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Sprach- und Gestensteuerung So ermöglicht Infineon das kontaktlose Leben

Mit Sensoren des Chipkonzerns lassen sich viele Geräte per Sprache steuern. Schon vor Corona wuchs das Geschäft. Jetzt sind die Aussichten noch besser.
10.04.2020 - 16:58 Uhr Kommentieren
Infineon arbeitet an Technologie für Sprach- und Gestensteuerung. Angesichts der Coronakrise dürfte die Nachfrage steigen. Quelle: Infineon Technologies AG
Steuerung mit Gesten

Infineon arbeitet an Technologie für Sprach- und Gestensteuerung. Angesichts der Coronakrise dürfte die Nachfrage steigen.

(Foto: Infineon Technologies AG)

München Nur nichts anfassen: In der Coronakrise versuchen die Menschen, Berührungen so gut es geht zu vermeiden. Für Infineon ist das eine gewaltige Chance. Denn mit den Chips des Dax-Konzerns lassen sich zahllose Geräte per Sprachbefehl oder mit Gesten steuern.

Genau 1,44 Quadratmillimeter groß ist ein Siliziummikrofon, mit dem Infineon die Sprachsteuerung ermöglicht. Solche elektronischen Bauteile finden sich schon heute in mehrfacher Ausführung in jedem Smartphone, in drahtlosen Kopfhörern oder in smarten Lautsprechern wie Amazon Echo.

Dabei werde es aber nicht bleiben, ist sich Andreas Urschitz sicher. Es würden viele neue Anwendungsfelder dazu kommen, von Automaten bis zu Robotern. „Das ist ein Markt, der sehr stark wächst“, sagte der Chef der Infineon-Sparte Power & Sensor & Systems (PSS) dem Handelsblatt.

Der Manager geht davon aus, dass die kleinen Bauteile künftig überall im Alltag zu finden sein werden. „Marktforscher rechnen für 2023 mit sechs Milliarden Geräten, die über Sprachsteuerung verfügen“, so Urschitz. Das liege nicht zuletzt daran, dass die Chips immer zuverlässiger würden: „Unsere Mikrofone können Sprachbefehle auch aus größeren Distanzen sehr präzise erfassen.“

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Standort erkennen

    Infineon kombiniert die Mikrofone dazu mit weiteren Halbleitern, mit denen sich die Menschen aufspüren lassen. „Kameras will niemand im Raum haben. Unsere Radarchips sind dazu eine echte Alternative. Denn sie sehen nicht die individuelle Person, sondern erkennen nur die Bewegungsveränderung, messen Abstände oder Geschwindigkeiten.“ Die Nutzer können damit künftig auf Schlüsselwörter wie „Alexa“ verzichten, wenn sie mit den Maschinen reden. Denn die Apparate wissen, wenn sie angesprochen werden.

    Auf der Hauptversammlung Ende Februar kündigte Infineon-Chef Reinhard Ploss ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 50 Prozent allein mit den Miniaturmikrofonen an. Damit würde Deutschlands größter Halbleiterhersteller auf einen Umsatz von 300 Millionen Euro mit diesen Bauelementen kommen.

    Ob das angesichts der Coronakrise nun so eintritt, muss sich noch zeigen. Aber klar ist: Die sprachgesteuerten Assistenten werden immer wichtiger für die Münchner. Über die Kunden redet Infineon dabei nicht. In Branchenkreisen heißt es aber, einer der wichtigsten Umsatzbringer sei Apple mit seinen Airpods, also den kleinen weißen, drahtlosen Kopfhörern.

    Die Chancen sind tatsächlich gewaltig, vor allem im öffentlichen Raum. Denn wer will künftig noch auf Tastatur oder Bildschirm eines Fahrkartenautomaten drücken? Und auf die Knöpfe im Aufzug oder auch nur auf den Lichtschalter im Treppenhaus?

