Kritische Infrastruktur: Funklöcher und langsames Internet – Telekomkonzerne dürften erneut Auflagen verletzen
Die Bundesnetzagentur soll den laxen Umgang mit Versorgungsauflagen mittlerweile Leid sein.
Foto: imago images/Michael GstettenbauerHamburg. Der Ausbau der Mobilfunknetze in Deutschland kommt immer noch langsamer voran als geplant. So sind insbesondere Funklöcher auf dem Land, sogenannte „weiße Flecken“, nach wie vor nicht ausreichend mit Infrastruktur ausgestattet. Eine pünktliche Versorgung, die bis Jahresende vorgesehen war, erscheint deshalb kaum mehr möglich. Das geht aus einer vertraulichen Auswertung der Bundesnetzagentur hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.
Von 600 bis Silvester zu versorgenden weißen Flecken sind demnach erst 89 geschlossen. Auch in anderen Bereichen geben Teile der Branche ein dürftiges Bild ab: Die Vorgabe, 98 Prozent der Haushalte mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 100 Mbit/s zu versorgen, wird zum Beispiel von Telefónica (O2) erst in fünf Bundesländern erreicht. Die Auswertung gibt den Stand von August dieses Jahres wieder.
Experten und Insider rechnen deshalb nicht damit, dass alle drei großen Netzbetreiber die Mindestauflagen bis zum Jahresende einhalten werden, zu denen sie sich im Rahmen der letzten Frequenzauktion 2019 verpflichtet hatten.
Bundesnetzagentur: Telekom, Vodafone und Co. verletzen erneut Auflagen
„Das geht mal wieder viel zu langsam voran“, klagt ein Mitglied des Beirats der Bundesnetzagentur. Die ursprünglichen Beteuerungen der Anbieter seien mitunter zur „Farce“ verkommen. Die Verzögerungen bei den weißen Flecken seien „frustrierend“, sagte Reinhard Houben (FDP), der dem Beirat ebenfalls angehört, dem Handelsblatt. „1&1 und Telefónica müssen nun alles dafür tun, die staatlichen Auflagen beim Netzausbau zu erfüllen.“