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Kommunikation in der Firma Kampf um das Büro: So will sich Slack gegen Microsoft behaupten

Während der Microsoft-Dienst Teams weiter stark wächst, hat Wettbewerber Slack an Dynamik verloren. Wie CEO Butterfield mehr Firmen von seiner Plattform überzeugen will.
05.10.2020 - 16:19 Uhr 1 Kommentar
„Jedes Quartal, in dem wir nicht von Microsoft gekillt werden, wird die Bedenken mancher Investoren zerstreuen.“ Quelle: Reuters
Slack-Chef Stewart Butterfield

„Jedes Quartal, in dem wir nicht von Microsoft gekillt werden, wird die Bedenken mancher Investoren zerstreuen.“

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Der dramatische Abverkauf der Slack-Aktie nach Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen war für Konzernchef Stewart Butterfield ein klares Signal: Auch der Chef selbst muss besser erklären, wie Slack sich von anderen Kommunikationsdiensten für die Anwendung im Büro abhebt. „Wir werden oft mit Zoom und Teams in einen Topf geworfen“, sagt er im Interview mit dem Handelsblatt.

Dabei seien die Angebote vergleichbar wie ein „Ford-F150 Pick-up-Truck und ein Tesla Model S“: Für manche Zwecke seien sie Alternativen, für andere sei einer von beiden ungeeignet.

Allerdings stellen viele Unternehmen beim Vergleich des Microsoft-Dienst Teams und Slack gerade fest: Man kann mit beiden Anbietern durch die Coronakrise kommen, muss aber nur für Slack zusätzlich zahlen. 

Im Vergleich der Geschäftszahlen sieht Slack wie der klare Verlierer aus, nicht nur an der Börse: Schon vor der Pandemie wuchs die Zahl der täglich aktiven Teams-Nutzer fast exponentiell, bei Slack verlief der Zuwachs eher stetig.

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    Inzwischen berichtet Butterfield nur noch den Geschäftskundenbestand und Rekordwerte bei der Anzahl zugleich aktiver Nutzer. Das befördert die Skepsis. Ist Slack schon hoffnungslos abgehängt und entzieht sich deshalb dem Vergleich?

    Butterfield führt an, es gebe schlicht „keine vergleichbaren Metriken für den Erfolg“, denn Teams sei als Teil des weit verbreiteten Office-365-Pakets mit Word, Excel und dem Mailprogramm Outlook quasi umsonst. Genau das ist allerdings Slacks Problem.

    Mitgründer Butterfield unterstellt Microsoft sogar, bewusst zu suggerieren, „dass die Produkte gleich sind, damit es keinen Grund gibt, Slack auszuprobieren“. Im Juli eskalierte der seit Jahren andauernde Konflikt: Slack legte Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission wegen Missbrauchs der Marktmacht ein.

    Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Viruskrise verschärft die Situation für Slack. Zwar konnte das Unternehmen im ersten Halbjahr die Zahl seiner Geschäftskunden weiter auf 130.000 erhöhen. Doch nachdem die Zahl der Kunden im ersten Corona-Quartal noch um 12.000 gestiegen war, wuchs sie im zweiten nur noch um 8000.

    Und das starke Umsatzergebnis von 216 Millionen US-Dollar, ein Plus von 49 Prozent im Vorjahresvergleich, wird getrübt von der Entwicklung bei den Billings, an denen sich Neuverträge und Vertragsverlängerungen über die Software-Abos ablesen lassen. Das Vorjahresplus von deutlich schwächeren 25 Prozent lässt erkennen, dass es nicht so rasant weitergeht.

    Es gibt Kanäle für Themen und Abteilungen sowie Direktnachrichtenverläufe mit einzelnen und Kollegengruppen. Quelle:  Slack Technologies
    Beispiel für einen Slack-Chat

    Es gibt Kanäle für Themen und Abteilungen sowie Direktnachrichtenverläufe mit einzelnen und Kollegengruppen.

    (Foto:  Slack Technologies )

    Die Zahlen seien solide, aber schlechter als erhofft, schrieben Jeff Kvaal und Ryan Krieger vom Analyseinstitut Wolfe Research. Es sehe aus, als würden sich bei Slack Homeoffice-Rückenwind und Corona-Gegenwind ausgleichen. Krisengeschüttelte Unternehmen sehen von kostenpflichtigen Lizenzen ab – zumal sie von Microsoft ein Ersatzprodukt gratis bekommen.

