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Pandemie-Vorsorge Bund, SAP und Telekom rechnen mit 25 Millionen Nutzern der Corona-App in Deutschland

Dem Handelsblatt liegen die Verträge zwischen Bund, SAP und Telekom zur Corona-Warn-App vor. Details zu den Kosten zeigen: Ein Service ist besonders teuer.
19.08.2020 - 20:16 Uhr Kommentieren
Zukünftig soll die Corona-Warn-App auch im Ausland nutzbar sein. Quelle: imago images/Friedrich Stark
Corona-Warn-App

Zukünftig soll die Corona-Warn-App auch im Ausland nutzbar sein.

(Foto: imago images/Friedrich Stark)

Berlin, Düsseldorf 436 Seiten lang ist das Vertragswerk zwischen Bundesregierung und SAP sowie der Telekom-Tochter T-Systems zu Entwicklung und Betrieb der Corona-Warn-App. Die vertraulichen Dokumente liegen dem Handelsblatt vor und beinhalten eine Vielzahl bislang nicht bekannter Informationen. Dazu zählen auch die technischen Annahmen, unter denen die App entwickelt wurde – die Rede ist von 25 Millionen Nutzern und bis zu 10.000 Infizierten täglich.

Die Corona-Warn-App ist seit ihrem Start Mitte Juni von mehr als 17 Millionen Bürgern heruntergeladen worden. Die App soll Nutzer darüber informieren, ob sie Kontakt mit einer infizierten Person hatten und sich daraus ein erhöhtes Ansteckungsrisiko ergibt. Angenommen wird dies, wenn die jeweiligen Smartphones einen bestimmten Abstand unterschreiten und dann per Bluetooth-Signal einen verschlüsselten Code austauschen. Ist eine Person infiziert, können so ihre Kontaktpersonen gewarnt werden.

In den Verträgen ist unter anderem aufgeführt, unter welchen Annahmen zum Datenfluss die Telekom ihren Teil der Technologie entwickelt hat. Das Unternehmen geht demnach von 25 Millionen Nutzern aus – also rund 30 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Im Vorfeld war viel darüber spekuliert worden, wie viele Nutzer es braucht, damit die App einen Nutzen haben würde. Einige Kommentatoren hatten dabei immer wieder 60 Prozent der Gesamtbevölkerung als Minimum genannt.

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    Ursprüngliche Quelle für diese Zahl ist eine Studie der Universität Oxford. Sie hatte den Anteil unter der Annahme errechnet, dass es neben der App keine weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gebe. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betont stets, dass jeder einzelne Nutzer einen Mehrwert bringe.

    Die App ist zudem darauf ausgelegt, dass sich maximal 10.000 Nutzer täglich als infiziert melden. Rekordtag mit den meisten Neuinfektionen war in Deutschland der 3. April mit 6174 neuen Fällen. Am vergangenen Montag waren es 561. Inwieweit es bei einer Überschreitung der Zahl von 10.000 Fällen zu Problemen mit der App käme, ließ die Telekom auf Anfrage offen.

    Das Bundesgesundheitsministerium erklärte auf Nachfrage, dass bei der Dimensionierung der App die Infektionszahlen aus dem Frühjahr zugrunde gelegt worden seien. „Sowohl die Nutzerzahlen als auch die Infiziertenzahlen und das daraus resultierende Datenaufkommen werden im Betrieb durch die Vertragspartner fortlaufend erfasst und kontrolliert“, hieß es. „Sollte dabei erkennbar werden, dass eine größere Dimensionierung angezeigt ist, wären Kapazitätsaufstockungen möglich, um Auslastungsprobleme von vornherein auszuschließen.“

    Auch darüber, wie lange die Pandemie anhalten und damit die Corona-Warn-App notwendig bleiben könnte, findet sich in den Verträgen ein Richtwert. Der Vertrag mit der Telekom, der rückwirkend zum 1. April dieses Jahres in Kraft trat, läuft bis zum 31. Mai 2021. Allerdings hat sich die Bundesregierung die Option offengelassen, zweimal um ein Jahr zu verlängern, also im Extremfall bis Mai 2023.

    Hotline als größter Kostenfaktor

    Was sich SAP und Telekom ihre Arbeit kosten lassen, war bereits durch eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linken bekannt geworden. Insgesamt zahlt der Bund demnach mehr als 69 Millionen Euro. Mit Abstand größer Kostenfaktor: T-Systems soll für den „Betrieb der App“ einschließlich Wartung, Sicherheit, Netzwerk und Hotline fast 43 Millionen Euro erhalten.

    Die Vertragsunterlagen schlüsseln nun auf, welche Kostenpunkte konkret anfallen. Die technische Hotline zur App, die T-Systems bereitstellt, kostet allein fast 7,5 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten. In dieser rechnen die Verantwortlichen mit 3000 Anrufen pro Tag.

    2021 und 2022 soll die Hotline dann nur noch jeweils knapp unter einer Million Euro kosten, 2023 weniger als eine halbe Million Euro. In dieser Zeit rechnet man mit nur noch 100 Anrufen pro Tag. Insgesamt machen die verschiedenen App-Hotlines etwa 38 Prozent der Betriebskosten an die Telekom aus, zeigt der Vertrag.

    Für die Entwicklung der App erhält T-Systems laut der Linken-Anfrage 7,8 Millionen Euro, SAP 9,5 Millionen Euro. Für „Wartung und Pflege der App“ fallen bei SAP in den kommenden beiden Jahren 1,9 Millionen Euro an.

    Mehr: Der Handelsblatt-Liveblog zum Coronavirus

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