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Spedition Sennder ist Deutschlands neuestes Einhorn

Die Berliner Digitalspedition sammelt 160 Millionen Dollar ein und überschreitet die Milliardenbewertung. Sie will nun etablierte Firmen aufkaufen.
14.01.2021 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Insgesamt beläuft sich das investierte Kapital in ihr Start-up auf über 260 Millionen Dollar (knapp 214 Millionen Euro).
Gründer von Sennder

Insgesamt beläuft sich das investierte Kapital in ihr Start-up auf über 260 Millionen Dollar (knapp 214 Millionen Euro).

Berlin Das Berliner Logistik-Start-up Sennder ist Deutschlands 14. Einhorn, wie das Handelsblatt exklusiv erfuhr: „Wir haben eine Finanzierungsrunde über 160 Millionen Dollar bei einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar abgeschlossen“, sagte Mitgründer und Co-CEO David Nothacker dem Handelsblatt. Insgesamt beläuft sich das investierte Kapital nun auf über 260 Millionen Dollar (knapp 214 Millionen Euro). Das Geld soll zur Expansion genutzt werden.

Zahlreiche Newcomer haben sich in den vergangenen Jahren wie Sennder auf dem Markt für Lkw-Frachttransporte in Europa versucht, der 350 Milliarden Euro umfasst. „Als wir uns vor zwei Jahren den Markt angeschaut haben, gab es allein zehn Logistik-Start-ups in Europa, die im Bereich Lkw-Ladungen aktiv waren“, sagt Christoph Schuh, Partner beim Wagniskapitalgeber Lakestar. „Unseres Wissens sind gerade mal zwei übrig geblieben.“

Die Konsolidierung ist im vollen Gange: Erst kürzlich hatten das Berliner Gründer- und Geschäftsführerteam David Nothacker, Julius Köhler and Nicolaus Schefenacker die französische Frachtplattform Everoad und das europäische Speditionsgeschäft des US-Unternehmens Uber übernommen.

Die Berliner Digitalspedition hat durch die Übernahme inzwischen 800 Mitarbeiter an sieben Standorten, mehr als 6000 Partnerunternehmen, die wöchentlich für Sennder unterwegs sind. Zehn Dax-30-Unternehmen sind unter den Kunden.

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    Zudem ist Sennder 2020 ein Joint Venture mit der italienischen Post eingegangen – der Transport von sämtlichen Paketen über lange Distanzen sichert 100 Millionen Euro Jahresumsatz.

    Anonymer Investor führte Finanzierungsrunde an

    Lakestar hat wie die anderen Bestandsinvestoren, darunter der US-Topinvestor Accel, HV Capital und Project A, anscheinend auf das richtige Gründerteam gesetzt. Auch Earlybirds Investment in Everoad entwickelt sich durch die Fusion gut weiter, der Münchner Wagniskapitalgeber hat sich nun auch an der aktuellen Series D, also der vierten institutionellen Finanzierungsrunde, bei Sennder beteiligt. Zu den neuen Investoren zählt Lkw-Hersteller Scania.

    Die Runde angeführt hat ein Investor, der nicht genannt werden möchte. Dabei dürfte es sich laut Branchenkreisen um Hedosophia von Ian Osborne handeln. Die Londoner Investmentfirma steht hinter mehreren deutschen Top-Start-ups und hält sich stets bedeckt.

    Sennder hat sich auf das Segment Lkw-Komplettladungen konzentriert, das in Europa ein Drittel der Straßenfracht ausmacht, also 115 Milliarden Euro Marktvolumen aufweist. Instafreight, ein weiteres Berliner Logistik-Start-up, ist dagegen im Bereich der komplexer zu planenden Palettenladung gestartet, orientiert sich inzwischen aber auch Richtung Sennder.

    Die Idee der digitalen Spedition für vollgeladene Lastkraftwagen ist verhältnismäßig einfach: „Auf der einen Seite haben wir die Verlader, große Kunden wie Siemens, die regelmäßig Ware von A nach B in vollen Lkw-Ladungen transportieren müssen“, sagt Nothacker. „Auf der anderen Seite stehen kleine Familienunternehmen, die fünf bis 50 Lkws haben. Wir bringen beide zusammen.“ Dabei ist Sennder für beide Seiten Vertragspartner.

