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Entwickler von „Fortnite“ Epic Games' Rebellion gegen Apple und Google könnte richtungsweisend sein

Sind die Bedingungen in den App Stores fair? Epic Games meint: Nein – und verklagt die Digitalkonzerne. Auch Facebook schließt sich dem Protest an.
14.08.2020 Update: 14.08.2020 - 19:11 Uhr Kommentieren
350 Millionen Nutzer spielen den Titel jeden Monat. Quelle: Epic Games
Onlinespiel „Fortnite“

350 Millionen Nutzer spielen den Titel jeden Monat.

(Foto: Epic Games)

Düsseldorf Mit Spezialeffekten kennt sich Epic Games aus. Das Unternehmen entwickelt das Online-Kriegsspiel „Fortnite“, in dem Millionen zumeist jugendliche Nutzer vor allem gegeneinander antreten, mit Pistolen und Granatwerfern, Panzern und Helikoptern. Im vergangenen Herbst ließ der Entwickler die gesamte virtuelle Welt zwischenzeitlich in einem schwarzen Loch verschwinden – mehrere Millionen Menschen schauten zu.

Nun lässt es Epic Games auch im Geschäftsleben krachen: Der Spieleentwickler aus North Carolina legt sich mit Apple und Google an. Er wirft den beiden Konzernen aus dem Silicon Valley in Kartellbeschwerden vor, ihre Marktmacht zu missbrauchen.

Und um die Nutzer zu mobilisieren, hat Epic Games gleich ein Video veröffentlicht, in dem es den iPhone- und Mac-Hersteller als bösen Diktator im Stil des überwachenden „Big Brother“ darstellt, mit einem Kopf, der aussieht wie ein angebissener Apfel samt Wurm. Eine Parodie auf einen Werbespot aus dem Jahr 1984, als Apple gegenüber IBM noch der Underdog war.

Der Konflikt kommt gerade für Apple zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der iPhone-Hersteller muss sich zunehmend gegen Kartellbeschwerden über den Umgang mit Softwareentwicklern wehren. So klagt der Musikdienst Spotify bei der EU-Kommission über „unfairen Wettbewerb“, in den USA hat der Kongress die Chefs der großen Technologiekonzerne zu ihren Geschäftsgebaren befragt, darunter Tim Cook. Google steht ohnehin im Visier der Ermittler.

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    Der aktuelle Fall sorgt für weitere Aufmerksamkeit – zumal sich am Wochenende mit Facebook ein großer Name dem Protest anschloss. Und auch die Aktien der Konzerne reagierten auf die Klage: Zum Handelsauftakt in New York büßten Apple und Google-Mutter Alphabet bis zu 1,4 Prozent ein.

    Anlass für den Konflikt ist, wie könnte es anders sein, das Geld. Apple und Google verlangen von Unternehmen, die Programme und Inhalte über ihre Plattform vertreiben, eine Kommission von bis zu 30 Prozent. Diese Gebühr ist für Entwickler ein Ärgernis. Öffentlich darüber reden mag aber kaum jemand, wenn überhaupt – es gebe die Befürchtung, dass ein Konzern das nächste Update blockiere, berichtet ein Gründer, der nicht genannt werden möchte.

    Die meisten Unternehmen arrangieren sich mit der Situation. Nicht so Epic Games, das allein mit „Fortnite“ eine loyale Fangemeinde von mittlerweile 350 Millionen Nutzern erreicht und bei einer Finanzierungsrunde eine Bewertung von 17 Milliarden Dollar erreicht hat.

    Im Gegenteil: Der Spieleentwickler legte es bewusst auf eine Eskalation an. Er baute zunächst in das Spiel „Fortnite“ eine Bezahlfunktion ein, die gegen die Regeln von Apple und Google verstieß. Und als die Konzerne die Apps von ihren Plattformen entfernten, reichte er postwendend Kartellbeschwerden ein.

