Setapp: Ein Start-up und Microsoft könnten das Monopol des App-Stores auf iPhones brechen
Künftig können Nutzerinnen und Nutzer womöglich Apps aus anderen Quellen herunterladen.
Foto: ReutersSan Francisco, Düsseldorf. Ein Start-up will in Europa eine Alternative zum App-Store von Apple auf den Markt bringen. Das Unternehmen Macpaw hat für das kommende Jahr eine Plattform angekündigt, über die Nutzer von iPhone und iPad Anwendungen auf ihren Endgeräten installieren können – ohne dass eine Freigabe des Elektronikkonzerns nötig ist.
Auf der Plattform Setapp stehen rund 240 Anwendungen bereit, aufgeteilt nach Bereichen wie Arbeit, Kreativität und Softwareentwicklung. Die Angebote kosten zwischen zehn und 15 Dollar im Monat, sind derzeit allerdings vorwiegend für die Nutzer von Mac-Computern gedacht. Das soll sich nun ändern.
Das Team hinter Setapp setzt auf eine Gesetzesänderung in der Europäischen Union (EU): Das Gesetz über digitale Märkte, international als Digital Markets Act (DMA) bekannt, sieht strikte Auflagen für große Technologieanbieter vor. So dürfen sogenannte Gatekeeper, die den Zugang zu einem Markt kontrollieren, ihre eigenen Produkte gegenüber Konkurrenzprodukten nicht mehr bevorzugen.
Bisher gilt genau das für Apple, der App-Store des Konzerns ist die einzige Möglichkeit, Anwendungen legal auf Geräten mit dem Betriebssystem iOS zu installieren. Das Unternehmen behält bis zu 30 Prozent der Umsätze bei Zahlungen über die Plattform. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg von Dezember 2022 plant der Konzern aber als Reaktion auf die Gesetzespläne, Plattformen anderer Anbieter zuzulassen.
Damit zeichnet sich ab, dass Nutzer von mobilen Apple-Geräten – zumindest in Europa – in absehbarer Zukunft die App-Stores verschiedener Anbieter nutzen können. Apple kommentierte die Pläne von Macpaw auf Handelsblatt-Anfrage nicht.
„Wir freuen uns, unsere Unterstützung auf reine iOS-Entwickler auszuweiten und ihnen eine Plattform zu bieten, mit der sie ihre Nutzerzahlen steigern und neue Einnahmequellen erschließen können“, sagte Macpaw-Gründer und -Chef Oleksandr Kosovan.
Setapp: Ein Abo mit 240 Apps
30 Partner hat das Start-up für die iPhone-Plattform bislang gewonnen, zum Angebot zählen das Schreibprogramm Ulysses, die To-do-Liste Taskheat und die Planungs-App Noteplan. Das Unternehmen ruft weitere Entwickler zur Beteiligung an dem Programm auf.
Die Gebühren auf Setapp sollen geringer sein als im App-Store. Wie viel Entwickler erhalten, dürfte jedoch von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Das Start-up teilt 70 Prozent der Abo-Einnahmen unter den Entwicklern auf, deren Programme Kunden nutzen. Weitere 20 Prozent fließen an den Partner, der den Nutzer gewonnen hat. Dieses Modell soll auch für den neuen App-Store gelten.
Auch Microsoft hofft darauf, dass Apple alternative Softwareplattformen zulässt. Der Softwarehersteller will über einen eigenen App-Store Computerspiele vermarkten, wie Phil Spencer, Chef der Spielesparte, der „Financial Times“ sagte. Man wolle die Inhalte auf „allen Bildschirmen“, auf denen jemand spielen möchte, anbieten können.
Dabei wird es vermutlich nicht bleiben. Macpaw-Produktchef Mykola Savin erwartet „eine Vielzahl von Marktteilnehmern, die die Szene mit Angeboten überschwemmen werden“, beispielsweise große Softwarekonzerne wie Microsoft und Adobe oder Spielehersteller wie Epic Games und Valve. Denkbar seien zudem Kategorien, die Apple bislang verbiete, etwa Anwendungen für Kryptowährungen oder Erwachsenenunterhaltung.
Wie genau die Regeln des DMA ausgestaltet werden, ist jedoch offen. Letztlich werden Gerichte die neuen Gesetze interpretieren müssen, sagte der Repräsentant der EU, Gerard de Graaf, kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Er ging jedoch davon aus, dass Unternehmen wie Apple ihr alleiniges Vorrecht mittels des eigenen App-Stores verlieren könnten. Setapp könnte eine der ersten Plattformen werden, die als Alternative zur Verfügung stehen.
App Store ist Apples lukrativstes Produkt
Der Streit über die Geschäftspraxis von Apple dauert schon Jahre. Unternehmen wie Epic Games, Netflix und Spotify beschwerten sich öffentlich über die einbehaltene Provision von bis zu 30 Prozent. Der Konzern nahm in der Folge einige Modifikationen vor – so zahlen Entwickler mit wenig Umsatz nur noch 15 Prozent –, beharrte aber auf seinem Monopol.
Apple-Chef Tim Cook hat Forderungen nach einer Öffnung für andere Plattformen wiederholt scharf kritisiert. Er argumentiert unter anderem, dass der Konzern durch ein dezidiertes Prüfverfahren für besonders hohe Sicherheit sorge und diese durch alternative App-Stores gefährdet sei.
Der Appstore gilt als das lukrativste Produkt von Apple. Die Umsatzrendite wird auf mehr als 90 Prozent geschätzt.
Foto: dpaDas Unternehmen betont zudem die ökonomische Bedeutung des App-Stores. Laut einer von Apple in Auftrag gegebenen Studie haben die Anbieter von Anwendungen 2022 insgesamt 1,1 Billionen Dollar Umsatz erzielt. Darin enthalten sind neben der Vermarktung von Software und Abos allerdings auch der Verkauf physischer Waren und Werbung.
Apple legt keine Daten zu den Umsätzen und Gewinnen mit dem App-Store offen. Analysten vermuten jedoch, dass es der lukrativste Geschäftsbereich des gesamten Unternehmens sein dürfte: Branchenkenner schätzen die Umsatzrendite auf mehr als 90 Prozent. Im Jahr 2022 betrugen die Umsätze mit dem App-Store 86,8 Milliarden Dollar, berichtete das Branchenportal Business of Apps.
Verbraucher suchen Alternativen
Wie groß mögliche Einbußen für Apple wären, lässt sich nur grob schätzen. Einen Eindruck vermittelt eine Studie des Analysten Erik Woodring von der Großbank Morgan Stanley, der Kunden in den USA und in China befragen ließ. Das Ergebnis: 30 Prozent der Apple-Nutzer würden gerne Apps direkt von Entwicklern beziehen statt über den App-Store.
Woodring geht jedoch davon aus, dass die Möglichkeit eines alternativen Stores zunächst auf die Europäische Union beschränkt bleibt, was die Einbußen reduzieren dürfte: „Die EU steht nur für rund 13 Prozent der Ausgaben im App-Store.“
Dass Apples Vormachtstellung bröckelt, erwartet der Analyst ohnehin nicht: „Die Verbraucher bevorzugen weiterhin mit überwältigender Mehrheit die unübertroffene Sicherheit, Zentralisierung und Bequemlichkeit des App-Stores.“