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Softwarekonzern Neue Vision für SAP: Wie Christian Klein den Konzern verändert

Die Kundenkonferenz „Sapphire Now“ begann für SAP mit einer Panne – und war trotzdem ein Erfolg. Der Vorstandschef tritt aus dem Schatten seines Vorgängers.
21.06.2020 - 13:05 Uhr Kommentieren
SAP: Wie Christian Klein den Softwarekonzern verändert Quelle: AFP
SAP-Chef Christian Klein

Der 40-Jährige ist seit dem Ende der Doppelspitze mit Jennifer Morgan im April alleiniger Chef.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Einer der wichtigsten Auftritte in diesem Jahr begann für SAP-Chef Christian Klein mit einer peinlichen Panne. Als am vergangenen Montag die virtuelle Kundenkonferenz „Sapphire Now“ begann, fiel das System aus. Tausende von Kunden, Partnern und Mitarbeiter, die sich die Präsentation des Vorstandschefs ansehen wollten, bekamen auf der Website des Softwareherstellers eine Fehlermeldung angezeigt. Nur bei Twitter und LinkedIn lief das Video – wo es längst nicht jeder fand.

Klein ging mit dem Problem pragmatisch um. Er bedauere, dass SAP die Aufgabe an einen Dienstleister vergeben habe. „Das war nicht die beste Entscheidung“ – die Verantwortung dafür übernehme er. Das Organisationsteam habe aber eine enorme Leistung erbracht, die große Konferenz, zu der bis zu 30.000 Besucher kommen, in eine virtuelle Veranstaltung umzuwandeln. „Wenn Sie etwas verpasst haben, melden Sie sich bitte bei uns“, ließ er noch wissen.

Für die SAP-Welt dürfte es sich lohnen, die Videos anzuschauen. Der 40-Jährige ist seit dem Ende der Doppelspitze mit Jennifer Morgan im April alleiniger Chef. Nun hat er mit seinem Vorstandsteam skizziert, wie er den Softwarehersteller in den nächsten Jahren führen will. Nach den Zukäufen der vergangenen Jahre sind nun die Integration und viel eigene Entwicklung angesagt. „Das ist eine große Abkehr von Bill McDermotts Produktstrategie“, sagt Holger Müller, Analyst bei Constellation Research.

Dabei kann Klein auf den Rückhalt des mächtigen Aufsichtsratschefs Hasso Plattner zählen. Dieser hatte im Mai im Handelsblatt-Interview moniert, dass Kleins Vorgänger McDermott die Einbindung der Tochterfirmen vernachlässigt habe.

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    Das dominierende Thema der „Sapphire Now“ war an sich nicht neu: Schon in den vergangenen Jahren erklärte das SAP-Management, wie es die vielen Produkte im Portfolio integrieren will, die über Zukäufe und Eigenentwicklungen zusammengekommen sind. Das ist eine Forderung der Kunden: Je besser die Komponenten zusammenarbeiten, desto einfacher ist die Einführung, desto billiger ist der Betrieb, desto leichter lassen sich Daten intelligent auswerten.

    Grafik

    Doch während Kleins Vorgänger McDermott auf der Bühne lieber und länger Zukäufe wie Qualtrics pries, stellte Klein die Integration in den Mittelpunkt. So demonstrierte er, wie die Autoindustrie eines Tages ihre gesamte Wertschöpfung digital organisieren können soll.

    Erst konfiguriert ein Kunde sein neues Auto auf dem Smartphone, inklusive Vorschlägen aus dem Kundenprofil. Dann plant der Konzern die Fertigung anhand eines digitalen Zwillings. Nach der Auslieferung helfen die Daten beim Kundenservice, dienen sie etwa für die vorausschauende Wartung.

    Gerade in der jetzigen Situation, so betonte Klein, sei die Integration wichtig. Wenn Kunden ihre Geschäftsprozesse ohne Bruchstellen steuern können, fällt es ihnen beispielsweise auch leichter, Störungen der Lieferkette durch die Corona-Pandemie problemloser zu handhaben. Auch für die Messung von CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus, die angesichts der Klimakrise an Bedeutung gewinnt, gibt es nun ein neues Produkt. Resilienz und Nachhaltigkeit lauten die Schlagworte.

    Selbst gemacht statt gekauft

    Das große Programmpaket will SAP nun mit einigen Initiativen erweitern. So kündigte der Konzern Cloud-Dienste an, die auf die speziellen Bedürfnisse von Branchen wie Industrie, Handel und Versorger zugeschnitten sind. Und unter dem Schlagwort „Industry 4.Now“ soll es Produkte geben, die den lückenlosen Datenfluss zwischen Fabrik und Verwaltungssystem gewährleisten.

