Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Konflikt um App-Store-Regeln Wie der Streit zwischen Apple und Epic zahlreiche Firmen bedroht

Apple blockiert neben dem Spiel „Fortnite“ eine Technologie von Epic Games, die viele andere Firmen nutzen. Ein Gericht gebietet Einhalt – vorerst.
25.08.2020 - 09:46 Uhr Kommentieren
Mit dem Erfolg des beliebten Shooter-Spiels im Rücken legt sich der Spielehersteller Epic Games mit dem mächtigen Plattform-Anbieter Apple an. Er will dem iPhone-Hersteller nicht mehr so viel von seinen Umsätzen abgeben müssen. Quelle: dpa
Computerspiel Fortnite

Mit dem Erfolg des beliebten Shooter-Spiels im Rücken legt sich der Spielehersteller Epic Games mit dem mächtigen Plattform-Anbieter Apple an. Er will dem iPhone-Hersteller nicht mehr so viel von seinen Umsätzen abgeben müssen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Einladung war bewusst mehrdeutig formuliert. „Schließt euch dem Kampf an“, schrieb der Softwareentwickler Epic Games vor einigen Tagen, als er die Fans zu einem Turnier in seinem Spiel „Fortnite“ einlud.

Das war natürlich eine Aufforderung, sich ins „Battle Royale“ zu stürzen, wie dieser virtuelle Überlebenskampf genannt wird – aber auch gegen Apple zu protestieren. Und damit es jeder verstand, zeigte das Unternehmen überall einen böse dreinblickenden Geschäftsmann, der als Kopf einen Apfel trug.

Der Zeitpunkt war kein Zufall. Die beiden Unternehmen tragen mit aller Härte einen Konflikt über die Konditionen im App Store aus, samt mehreren Klagen, scharfen juristischen Repliken und PR-Aktionen.

Durch die Eskalation drohen nun massive Kollateralschäden. Denn Apple will Epic Games neben dem Spiel „Fortnite“ auch verbieten, eine Technologie namens Unreal Engine auf iPhone und Mac anzubieten. Diese dient als Grundlage für zahlreiche andere Programme mit 3D-Grafik – Experten sprechen von einer Game Engine.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zwar schreitet nach einem Aufschrei aus der Technologiebranche nun ein Gericht ein, um bis zur endgültigen Klärung des Streits irreversible Schäden zu vermeiden: Bis Ende September dürfen die Nutzer der Engine keine direkten Nachteile aus dem Konflikt erfahren. Was dann passiert, bleibt allerdings offen.

    Denn der Ausschluss der Engine könnte Folgen für die gesamte Technologiebranche haben. Viele Spieleentwickler müssen fürchten, ihre Titel nicht mehr auf den Apple-Geräten anbieten zu können und auch in anderen Projekten in Schwierigkeiten zu geraten. Gleiches gilt für Firmen, die Software für Visualisierungen entwickeln, zum Beispiel Architekturbüros, Marketingagenturen und Anbieter virtueller Ausstellungen.

    Vor den Konsequenzen warnte am Sonntag ein anderer Technologiekonzern. Microsoft wandte sich mit einer offiziellen Erklärung (PDF) an das Bezirksgericht, das den Streitfall zwischen Apple und Epic Games bearbeitet: Für Entwickler, die die Unreal Engine nutzen, entstehe durch die Blockade ein „substanzieller Nachteil“, warnte der Konzern – und lieferte jenen Argumente, die Apple einen Missbrauch der Marktmacht vorwerfen.

    Werkzeugkasten für Spiele

    Es könnte diese Warnung gewesen sein, die Richterin Yvonne Gonzalez Rogers am Montag (Ortszeit) dazu bewegt hat, einem Antrag von Epic Games teilweise stattzugeben. Bis das Gericht die Argumente der Streitparteien geprüft hat, darf Apple Nutzern der Unreal Engine nicht den Zugang versperren. Die einstweilige Verfügung gilt bis zur Anhörung am 28. September. Bis dahin darf Apple also nur die Spiele von Epic selbst von seinem App Store ausschließen.

    Eine Game Engine ist eine Art Werkzeugkasten: Sie enthält verschiedene Technologien, mit der Programmierer die Grafik entwerfen, das Verhalten der Umwelt einstellen und die Steuerung der Figuren vorgeben können – das erspart ihnen viel Programmierarbeit.

    „Aktuell gibt es rund ein Dutzend relevanter Engines, die Spieleentwickler lizenzieren können“, berichtet Carsten Fichtelmann, Geschäftsführer von Daedalic Games in Hamburg. Marktführend seien die Unreal Engine von Epic Games und die Unity Engine von Unity Technologies. Auch das deutsche Unternehmen Crytek zählt mit der Cry Engine zu den bekannten Anbietern.

    Seit der Veröffentlichung der ersten Version 1998 ist die Unreal Engine in zahlreichen Titeln zum Einsatz gekommen, die Spielefans geläufig sein dürften, „Gears of War“, „Streetfighter“ und „Bioshock“ sind nur einige Beispiele. Auch Daedalic nutzt die Technologie, aktuell etwa für „Der Herr der Ringe: Gollum“, das 2021 für die neuen Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X auf den Markt kommen soll.

