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Bilanzcheck SAP geht mit mächtig Cash in die Krise

Das robuste Geschäftsmodell hilft dem Dax-Konzern in turbulenten Zeiten. Zudem hat Softwarehersteller SAP gerade rechtzeitig ein Effizienzprogramm gestartet.
19.05.2020 - 04:01 Uhr Kommentieren
Trotz der Krise kann der Manager selbstbewusst auftreten. Quelle: dpa
SAP-Chef Christian Klein

Trotz der Krise kann der Manager selbstbewusst auftreten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Geschäftsbericht von SAP wirkt wie aus einer anderen Zeit. Auf einem Foto lächeln Christian Klein und Jennifer Morgan als Co-Vorstandssprecher, und einen Brief an die Aktionäre beenden sie mit dem Satz: „Die besten Zeiten liegen noch vor uns – 2020 und darüber hinaus.“ Als die Publikation im Februar herauskam, war der abrupte Abgang der Amerikanerin für die Öffentlichkeit nicht abzusehen und das Ausmaß der Corona-Pandemie höchstens zu erahnen.

Trotzdem ist das knapp 300 Seiten umfassende Zahlenwerk für Investoren, die am Mittwoch zur Internet-Hauptversammlung zusammenfinden, eine lohnende Lektüre: Es zeigt sich zum Beispiel, wie robust das Geschäftsmodell ist. So stammten im vergangenen Jahr 67 Prozent der Einnahmen aus langfristen Verträgen.

SAP entwickelt Programme, mit denen Organisationen ihre Geschäftsprozesse steuern können, von der Kundengewinnung bis zur Produktion, von der Materialplanung bis zur Buchführung. Seit einigen Jahren stellt der Softwarehersteller sein Geschäftsmodell um: Anstatt Lizenzen zu verkaufen, bietet er immer mehr Produkte gegen Gebühr aus der Cloud an, also praktisch zur Miete – was Kunden Administrationsaufwand und Anfangsinvestitionen ersparen soll.

Dass der Dax-Konzern 2019 den Umsatz kräftig auf 27,55 Milliarden Euro steigern konnte, verdankte er dieser Umstellung: Der Lizenzverkauf – also das traditionelle Modell – schrumpfte zwar moderat auf 4,53 Milliarden Euro, das Geschäft mit dem Cloud-Computing wuchs jedoch gleichzeitig um 39 Prozent auf 6,93 Milliarden Euro. Zudem waren weitere 12,4 Milliarden Euro bereits vertraglich gesichert, wie die Kennzahl „Cloud Backlog“ zeigt. Die Gebühren stellt der Softwarehersteller monatsweise in Rechnung.

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    Zum Cloud-Boom trugen die Übernahmen der vergangenen Jahre wesentlich bei – ob Ariba, Fiedglass und Concur, die im Segment „Intelligent Spend Group“ zusammengefasst sind, oder Qualtrics.

    Für einige wichtige Produkte nennt SAP allerdings keine Geschäftszahlen, beispielsweise das Kernprodukt S/4 Hana samt Cloud-Variante, das für die Zukunft des Konzerns eine zentrale Rolle spielen dürfte, oder die Plattform Leonardo, die Technologien wie Künstliche Intelligenz bietet. Wie erfolgreich diese im Unternehmen selbst entwickelten Cloud-Dienste tatsächlich sind, können Analysten derzeit zur schätzen.

    Langfristige Erträge

    Für Stabilität sorgt neben dem Cloud-Geschäft der Softwaresupport. SAP verpflichtet Kunden beim Kauf von Lizenzen, langfristige Wartungsverträge abschließen. Dank der großen Kundenbasis von aktuell mehr als 440.000 summierte sich das auf 11,55 Milliarden Euro. Zudem erwirtschaftete SAP 4,54 Milliarden Euro mit Services, zu denen das Softwarehaus Beratungsangebote, Schulungen und Zahlungsdienstleistungen zählt. Der Umsatzanstieg zum Vorjahr belief sich auf elf Prozent.

    In der Krise erweist sich dieses Geschäftsmodell als Vorteil: Die Ausgaben für IT-Projekte mögen Unternehmen radikal kürzen, auf Cloud-Dienste und Wartung können sie jedoch nur bedingt verzichten. Denn das würde wichtige Geschäftsprozesse beeinträchtigen. Zwei Drittel der Einnahmen deklariert SAP bereits als „besser planbar“, Tendenz deutlich steigend.

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    Was ebenfalls helfen dürfte: Nach den hohen Investitionen in den vergangenen Jahren hat das SAP-Management auf Druck von Investoren ein Effizienzprogramm gestartet, um die Profitabilität wieder auf das Niveau zu steigern, das man traditionell vom Softwarehersteller kennt. Die bereinigte operative Marge, die intern für die Steuerung verwendet wird, soll im Jahr 2023 rund 34 Prozent erreichen – Ende 2019 lag sie bei 29,7 Prozent. Grundlage ist der Ertrag vor Steuern und Zinsen (Ebit).

    2019 war indes ein Jahr mit hohen außerordentlichen Ausgaben, die diese selbst definierte Kennzahl nicht berücksichtigt. So richtete sich SAP mit einer Restrukturierung, bei der 4 000 Mitarbeiter die Organisation verließen, auf „strategische Wachstumsbereiche“ aus. Kosten: 1,13 Milliarden Euro.