    Bereits für März und April hatte Slack eine leicht erhöhte Abwanderungsrate bei kleineren Firmen berichtet und erklärt, bis zu 20 Prozent der Kunden gehörten zur am stärksten von der Pandemie betroffenen Gruppe.

    Goldman-Sachs-Expertin Heather Bellini analysiert mit ihrem Team: „Wir sehen Slacks Kollaborationsplattform als beste ihrer Art.“ Doch der zunehmende Wettbewerb gefährde das längerfristige Wachstum und den adressierbaren Markt. Bellini geht davon aus, dass Microsoft weiterhin versuchen werde, Teams über das Paketangebot in den Markt zu hebeln, und empfahl die Aktie in ihrem Quartalsreport weiter zum Verkauf.

    Butterfield sorgt sich nach eigener Aussage nicht um aktuelle Kurse, sondern denkt an die Entwicklung in fünf bis zehn Jahren: „Jedes Quartal, in dem wir nicht von Microsoft gekillt werden, wird die Bedenken mancher Investoren zerstreuen“, sagt er.

    Warum sollten Firmen Slack nutzen?

    Potenzielle Kunden muss Slack allerdings heute schon überzeugen, dass sich die mindestens 6,25 Euro pro Nutzer und Monat lohnen – die Standardversion für größere Unternehmen kostet 11,75 Euro, Konzerne in regulierten Branchen zahlen noch mehr.

    Dabei könnten die Corona-Erfahrungen vieler Unternehmen helfen. Die „Video Call Fatigue“ ist zum Schlagwort geworden, viele Mitarbeiter berichten von Überforderung im Wirrwarr der digitalen Programme. Slacks Mission ist, Nutzer genau dabei zu entlasten. Es will helfen, Mails nach Relevanz, Thema und Empfängern zu filtern, Informationen zu kanalisieren und Prozesse zu automatisieren. „Man kann Slack mit einer Ruhezone vergleichen, in der man ungestört reden kann“, sagt Butterfield.

    Doch die Plattform ist kein Fertigprodukt. Es muss von den Firmen für ihre speziellen und häufig auch abteilungsspezifischen Zwecke angepasst werden. Das ist gleichsam Stärke und Schwäche, weil sich die großen Vorteile nicht sofort erschließen. „Es ist einfach, persönliche Begegnungen in Videokonferenzen zu überführen“, sagt Stewart Butterfield. „Slack einzuführen erfordert mehr, das geht einher mit großen Veränderungen in den Prozessen und auch in der Kultur.“

    Grafik

    Um von Slack zu profitieren, brauchen Unternehmen zuallererst eine gut durchdachte IT-Strategie. „Ich muss so ein Tool mit dem Vorsatz einführen, andere damit abzulösen“, sagt Oliver Blüher, Slack-Vertriebschef für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das können automatisiert einlaufende Kapitalmarktinformationen sein, Eilmeldungen, Terminerinnerungen, Dienstpläne, das Kantinenangebot, sogar der Busfahrplan am jeweiligen Standort – alles in einer App.

    Insbesondere bei Entwicklern ist Slack beliebt, weil sie sämtliche Vorteile selbst ausschöpfen können. Slack pflegt seine weltweite Entwickler-Community, kümmert sich um deren Austausch und Weiterbildung. Sie sind Slacks wichtigste Werbebotschafter, sie sollen die Verbreitung innerhalb der Unternehmen vorantreiben. In zwei Dritteln der Dax-Konzerne wird Slack nach Unternehmensangaben bereits genutzt – oftmals zwar nur auf Abteilungsebene, aber damit ist der erste Schritt ins Unternehmen geschafft.

    Ein weiterer wichtiger Adressat für Slack sind Start-ups, mit denen das Unternehmen zusammen wachsen kann. Deutsche Digitalfirmen wie Celonis, Hellofresh und Solarisbank sind schon Kunden. Um neue Kontakte in die Szene dürfte es Stewart Butterfield auch bei seinem virtuellen Auftritt auf der Münchener Gründer-Konferenz Bits&Pretzels vergangene Woche gegangen sein, wo er den Digitalunternehmern von seinem Streit mit Microsoft berichtete.

    Knapp die Hälfte seiner Umsätze erzielt Slack in den USA, Europa gilt aber als wichtiger Markt. Hier wird das größte Geschäft bisher in Großbritannien gemacht, Deutschland folgt auf Rang zwei. Oliver Blüher soll dafür sorgen, dass der Markt über Firmendurchschnitt wächst. Dabei stehen ihm Direktvertrieb und externe Partnern zur Verfügung.