    Kontaktlos am Flughafen

    Durch die Pandemie ergeben sich ganz neue Einsatzmöglichkeiten, erste werden schon getestet. Die Fluggesellschart Etihad etwa hat gerade zusammen mit dem australischen Technologiepartner Elenium ein Gerät vorgestellt, um Reisende mit Coronavirus zu erkennen. Der Automat soll Infizierte am Flughafen heraus filtern, noch bevor die Passagiere Bordkarte bekommen oder Gepäck abgeben. Das gesamte System ist berührungsfrei, die Nutzer steuern es mit ihren Worten.

    Allerdings braucht es künftig womöglich nicht einmal mehr die Sprachsteuerung. Die Radarchips erfassen auch Gesten. Damit lässt sich heute schon der Wecker am Handy ausschalten, ohne es auch nur anzufassen. Eine Funktion, die Infineon-Chips unter anderem im Smartphone Pixel 4 von Google ermöglichen.

    Zu den wichtigsten Wettbewerbern auf diesem Feld gehören der französisch-italienische Halbleiterhersteller ST Microelectronics sowie die Chipsparte des Autozulieferers Bosch.

    Die neuen Anwendungen sind für Infineon auch strategisch hoch interessant. Denn PSS ist die mit Abstand profitabelste Sparte des Konzerns. Die operative Marge lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 23,9 Prozent. Das sind gut sieben Prozentpunkte über dem Schnitt des Unternehmens. Wachstum bei PSS ist für Infineon daher ganz besonders attraktiv.

    Der Umsatz der Division lag bei 2,45 Milliarden Euro, ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht 30 Prozent der gesamten Erlöse des Konzerns. Bis zum 1. April hieß der Bereich noch Power Management & Multimarket.

    Sprachsteuerung wird die Berührung ersetzen

    Mehr noch: Indem sich der Halbleiterhersteller solche Zukunftsfelder erschießt, wird er weniger abhängig vom Autogeschäft. Das steht momentan für mehr als 40 Prozent des Umsatzes, ist aber stark konjunkturabhängig und erwirtschaftet rund zwölf Prozentpunkte weniger Marge.

    So litt der Bereich vergangenes Jahr darunter, dass die Chinesen weniger Autos gekauft haben. Dieses Jahr dürfte der Fahrzeugabsatz wegen Corona weltweit einbrechen – und damit spuren in der Autodivision von Infineon hinterlassen. Die Experten von Bain rechnen damit, dass die Pkw-Verkäufe um knapp ein Drittel zurück gehen. So begründete Analyst Alexander Duval von Goldman Sachs vergangene Woche seine Herabstufung der Infineon-Aktien denn auch mit niedrigeren Stückzahlen im Autogeschäft.

    Infineon-Chips können aber nicht nur hören und sehen. Manche können auch fühlen. Drucksensoren zum Beispiel. Sie werden ebenfalls dafür sorgen, dass sich so mancher Griff bald erübrigen könnte. So zum Beispiel, um das Licht im Bürogebäude anzuschalten.

    Die Chips registrieren durch die Druckveränderung, wenn jemand einen Raum betritt. Das könnte im übrigen zudem dafür sorgen, dass Fehler bei der Sprachsteuerung vermieden werden. Denn die wurde mitunter schon betätigt, als im Hintergrund der Fernseher lief und ein Schlüsselwort genannt wurde. In Kombination mit einem Drucksensor würde der smarte Lautsprecher erkennen, dass kein Befehl einer Person vor Ort kam.

    Ob Herd, Kühlschrank oder Waschmaschine, Infineon-Manager Urschitz glaubt, dass es viele Schalter und Tastaturen bald nicht mehr braucht. „Sprachsteuerung bietet sich für sämtliche elektrischen Geräte im Haushalt an, die täglich genutzt werden.“ Und für viele Geräte außerhalb der eigenen vier Wände erst recht.
    Mehr: Infineons größte Übernahme ist perfekt

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