweise in Köln, eine Gebäudeaufstockung für ein Fitnessstudio und eine Villa auf Mallorca. Baba Green hieß der vergebliche Versuch, Döner tauglich für die Systemgastronomie zu machen.

    Aus Wellnest, in der ersten Filiale in Essen durch die Corona-Sperren stark getroffen, soll eine Kette von Spas werden, in denen zwei bis vier Menschen jeweils eigene abgeschlossene Saunen und Whirlpools stundenweise mieten können. Mr. Chain wiederum bietet Armbänder und Ketten mit Namensgravur im Internet an. Bei der App Mindshine baut Fatih mit einem ehemaligen Freeletics-Manager einen Coach für den Geist.

    „Fatih ist ein Visionär und erfolgreicher Gründer. Es erfüllt ihn selbst, weitere Unternehmen zu gründen und gleichzeitig Start-ups die Chance zu geben, ihre Ideen umzusetzen und erfolgreich am Markt zu wachsen“, meint Fitness-Manager Vancraeyenest.

    Fatihs Vision macht aus dem Sammelsurium System: Ihm schwebt vor, dass unter der Holding zehn Bereiche wie Immobilien, Tech und Marken entstehen. „Wir wollen auf die Vielfalt nicht verzichten. Dass es dafür nicht reichen wird, weiterhin nur mein eigenes Geld einzusetzen, ist mir auch klar“, sagt er.

    Fatih geht daher stärker an die Öffentlichkeit. Er will perspektivisch Geldgeber für seine Idee begeistern – auch die finanzstarken Unternehmerfamilien im Ruhrgebiet. „Die Gegend hat eine Top-Infrastruktur – aber ihr fehlt historisch bedingt eine Gründerkultur“, meint Fatih. Er will nichts weniger als die Region zu einem Gründerzentrum mit weltweiter Strahlkraft machen. Seine Gründerschmiede Crealite sieht er dafür als einen Kern, der irgendwann einmal sogar Kindergarten, Schule und Universität umfassen könnte.

    Sportmarken gekauft

    Noch ist sie davon weit entfernt. Fatihs Holding hat bislang knapp 20 Mitarbeiter – und gut zu tun. So gehört zu Fatihs Geflecht auch die Sportmarke K1X, zu der er Ende 2019 den Basketball- und Sneaker-Händler Kickz von Zalando übernommen hat. Auch hier kam der Kontakt wie so oft aus Fatihs persönlichem Netzwerk zustande. Nun will er die Läden stärker auf den Onlinehandel ausrichten. Zalando äußert sich aktuell nicht zu dem Verkauf.

    Dazu kommen neue Pläne im Fitness-Bereich. Ein neues Konzept für kleine Studios für ältere Kunden will Fatih bald in Düsseldorf erproben – eine potenziell internationale Kette als „Kieser-Training in cool“, wie er sagt. Weitere Fitness-Ideen seien in Planung.

    Seine Begeisterung geht ihm jedenfalls unter die Haut: So trägt er das Fit-X-Logo als Tattoo auf der Hand, die deutschen Nationalfarben als Anerkennung für seine Wahlheimat am Arm, aber auch den Davidstern als Erinnerung an seine verstorbene jüdische Mutter.

    Mehr: Gastbeitrag - Wie das Ruhrgebiet zur Innovationsschmiede wird.

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