    „Apple verlangt eine Steuer auf alle Verkäufe“

    Der Vorwurf von Epic Games: Apple zwinge Entwickler, den App Store zu nutzen, und missbrauche dieses Monopol, um eine „30-Prozent-Steuer“ auf den Verkauf jeder App zu schlagen, wie es in der Beschwerde heißt. Google ermöglicht es im Betriebssystem Android, alternative Plattformen einzubinden, das hält der Spieleanbieter jedoch für beschwerlich. Und im Play Store des Tech-Konzerns ist der Bezahldienst verpflichtend. Auch hier sieht der Spieleentwickler daher eine Wettbewerbsbehinderung.

    Epic Games habe den „unglücklichen Schritt“ gemacht, die App-Store-Regeln zu verletzen, erklärte Apple in einer Stellungnahme gegenüber dem Handelsblatt – und zwar mit voller Absicht, die Richtlinie für die Bezahlung von Inhalten zu verletzen. Daher habe man die App „Fortnite“ von der Plattform entfernt. Man sei zu Gesprächen bereit, nicht aber zu einer Spezialbehandlung.

    Für diese Praxis gibt es durchaus Argumente. Apple etwa betont stets, Entwicklern den Zugang zu potenziell mehreren Hundert Millionen Nutzern zu bieten, inklusive Sicherheitsprüfung, Bezahlsystem, Marketing und Kundenservice. Die meisten zahlen dafür keinen Cent – wer beispielsweise Werbung schaltet, muss den Umsatz nicht mit Apple teilen. Bei den kostenpflichtigen Programmen kassiert der Konzern aber mit. Im vergangenen Jahr hat sich das auf schätzungsweise 50 Milliarden Dollar summiert.

    Zudem sieht Apple die Regeln als Garanten für Qualität und Sicherheit. Wenn Nutzer über das zentrale System zahlen, so das Argument, müssen sie sich beispielsweise nicht sorgen, dass ein Unternehmen ihre Kreditkartendaten missbraucht. Das Markenversprechen beinhalte Vertrauen und Sicherheit, so wie bei Disney, meint Benedict Evans, Analyst beim britischen Investor Venture Partner.

    Apple verwies darauf, dass „Fortnite“-Entwickler Epic Games gegen die App-Store-Regeln verstoßen habe. Quelle: AFP
    „Fortnite“ World Cup

    Apple verwies darauf, dass „Fortnite“-Entwickler Epic Games gegen die App-Store-Regeln verstoßen habe.

    (Foto: AFP)

    Allerdings wird der Unmut immer lauter, über die strikten Regeln, besonders aber die Höhe der Gebühr. Jüngst hat der Entwickler der E-Mail-App Hey sie mit dem Schutzgeld der Mafia verglichen. Spotify, das im umkämpften Streamingmarkt mit Apple Music direkt konkurriert, hat bei der EU-Kommission eine Wettbewerbsbeschwerde eingereicht. Und Netflix verkauft keine Abos über den App Store, auf die Gefahr hin, die Zuschauer zu verwirren.

    Am Wochenende nutzte zudem Facebook die Vorstellung einer neuen Funktion, um gegen Apple zu schießen. Selbständige und kleine Geschäfte können über die Plattform Online-Veranstaltungen organisieren, die Erlöse sollen sie behalten dürfen – außer, die Nutzer verwenden iPhone oder iPad. Der Elektronikkonzern wolle auf die „Steuer“ nicht verzichten, hieß es in einem Blogpost - die Unternehmen könnten daher „nur 70 Prozent von ihren hart verdienten Erlösen bekommen“.

    Epic Games, so scheint es, will nun eine Rebellion gegen Apple und Google anführen. Das Unternehmen fordert seine zahlreichen Fans auf, sich mit dem Hashtag #FreeFortnite bei den Unternehmen zu beschweren.

    Mehr: Warum Netflix Angst vor „Fortnite“ hat, lesen Sie hier.

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