    Das Start-up konkurriert mit etablierten Speditionen wie DB Schenker, Kühne + Nagel, Lkw Walter und DHL. Nothacker erklärt: „In Europa besitzen kleine Unternehmen mit weniger als zehn Lkws insgesamt 70 Prozent der Lkws. Auch die großen Speditionen greifen auf diese Firmen zurück.“

    Als Nummer drei hat eine Firma „keine Chance“

    Dabei ist das Segment stark fragmentiert. Mit zwei Prozent Marktanteil gilt eine Firma bereits als Marktführer oder zumindest eines der führenden Unternehmen. Aber: „Du kannst nur Marge entwickeln, wenn du einer der Top-Player bist, als Nummer drei oder vier wirst du in dem Geschäft keine Chance haben“, sagt Investor Schuh.

    Das Ziel von Sennder sind eine Milliarde Euro Umsatz bis 2023 und zwei Milliarden Euro bis 2025 – auch das wäre allerdings noch nicht einmal ein Prozent des Marktes. Zu aktuellen Umsätzen macht Sennder keine Angaben.

    Wie kann also das Wachstum gelingen und ein sich langfristig profitables Geschäft entwickeln, das die Investoren reizt?

    Kundenseitig will sich Sennder unter anderem mit günstigen Konditionen durch ein großes Angebot an Fahrern überall in Europa und zusätzliche digitale Leistungen durchsetzen – so wird ein Verlader wie Siemens etwa automatisch informiert, wenn ein Lkw-Fahrer im Stau steht und sich die Ankunftszeit ändert.

    Die Speditionen will man über ein größtmögliches Angebot an Fahrten gewinnen. Der erste Kontakt entstehe oft, weil Sennder eine Ladung für eine Strecke anbieten kann, die ein Frachtführer sonst leer zurücklegen müsse, sagt Nothacker. Das größte Problem in dem Geschäft sind die rund 35 Prozent Leerfahrten. Zudem wirbt das Start-up mit Zahlungen innerhalb von drei Tagen – im Markt kämen auch Zahlungen binnen 60 Tagen vor, sagt Nothacker.

    Regelmäßigen Fahrern bietet das Start-up über Partnerschaften günstige Konditionen beim Tanken und für Versicherungen, die dem Start-up ebenso als Einnahmequelle nützen wie seine Software, die es Kunden anbietet, um sämtliche ihrer Fahrten in einem System abzubilden.

    Der Vorteil des Horns

    Aktuell liegt Sennder nach eigenen Angaben in erschlossenen Märkten bei niedrigen zweistelligen Margen, etwas über dem Branchendurchschnitt.

    Das frische Geld soll überwiegend in Technologieentwicklung investiert werden und um Anreize zu bieten, diese zu nutzen. Die Branche muss noch viel digitaler werden, damit das Geschäftsmodell der Spedition wirklich aufgeht und der für Planung und Auslastung so wichtige Datenschatz und das Netzwerk wachsen.
    Zudem sollen traditionelle Unternehmen übernommen werden. „Über Akquisitionen bekommt man ein 20, 30 Jahre altes Netzwerk“, sagt Nothacker, so könne man schneller Fuß fassen.

    Als Einhorn erhofft sich Nothacker künftig noch bessere Chancen auf Talente. Aber er zeigt sich demütig, wenn er auf den Erfolg schaut: „Wir hatten wirklich sehr, sehr viel Glück, dass wir schon ganz am Anfang zwei große Kunden hatten, die uns eine Chance gegeben haben. Mit denen sind wir gewachsen.“ Es ist ein Erfolgsmodell, auf das viele Gründer mit innovativen Ideen im B2B-Geschäft hoffen.

    Mehr: Start-ups aus Europa bringen Investoren höhere Renditen als die Konkurrenz aus dem Silicon Valley.

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    1 Kommentar zu "Spedition: Sennder ist Deutschlands neuestes Einhorn"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist unfassbar mit welchen Argumenten eine Digitalisierung und Unicorn gerechtfertigt wird. Fahrzeugnachverfolgung, dynamische Ladungsanspassung und Just-in-Time Lieferung hat es bei Dachser und Co schon vor 25 Jahren gegeben. Ist ist einfach nur absurd, wenn man von digitalisierten Tankgutscheinen mal absieht, die heute jede Spedition hat.
      Die Jungs müßten sich jeden Tag tot lachen, über die absurde Betrachtungsweise der Investoren, die für Speditionssoftware, wie es sie an jeder 2 Ecke gibt, eine deartige Bewertung zu erzielen. Glückwunsch.

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