    Slack-Vertriebler müssen sich vergleichsweise tief in die Unternehmen vorarbeiten. „Wir gehen durch die Bereiche, wir fragen, wo es hakt, und dann kommen wir mit Vorschlägen wieder, wie sich diese Probleme lösen lassen“, erklärt Blüher die Vorgehensweise der eigenen Kundenerfolgsmanager.

    Was kann Slack Connect Microsoft anhaben?

    Auch extern setzt Slack mehr auf Beratung als auf Verkauf: „Wir arbeiten mit Unternehmensberatungen mit dem Fokus auf Digitalisierung und Change-Management zusammen“, sagt Blüher. So habe man etwa Jägermeister gewonnen. Die Strategie soll jetzt weiter ausgebaut werden.

    Blüher zeigt sich überzeugt, dass sich die Corona-Lage doch noch zugunsten von Slack dreht. „Wenn Unternehmen jetzt darüber nachdenken, wie die Kommunikation zwischen Büro und Homeoffice gestaltet wird, ist das für uns eine riesige Chance“, sagt der Deutschlandchef. Unternehmen müssten die Diskussion führen, wie kommuniziert werden soll. „Ein Durcheinander der Kanäle hilft niemandem.“

    Als Verkaufstreiber dient zunehmend das im vergangenen Herbst eingeführte Angebot Slack Connect, mit dem sich die interne Plattform zum Kommunikationsnetzwerk mit Lieferanten, Vertriebspartnern und Geschäftskunden erweitern lässt. „Jedes Unternehmen kann seine eigenen Sicherheitseinstellungen vornehmen und bekommt eine Archiv-Version, um Aufbewahrungspflichten zu erfüllen“, erklärt Blüher.

    Stewart Butterfield schwärmt: Slack habe viele neue Kunden über ihre Partner und den Netzwerkeffekt gewinnen können, das Wachstum habe sich fortlaufend beschleunigt auf zuletzt 200 Prozent. Was ihn daran besonders freut: „Wir können uns nicht vorstellen, dass Teams so etwas in den nächsten Jahren anbietet.“

    Der Slack-Vertriebschef für Deutschland, Österreich und die Schweiz sagt: „Wenn Unternehmen jetzt darüber nachdenken, wie die Kommunikation zwischen Büro und Homeoffice gestaltet wird, ist das für uns eine riesige Chance.
    Oliver Blüher

    Der Slack-Vertriebschef für Deutschland, Österreich und die Schweiz sagt: „Wenn Unternehmen jetzt darüber nachdenken, wie die Kommunikation zwischen Büro und Homeoffice gestaltet wird, ist das für uns eine riesige Chance."

    (Foto:  Slack Technologies )

    Slack hat das Duell mit Microsoft selbst eröffnet, als es mit seiner Gründung im Jahr 2013 dem Chaos in den Mail-Postfächern und damit dem verbreiteten Outlook-Programm den Kampf angesagt hat. Zweieinhalb Jahre später soll es bei Microsoft sogar Überlegungen zu einer Übernahme gegeben haben, mit der man sich des Konkurrenten entledigt hätte. Stattdessen brachte der Techkonzern schließlich Teams heraus. Wie die EU-Wettbewerbshüter dessen Markteinführungsstrategie bewerten, ist noch nicht bekannt.

    Doch statt darauf zu warten, hat Slack schon zum zweiten Hieb angesetzt, will auch die externe Kommunikation aus Microsoft-Gefilden in seine Plattform überführen. Bei der Bits&Pretzels deutete er an, dass sich auch einzelne Nutzer unabhängig von Slack Connect miteinander verbinden könnten.

    Gegenüber dem Handelsblatt zeigt er sich selbstbewusst: „Microsoft sieht den Trend von der E-Mail zu channel-based Messaging als existenzielle Bedrohung.“ Die Wolfe-Analysten Jeff Kvaal und Ryan Krieger kommen zu dem Schluss, „dass Microsoft möglicherweise die Ärmel hochkrempeln muss, um diesem Beispiel zu folgen“. Der Zweikampf um die Bürokommunikation scheint doch noch nicht entschieden.

    Mehr: Fluch oder Segen? Das Experiment Homeoffice - und wie es jetzt weitergehen soll.

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    1 Kommentar zu "Kommunikation in der Firma: Kampf um das Büro: So will sich Slack gegen Microsoft behaupten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Statt über nicht-DSGVO-konforme Datenschleudern a la Teams zu lesen fände ich einen Artikel über Produkte, die libre (nicht-proprietär) sind und den Datenschutz respektieren, mal ganz angebracht.
      Zum Beispiel Jitsi oder BigBlueButton

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