    Besonders konkret sind diese Pläne noch nicht: Das Management sucht nun Kunden und IT-Dienstleister, die gemeinsam daran arbeiten wollen. Wohlgemerkt, es handelt sich um eigene Initiativen, „made by SAP“ gewissermaßen, keine Zukäufe. „Mit dem enormen Entwicklungsbudget, das wir in der Krise halten und vielleicht sogar ausbauen wollen, müssen wir bei SAP vermehrt organische Innovationen liefern“, hatte Klein dem Handelsblatt bereits Ende April gesagt.

    „SAP hat erstmals seit vielen Jahren wieder eine Vision für das große Ganze einschließlich der ‚Six Sisters‘ präsentiert“, sagt Analyst Holger Müller – also für den Mutterkonzern und die Tochterfirmen. Produktchef Thomas Saueressig zeigte auf Folien, wie das gesamte Portfolio zusammenspielen soll. „Das ist das, was die Kunden wollen.“ Zudem sei spürbar, dass der Softwarehersteller wieder selbst Produkte entwickle. „Es passieren gerade einige fundamentale Sachen.“

    Auch die Kundenorganisation DSAG bewertet die Bemühungen als positiv. „Die Handschrift von Christian Klein ist bei SAP klar zu erkennen“, sagt der DSAG-Vorsitzende Marco Lenck. Seit der Vorstandschef im Oktober 2019 die Führungsverantwortung übernommen habe, gebe es mehrere interne Projekte, um auf Kundenbelange wie die Integration einzugehen.

    „Die Sapphire war ein wichtiger Meilenstein, weil SAP gezeigt hat, dass sie diesen Weg weitergeht“, so Lenck, der im Hauptberuf eine Führungsposition bei einem Automobilzulieferer hat. Dabei gebe der SAP-Vorstand ein geschlossenes Bild ab. „Insgesamt hat sich das Bild ergeben, dass sich Christian Klein mit seinen Leuten eng abstimmt. In der Vergangenheit schien das nicht immer so.“

    An der Börse kam die diesjährige „Sapphire Now“ gut an, trotz der technischen Panne. Mehrere Analysten hoben ihre Kursziele für die SAP-Aktie an. Es werde unterschätzt, wie stark SAP den Bestandskunden zusätzliche Produkte verkaufen könne, erklärte etwa die Schweizer Bank Credit Suisse, während JP Morgan auf das Potenzial durch Nachhaltigkeitsinitiativen verwies. Am Freitag stieg der Kurs auf gut 124 Euro, er steht damit wieder fast auf dem Niveau von vor der Coronakrise.

    Die Arbeit fängt erst an

    Die Arbeit geht nach der „Sapphire Now“ jedoch erst richtig los. Stichwort Integration: „SAP hat eine gewaltige Produkthistorie – das zu integrieren ist komplex“, sagt der DSAG-Vorsitzende Lenck. Deswegen dauere die Arbeit noch. Wie weit die Versprechungen gediehen sind, will die Kundenorganisation im Herbst überprüfen.

    Auch die Entwicklung einer zentralen Infrastruktur, um große Mengen Rohdaten aus verschiedenen Systemen zu sammeln, läuft noch, wie Constellation-Analyst Müller anmerkt – ITler bezeichnen das malerisch als „Data Lake“, als „Datensee“ also. Das sei die Grundlage für viele neue Lösungen. „SAP muss erst das Fundament richtig hinbekommen, bevor die Arbeit an der Dachterrasse beginnt“, sagt er in Anspielung auf neue Initiativen.

    Stichwort neue Produkte: Die Ankündigungen sind bisher vage, eine konkrete Planung, Roadmap genannt, gibt es für die neue Industry Cloud beispielsweise noch nicht. Durch die Angebote ergebe sich eine große Chance, sagt Joshua Greenbaum, Chef des Beratungsunternehmens EA Consulting. „Aber SAP muss sich schnell bewegen, weil andere Unternehmen sich auch mit den Themen beschäftigen.“

    Und bei allen Initiativen kommt es darauf an, dass die SAP-Partner mitarbeiten: IT-Dienstleister also, die die Produkte des Softwarekonzerns bei den Kunden einrichten. In diesem Ökosystem gebe es immer wieder Probleme, sagt Greenbaum. Zum Beispiel durch Unternehmen, die für die Einführung komplexer Systeme wie S/4 Hana lange Zeit brauchen. „SAP muss das Ökosystem besser managen“, fordert der Berater daher.

    Mehr: SAP geht mit viel Cash in die Krise – der Bilanzcheck

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