Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Marktmacht Tech-CEOs vor dem Kongress – Das sind die Vorwürfe der US-Politik

US-Abgeordnete zitieren die Chefs von Amazon, Apple, Google und Facebook vor den Kongress. Was wird den Konzernen vorgeworfen? Und wie könnten sie antworten?
29.07.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Ihre Konzerne stehen weltweit wegen ihrer Marktmacht unter Druck. Quelle: AP
Tech-Chefs Jeff Bezos, Tim Cook, Sundar Pichai und Mark Zuckerberg (v.l.)

Ihre Konzerne stehen weltweit wegen ihrer Marktmacht unter Druck.

(Foto: AP)

San Francisco Diese Anhörung im US-Kongress zum Thema „Online-Plattformen und Marktmacht“ dürfte historisch werden. Das liegt nicht nur am kuriosen Format. Anders als bei früheren Anhörungen werden die Chefs von Apple, Amazon, Alphabet und Facebook am Mittwochmittag (Ortszeit) in Washington nicht mit erhobener Hand vor den Abgeordneten stehen, sondern ihren Eid von zu Hause aus schwören – die Pandemie macht es möglich.

Zum ersten Mal sitzt „Big Tech“ auf der Anklagebank im Kongress. Die Top-Manager, die es zusammen auf mehr als vier Billionen Dollar Börsenwert bringen, werden in einer einzigen Anhörung befragt, für Amazon-Chef Jeff Bezos ist es überhaupt der erste Auftritt vor dem US-Kongress.

Bezos sowie Tim Cook, Sundar Pichai und Mark Zuckerberg müssen sich zu Vorwürfen äußern, ihre Konzerne würden ihre wirtschaftliche Macht missbrauchen, um dem Wettbewerb und damit letztlich den Verbrauchern zu schaden. Ende August will der Ausschuss Vorschläge präsentieren, wie die Tech-Konzerne reguliert werden sollen. Selbst eine Zerschlagung steht im Raum.

Bei der allgemeinen Frage, ob „Big Tech“ zu mächtig ist, sind sich Demokraten und Republikaner ausnahmsweise einig und versuchen im Wahlkampf, Punkte damit zu machen. Ihre Schwerpunkte liegen aber weit auseinander und reichen von Amazons Umgang mit Händlern über Googles Werbegeschäft bis hin zu Facebooks Moderationspraktiken.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Was wird den Tech-Konzernen vorgeworfen? Und wie könnten sie antworten? Ein Überblick.

    Facebook: Die China-Verteidigung

    Mit Facebook, Instagram und WhatsApp kontrolliert der Milliardär die drei größten sozialen Netzwerke der westlichen Welt. Quelle: AP
    Mark Zuckerberg

    Mit Facebook, Instagram und WhatsApp kontrolliert der Milliardär die drei größten sozialen Netzwerke der westlichen Welt.

    (Foto: AP)

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist seit einigen Jahren der Lieblingsfeind von Politikern beider Parteien. Demokraten haben ein Auge auf Zuckerberg, seit Lügen auf der Plattform die knappe US-Präsidentschaftswahl 2016 zu ihren Ungunsten beeinflussten. David Cicilline, der demokratische Ausschussvorsitzende, will Facebook bei politischer Werbung das sogenannte Micro-Targeting verbieten. Politiker könnten dann kontroverse Werbebotschaften nicht mehr nur an die Gruppen ausspielen, in denen sie gut ankommen – etwa rassistische Claims nur an mutmaßliche Rassisten.

    Republikaner vermuten dagegen seit Jahren, dass Facebook konservative Meinungen auf der Plattform unterdrückt – obwohl rechtskonservative Kommentatoren täglich die meistgeteilten Beiträge auf Facebook schreiben. Dass Facebook zuletzt Werbe-Posts von US-Präsident Donald Trump löschte, weil darin Nazi-Symbole benutzt wurden, heizte die Debatte weiter an. Facebooks Macht über das, was gesagt werden kann, missfällt vielen.