    Durch die Übernahme von Qualtrics fielen 689 Millionen Euro akquisitionsbedingte Aufwendungen an, zudem schossen die anteilsbasierten Vergütungen wegen der neuen Mitarbeiter auf 1,83 Milliarden Euro in die Höhe. Nicht zuletzt musste der Konzern deutlich mehr Ertragsteuern zahlen.

    Das Resultat: Der Mittelzufluss aus betrieblicher Tätigkeit sank um 19 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, der Free Cashflow, der den Spielraum für Dividenden und Tilgungen beschreibt, um 20 Prozent auf 2,28 Milliarden Euro. Angesichts der hohen Aufwendungen lagen auch Betriebsergebnis (Ebit) und Gewinn nach Steuern deutlich unter den Vorjahreswerten.

    Risiken stecken in den Übernahmen

    2020 erwartet SAP eine deutliche Entspannung, trotz der Corona-Pandemie: Der Softwarehersteller kalkuliert mit einem operativen Cashflow von rund fünf Milliarden Euro und einem Free Cashflow von rund 3,5 Milliarden Euro. Darin ist bereits eine deutliche Korrektur wegen der Wirtschaftskrise enthalten.

    Das erklärt, warum SAP-Chef Christian Klein trotz der Krise so selbstbewusst auftritt: „Natürlich sind wir nicht immun gegen die Krise, aber wir sehen uns finanziell sehr gut aufgestellt“, sagte er dem Handelsblatt.

    Gewisse Risiken bergen die vielen Übernahmen, die unter der Führung von Bill McDermott zur Strategie gehörten. SAP kaufte diverse Unternehmen, die mit Know-how und Kunden beim Aufbau des Cloud-Geschäfts helfen sollten.
    Jüngstes (und laut Management vorerst letztes) Beispiel ist der Marktforschungsspezialist Qualtrics, der 6,45 Milliarden Euro kostete. Den Preis, der das 20-Fache des Umsatzes betrug, sahen Analysten als hoch bis zu hoch an.

    Die Übernahme finanzierte SAP weitgehend mit Fremdkapital. Die Finanzschulden stiegen somit auf 13,62 Milliarden Euro, unter dem Strich stand zum Jahreswechsel eine Nettoverschuldung von 8,29 Milliarden Euro in den Büchern.

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    In diesem Jahr muss der Softwarehersteller 2,53 Milliarden Euro davon zurückzahlen. Das wird Finanzchef Luka Mucic angesichts des stabilen Cashflows keine schlaflosen Nächte bereiten, zumal der Konzern ein gutes Kreditrating hat. Durch den Qualtrics-Deal hat er aber weniger Spielraum.

    Zudem sind die Übernahmen eine bilanzielle Belastung: Wenn der Kaufpreis höher ist als das bewertbare Vermögen des Unternehmens – was bei Softwareherstellern eher die Regel als die Ausnahme ist –, wird die Differenz als Hoffnungswert gebucht, Goodwill genannt. Doch sollte das Geschäft schlechter laufen als gedacht, könnten rasch Abschreibungen nötig werden, die unmittelbar auf den Konzerngewinn durchschlagen.

    Der in der SAP-Bilanz gebuchte Goodwill ist beträchtlich. Mit dem Qualtrics-Deal stieg diese Kennzahl auf 29,16 Milliarden Euro. Der Wert, der in schlechten Zeiten leicht dem Rotstift zum Opfer fallen kann, entspricht aktuell fast der Höhe des Eigenkapitals. Damit wird deutlich, dass auch der mit gut 130 Milliarden Euro Marktkapitalisierung wertvollste Dax-Konzern nicht vor Ungemach sicher ist.

    Ausblick schürt Hoffnung

    Doch wenn der Dax-Primus SAP mit der Prognose richtig liegt, dass sich die Weltwirtschaft ab dem dritten Quartal allmählich erholt, hat er gute Chancen, weitgehend unbeschadet durch die Krise zu kommen. Der aktualisierte Ausblick vom April macht den Aktionären Hoffnung, dass Umsatz und Betriebsergebnis leicht wachsen werden, die meisten Finanzanalysten empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf.

    Es bleiben aber einige Unsicherheiten. So stellt sich die Frage, ob SAP die Profitabilität weiter steigern kann. Viele Aufträge brechen weg, dennoch will Konzernchef Klein weiter ins Produkt investieren.

    Was die Kunden gerne hören, mögen Investoren kritisch sehen: Davon hängt schließlich ab, ob der Softwarehersteller zusätzlich zur regulären Dividende weiteres Geld ausschütten kann, wie er es im Oktober auf dem Kapitalmarkttag in Aussicht gestellt hat.

    Zudem ist offen, wann Unternehmen wieder in Projekte investieren, das System S/4 Hana einzuführen. Ende 2019 vermeldete SAP 13.800 Kunden. Die Vorgängerversionen nutzen nach Einschätzung von Marktforschern rund 35.000 Unternehmen.
    Die Umstellung ist also noch lange nicht abgeschlossen. Für den langfristigen Geschäftserfolg des Softwareherstellers ist das ein zentrales Thema.

    Mehr: Wie die Corona-Pandemie den Trend zum Cloud-Computing beschleunigt, lesen Sie hier.

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