    Falls Apple die Unreal Engine dauerhaft blockiert, könnte das für Studios und Entwickler schwerwiegende Folgen haben, die mit der Technologie Spiele für mobile Geräte produzieren. Derzeit scheint ungewiss, ob sie diese über den App Store werden vertreiben können.

    Zwar gibt es Alternativen, so bietet Unity Technologies ein vergleichbares Angebot für die Entwickler. Aber: „Wenn man die Spieleentwicklung einmal über eine Engine angefangen hat, ist der Wechsel sehr komplex“, sagt der Experte Stephan Jacob. „Das kostet im schlimmsten Fall ein halbes Jahr oder länger, das kann sich keiner leisten.“ Mit seinem Unternehmen BiteTheBytes bietet er selbst eine Art Photoshop für Spieleentwickler an und ist als Vertretungsprofessor der Hochschule Darmstadt für „Game Development“ auch nah dran an jungen Entwicklern in der Ausbildung.

    Selbst bei neuen Produkten könnten Unternehmen vor Probleme gestellt werden: „Manche Entwickler sind auf die Unreal Engine spezialisiert, die können nicht einfach von einem Tag auf den anderen auf Unity umsteigen“, so Jacob. So könnten manche Firmen auch zu dem Schluss kommen, dass sie auf den Vertriebskanal der Apple-Geräte verzichten müssten.

    Hinzu kommt: Die Unreal Engine ist gut für Unternehmen geeignet, die ihre Programme mit einem möglichst geringen Aufwand auf mehreren Plattformen veröffentlichen wollen. Dafür gebe es wenige andere Optionen, erklärte Microsoft-Manager Kevin Gammill.

    Der Softwarehersteller selbst habe eine mehrjährige Lizenzvereinbarung zur Nutzung der Unreal Engine geschlossen und „signifikante Ressourcen“ in die Anpassung für die eigenen Spiele investiert – so nutzt die Rennsimulation „Forza Street“ die Technologie. Wenn Apple die Unterstützung beende, werde das Spieleentwicklern und Spielern schaden, warnte der Manager daher.

    Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Unternehmen über Computerspiele aneinandergeraten: Erst kürzlich hat Apple Microsoft die Aufnahme der Plattform xCloud in den App Store verweigert, über die der Softwarehersteller Spieleabos vertreiben will. Der iPhone-Hersteller beruft sich darauf, dass er alle Titel vor der Veröffentlichung prüfen will, was bei Abodiensten schwierig möglich ist. Allerdings schützt er mit dem Ausschluss auch das eigene Geschäft mit der Plattform Arcade.

    Ein Konfigurator für Autos

    Auch Pascal Staud von Staud Studios beobachtet den Konflikt mit Spannung. Die Agentur visualisiert zum Beispiel für Flugzeugbauer die neuesten Maschinen und baut zum Beispiel für große Autohersteller Konfiguratoren, damit sich deren Kunden am Computer ihr Traumauto zusammenbauen können. Dabei setzt sie ebenfalls auf die Technologie der Unreal Engine.

    „Für uns und unsere Kunden ist das entscheidende Kriterium: Wie nahe komme ich mit der Qualität an eine reale Anmutung?“ Da habe Epic die Konkurrenz hinter sich gelassen. „Aus unserer Sicht hat sich keine Visualisierungs-Engine zuletzt so schnell weiterentwickelt wie die von Epic“, sagt der Geschäftsführer.

    Doch der Streit könnte aus Sicht von Staud die Erfolgsgeschichte bedrohen. Die konkrete Befürchtung: Staud Studios muss seinen Kunden mitteilen, dass sie ihre Visualisierungen künftig nicht mehr in Apps einsetzen können, die über den App Store von Apple vertrieben werden.

    Mittelfristig macht sich der Marketing-Experte zudem Gedanken um die Leistungsfähigkeit der Unreal Engine: „Die einmalige Qualität der Engine war nur durch Quersubventionierung aus den Fortnite-Einnahmen möglich.“

    Epic habe das Geld in seine Geschäftskunden-Software investiert. „Die Lizenzkosten waren sehr gering, zahlen mussten wir nur, wenn wir die mit Unreal produzierten Anwendungen zum Beispiel über den App Store kommerzialisiert haben.“ Der Kampf zwischen Apple und Epic Games ist daher auch für sein Unternehmen von Bedeutung.

    Mehr: Gamescom 2020: Wie die wichtigste Spielemesse der Welt im Coronajahr neue Geschäftspotenziale testet.

    Startseite
    Mehr zu: Konflikt um App-Store-Regeln - Wie der Streit zwischen Apple und Epic zahlreiche Firmen bedroht
    0 Kommentare zu "Konflikt um App-Store-Regeln : Wie der Streit zwischen Apple und Epic zahlreiche Firmen bedroht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%