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Start-upsKlarna- und Spotify-Investor Creandum legt neuen Megafonds auf

Bei Creandum wird aus jedem sechsten Start-up ein Einhorn. Jetzt hat der internationale Geldgeber weitere 500 Millionen Euro eingesammelt. Viel davon dürfte in deutsche Jungfirmen fließen. Nadine Schimroszik 03.06.2024 - 10:12 Uhr
Simon Schmincke: Der Deutsche arbeitet seit acht Jahren bei dem schwedischen Investor Creandum. Foto: Creandum

Berlin. Der europäische Wagniskapitalgeber Creandum, der bereits Klarna und Trade Republic finanziert, hat Geld für weitere Investitionen eingesammelt. 500 Millionen Euro umfasst der neue Fonds, wie der Investor am Montag mitteilte. Geldtöpfe in dieser Größenordnung werden als Megafonds bezeichnet. Vor allem in Europa sind sie rar.

Creandum baut mit dem neuen Fonds noch mal seine Möglichkeiten aus. Denn der vorige Fonds, den der in Stockholm entstandene Investor 2022 auflegte, lag 50 Millionen Euro darunter. „Wir werden jetzt von fünf der acht größten US-Universitäten unterstützt. Damit sind wir unserer Erkenntnis nach alleine in der europäischen Venture-Capital-Landschaft“, sagte Creandum-Partner Simon Schmincke dem Handelsblatt. Mehr als die Hälfte des Fondskapitals komme aus den USA.

Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Stimmung in der Start-up-Branche aufhellt. Erst kürzlich hatte Accel bekannt gegeben, einen neuen Fonds über 650 Millionen Dollar aufgelegt zu haben.

Im vergangenen Jahr hatten es Wagniskapitalgeber (auf Englisch: Venture-Capitalists, VCs) noch schwer, ihre Investoren davon zu überzeugen, ihnen weiteres Geld für neue Beteiligungen zu geben. Laut dem Datendienst Pitchbook erhielten VCs in Europa nur noch 19 Milliarden Euro und damit knapp 38 Prozent weniger als im Vorjahr. 

Wegen der Wirtschaftsschwäche, Zinswende und fehlender Börsengänge gab es für Großkonzerne, staatliche Institutionen oder Pensionsfonds andere Möglichkeiten, hohe Renditen zu erwirtschaften. Einige sprachen in diesem Zusammenhang bereits von einem „Venture-Capital-Winter“.

Nun rechnen einige Experten damit, dass zeitnah europäische Technologieunternehmen an die Börse gehen werden. Aktiendebüts spülen Geld zurück in die Kassen der VCs und damit auch in die ihrer Kapitalgeber. Creandum dürfte dann mit Börsenkandidaten wie dem schwedischen Fintech Klarna, dem Firmenkarten-Anbieter Pleo und dem estnischen Mobility-Start-up Bolt ganz vorn mit dabei sein. Klarna hat inzwischen selbst mitgeteilt, an einem Börsengang zu arbeiten.

Geld auch für Dreamcraft

Nicht nur international tätigen Investoren wie Creandum und Accel ist es in diesem Umfeld gelungen, neue Fonds aufzulegen. Der im Vergleich deutlich kleinere dänische Wagniskapitalgeber Dreamcraft VC sammelte 66 Millionen Euro ein. Mit dem neuen Geld will sich Dreamcraft verstärkt auch in Deutschland engagieren.

„Das deutsche Ökosystem ist momentan für uns das interessanteste in Europa“, sagte Partner Carsten Salling. Er wolle nun eine Brücke zwischen den nordischen Ländern und Festlandeuropa bauen. Erst Mitte Mai hatte der schwedische VC Norrsken einen neuen Fonds über 320 Millionen Euro aufgelegt, um damit in Start-ups zu investieren, die sich mit Nachhaltigkeitsthemen auseinandersetzen.

Creandum ist seinen skandinavischen Wurzeln teils entwachsen. 2003 startete der VC mit einem Büro in Stockholm. Inzwischen sind weitere in London, Berlin und San Francisco dazugekommen und ist das Portfolio auf mehr als 120 Unternehmen gewachsen. Zu ihnen gehören auch der Musikdienst Spotify, die Shoppingplattform Depop und der französische Entwickler von KI-Modellen H, der in seiner jüngsten Finanzierungsrunde 220 Millionen Dollar erhalten hat. Seit Kurzem gehört auch die Karlsruher Firma Codesphere zum Creandum-Reich. Sie nahm im Mai rund 16 Millionen Euro bei Investoren ein.

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„Heute ist bereits jedes sechste der Start-ups, in die wir ganz früh investiert haben, zu einem Einhorn oder sogar Decacorn geworden", sagte Schmincke. Damit sind die Jungfirmen gemeint, die von Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar beziehungsweise mit mehr als zehn Milliarden Dollar bewertet werden. Sie bedeuten für ihre Geldgeber besonders hohe Renditen, wenn es zu einem Börsengang oder Exit kommt.

Diese Referenzen haben dafür gesorgt, dass Creandum auch für den neuen Megafonds keine Schwierigkeiten hatte, Geldgeber zu finden. Es sei sogar mehr Interesse vorhanden gewesen. Aber man habe den Fonds dann bei einer halben Milliarde gekappt. „Wir passen die Größe unseres Fonds nicht an, um mehr Verwaltungsgebühren einzunehmen, sondern um die besten Erträge zu erzielen. Die Finanzierungsrunden sind in den vergangenen Jahren immer höher geworden“, sagte Schmincke. 

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Ein großer Teil der neuen Gelder dürfte in Start-ups im deutschsprachigen Raum fließen: 30 Prozent der Creandum-Deals hätten in den vergangenen Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattgefunden, sagt Schmincke. „Das war nicht geplant, spiegelt aber wider, wie zuversichtlich wir für diese Region sind.“

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