KI: Microsoft will bis 2029 acht Milliarden Dollar in den VAE investieren
Düsseldorf. Microsoft will in den nächsten vier Jahren mehr als 7,9 Milliarden US-Dollar für Rechenzentren, Cloud-Computing und Mitarbeiter in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) investieren. Das gab Microsoft-Präsident Brad Smith am Montag in Abu Dhabi bekannt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Golfstaat will sich zu einem globalen Technologiezentrum entwickeln.
„Wir sehen hier eine explosionsartige Nachfrage“, sagte Smith gegenüber Bloomberg am Rande der Adipec-Ölkonferenz in Abu Dhabi. Microsoft gab Bloomberg zufolge bekannt, dass es von 2023 bis 2029 insgesamt 15,2 Milliarden US-Dollar in das Land investieren werde.
Microsoft investiert viel in sein Cloud-Geschäft und baut seine Dienste im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) aus, um den Mangel an Rechenkapazitäten auszugleichen. Es ist einer von mehreren Technologiekonzernen, die trotz einiger Bedenken hinsichtlich einer Blase in der Branche um den Aufbau einer KI-Infrastruktur wetteifern.
Laut Smith plant Microsoft demnach, in den Vereinigten Arabischen Emiraten von Anfang 2026 bis 2029 mehr als 5,5 Milliarden US-Dollar in Cloud- und KI-Infrastruktur zu investieren. Das Unternehmen gab bekannt, dass es weitere 2,4 Milliarden US-Dollar in Betriebskosten und Personal investieren wird.
Microsoft erhält Lizenz für Export von Nvidia-KI-Chips in die Emirate
Microsoft unterstützt die Emirate damit in ihrem Bestreben, den Fokus ihrer Wirtschaft vom Öl auf eine Reihe digitaler Technologien auszuweiten. Anfang 2024 investierte Microsoft 1,5 Milliarden Dollar in G42, ein KI-Unternehmen aus Abu Dhabi, das Cybersicherheitstools, Cloud-Dienste und Raumfahrzeuge entwickelt. Smith trat dem Vorstand von G42 bei.
Anfang dieses Jahres entschied OpenAI, dessen größter Geldgeber Microsoft ist, in den VAE als erstes Land außerhalb der USA Stargate-Rechenzentrumsprojekte aufzubauen. Allerdings war der Zugang des Golfstaates zu führenden Halbleitern bislang eingeschränkt.
Exportkontrollen des US-Handelsministeriums für die leistungsstarken Nvidia-Chips, die für den Betrieb der neuesten KI-Systeme erforderlich sind, hatten das Projekt behindert. Die USA beschränken den Export von Hochtechnologie, um ihren Vorsprung in diesem Bereich zu verteidigen. Zu Jahresbeginn hatte die US-Regierung Quoten für die Lieferung von KI-Prozessoren in 120 Staaten eingeführt.
Brad Smith, Präsident von Microsoft, erklärte allerdings am Montag gegenüber der Financial Times, dass das Unternehmen im September als „erstes Unternehmen unter der Trump-Regierung eine Lizenz“ für den Export von Nvidia-KI-Chips in die VAE erhalten habe.
„Man bekommt diese Exportlizenzen nur, wenn man die Anforderungen der US-Regierung erfüllt“, so Smith. „Wir haben sie uns verdient, indem wir sehr strenge Anforderungen an die Cybersicherheit, die physische Sicherheit und andere Sicherheitsaspekte erfüllt haben.”
Der US-Technologiekonzern gab allerdings nicht an, wo genau er die neueste Serie von Nvidia-Chips einsetzen will. Microsoft hatte die Genehmigung des Handelsministeriums benötigt, um die Chips, die es von Nvidia mit Sitz im Silicon Valley kauft, in bestimmte Länder, darunter die VAE, zu exportieren.
„Wettlauf zwischen USA und China“
Die Region werde demnach auch eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der KI-Technologie in dem von Smith als „globaler Süden” bezeichneten Gebiet spielen, das sich vom Nahen Osten und Südeuropa bis nach Afrika und Ostasien erstreckt. „Wir laufen Gefahr, dass die Verbreitung der KI zunehmend ungleichmäßig verläuft”, sagte Smith, was seiner Meinung nach die globale wirtschaftliche Ungleichheit vertiefen könnte.
„Es gibt offensichtlich einen Wettlauf zwischen den USA und China”, sagte Smith. „Die Menschen konzentrieren sich oft in erster Linie auf den Wettlauf um die Entwicklung fortschrittlicher KI-Modelle. Aber ich denke, dass der Wettlauf um die Verbreitung von KI wahrscheinlich noch wichtiger ist als der Wettlauf an der technologischen Grenze”, fügte er hinzu. „Und hier wird die stärkere Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und den Vereinigten Arabischen Emiraten entscheidend.”
Zuvor hatten allerdings Bloomberg zufolge einige US-Beamte amerikanische Firmen dafür kritisiert, dass sie große Rechenzentren und kritische Ausrüstung im Nahen Osten unterbringen. Sie wiesen auf die Gefahr hin, dass die Technologie eben dadurch nach China gelangen könnte, das Beziehungen zu der Region unterhält.
Microsoft gab Bloomberg zufolge an, zuvor 21.500 Chips, die den A100-Grafikprozessoren von Nvidia entsprechen, mit Genehmigung der Regierung von Joe Biden in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt zu haben. Das Unternehmen plane, weitere 60.400 Chips zu liefern, die dem A100 entsprechen, darunter auch einige der neuen GB300-Produkte von Nvidia. Diese werden laut Smith „in Monaten, nicht Jahren“ geliefert werden.
Microsoft beschäftigt demnach in den Vereinigten Arabischen Emiraten etwa 1.000 Vollzeit-Ingenieure und hat dort ein KI-Labor eröffnet. Abgesehen von dem 1,5-Milliarden-Dollar-Deal mit G42 gab Microsoft bekannt, dass es seit Anfang 2023 etwa 5,8 Milliarden Dollar in den Vereinigten Arabischen Emiraten investiert hat. Damit entsprechen die jährlichen Ausgaben des Unternehmens in den Emiraten bis 2029 in etwa denen der letzten Jahre. Weltweit meldete das Unternehmen allein im letzten Quartal Kapitalausgaben in Höhe von 34,9 Milliarden Dollar.