    Zuckerberg kontrolliert mit Facebook, Instagram und WhatsApp immerhin die drei größten sozialen Netzwerke der westlichen Welt. Die Übernahmen von Instagram und WhatsApp wollen sich US-Wettbewerbshüter noch einmal ansehen, obwohl sie Jahre zurückliegen.

    Laut Bloomberg plant der Facebook-Chef, den Abgeordneten in der Anhörung einen alternativen Buhmann anzubieten: die Video-Plattform Tiktok, die zum chinesischen Digitalkonzern Bytedance gehört. Nicht nur Facebook, sondern vermehrt US-Politiker nehmen Tiktoks Erfolg bei amerikanischen Jugendlichen als Bedrohung wahr. Facebooks Erfolg sei dagegen patriotisch, sei die Botschaft, die der 36-Jährige den Abgeordneten vermitteln wolle.

    Amazon: Heißer Stuhl für Bezos

    Amazon soll seine Doppelrolle als Onlinehändler und Marktplatz-Anbieter für kleine Händler ausnutzen. Quelle: AP
    Jeff Bezos

    Amazon soll seine Doppelrolle als Onlinehändler und Marktplatz-Anbieter für kleine Händler ausnutzen.

    (Foto: AP)

    Es ist wahrscheinlich gut für Jeff Bezos, dass die Anhörung auf neutralem, digitalem Boden stattfindet. Nicht nur weil er zum ersten Mal direkt auf Fragen kritischer Abgeordneter antworten muss. Auch aus anderen Gründen dürfte der Amazon-Chef besonders im Fokus stehen.

    Amazon soll seine Doppelrolle als Onlinehändler und Marktplatz-Anbieter für kleine Händler ausnutzen. Ein Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) enthüllte kürzlich, dass Amazon-Mitarbeiter beobachten, welche Produkte von Dritthändlern gut auf der Plattform laufen und diese dann nachproduzieren. Weil Amazon den Empfehlungsalgorithmus kontrolliert, ist der kleine Konkurrent dann klar im Nachteil.

    Amazon streitet ab, von solchen Praktiken gewusst zu haben. Bei einer Anhörung vor einem Jahr, also lange vor dem WSJ-Bericht, hatte ein Amazon-Justiziar sogar noch unter Eid abgestritten, dass Amazon so handelt. Wie Bezos nun darauf antwortet, wird einer der Höhepunkte der Veranstaltung sein – schließlich droht auch ihm, dem reichsten Menschen der Welt, im Fall einer Falschaussage eine Gefängnisstrafe.

    Amazon betont dagegen, wenig Macht über seine Märkte zu haben. Zwar sei man der größte Onlinehändler, die meisten Einkäufe fänden aber immer noch offline statt. Zudem gibt es auch im Internet Alternativen: Dass Konkurrent Walmart laut der Analysefirma Marketplace Pulse alleine seit Juni 6600 neue Händler auf seine E-Commerce-Plattform gebracht hat, dürfte Amazons Argument stützen.

    Apple: Streit um den App Store

    Apple steht vor allem wegen seines App Stores und dem Umgang mit externen Entwicklern in der Kritik. Quelle: AP
    Apple-Chef Tim Cook

    Apple steht vor allem wegen seines App Stores und dem Umgang mit externen Entwicklern in der Kritik.

    (Foto: AP)

    Der iPhone-Hersteller ist an der Börse der wertvollste der vier Konzerne, doch kontrovers ist vor allem ein Aspekt: der App Store und der Umgang mit externen Entwicklern, die fast alle Apps für Apples Betriebssystem iOS entwickeln. Neben Googles Android ist iOS das einzige relevante Smartphone-Betriebssystem der Welt.

    Wer über den App Store Abos verkauft, muss Apple in der Regel eine Gebühr zahlen, die 30 Prozent im ersten Jahr und danach 15 Prozent beträgt. Apple überprüft die Apps, schützt seine Nutzer vor Spam, regelt Zahlungen und Kundenservice rund um den Store.

    Im Juni traten die Entwickler einer kostenpflichtigen E-Mail-App eine Revolte gegen Apple los. Sie störten sich vor allem daran, dass Apple keine Alternativen bietet. Wer an die lukrativen Apple-Kunden ranwill, muss sich auf Apples Bedingungen einlassen.

    Der Musik-Streamingdienst Spotify löste mit seiner Beschwerde darüber bereits ein EU-Wettbewerbsverfahren aus. Pikant dabei ist, dass Apple Music Spotifys härtester Konkurrent ist. Apple kontert, dass Spotify die Gebühr seit Jahren nicht mehr zahlen muss und weniger als ein Prozent der Spotify-Nutzer überhaupt den höheren Preis auf iOS bezahlen.

    Doch die Beschwerden über Apple werden zahlreicher. Zuletzt forderte selbst Microsoft-Präsident Brad Smith den Kongress und die EU-Kommission auf, Apples Gebühren zu überprüfen.

    Apple wehrte sich mit einer Studie, die zeigt, dass eine 30-prozentige Gebühr für digitale Dienstleistungen durchaus marktüblich sei: Der Microsoft Store für Apps auf Windows-Geräten nehme auch 30 Prozent.

    Google: Macht über das Werbegeschäft

    Im Verhör soll geklärt werden, inwieweit Google seine Dominanz als Suchmaschine ausnutzt, um sich auf dem Anzeigenmarkt Vorteile zu verschaffen. Quelle: AP
    Google CEO Sundar Pichai

    Im Verhör soll geklärt werden, inwieweit Google seine Dominanz als Suchmaschine ausnutzt, um sich auf dem Anzeigenmarkt Vorteile zu verschaffen.

    (Foto: AP)

    Dass Google die Suche im Internet beherrscht, ist unstrittig. In den meisten Märkten werden mehr als 90 Prozent der Suche gegoogelt. Die Frage, die der Unterausschuss klären will, ist, inwieweit Google diese Dominanz ausnutzt, um sich im Werbegeschäft Vorteile zu verschaffen.

    Besonders interessant sind dabei die viele Jahre alten Übernahmen der Werbetechnologie-Firmen DoubleClick und AdMob. Diese helfen Google, Werbung nicht nur auf seinen eigenen Seiten, sondern überall im Internet zu platzieren. Wie eine Krake durchdringt Google so das Internet mit seinen Werbeangeboten.

    Zudem hat Google in den vergangenen Jahren mehr und mehr Angebote in seine Suche integriert, statt Nutzer auf andere Seiten weiterzuleiten. Statt jemanden, der nach Flügen sucht, auf Expedia oder Booking weiterzuleiten, können Nutzer Flüge direkt auf Google Flights buchen – die Provision landet bei Google, die Konkurrenten gehen leer aus.

    Ausschussvorsitzender Cicilline ist besonders daran interessiert, wie Google seine eigene Video-Plattform Youtube gegenüber kleinen Konkurrenten wie Vimeo bevorzugt. Das Problem dabei: Youtube ist die eindeutig größere Plattform, auch ohne unfairen Wettbewerb. Ein objektiver Standard, wie viel Traffic einer kleineren Seite wie Vimeo fairerweise zufließen müsste, ist schwer festzustellen.

    Googles Argument gegen all die Vorwürfe: Die eigenen Angebote seien eben überlegen, nur deswegen kämen die Nutzer immer wieder zurück. Konkurrierende Suchmaschinen wie Bing oder Ecosia seien schließlich „nur einen Klick entfernt“.

    Mehr: Die großen US-Techkonzerne betreiben digitalen Kolonialismus

    Startseite
    Mehr zu: Marktmacht - Tech-CEOs vor dem Kongress – Das sind die Vorwürfe der US-Politik
    0 Kommentare zu "Marktmacht: Tech-CEOs vor dem Kongress – Das sind die Vorwürfe der US-Politik"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%