Technologie: Chipaktien unter Druck: Samsung und AMD enttäuschen die Anleger
Das Geschäft des kalifornischen Chipanbieters läuft deutlich schlechter als erwartet.
Foto: ReutersMünchen. Erst Micron, nun AMD und Samsung: Immer mehr große Chiphersteller warnen vor einem unerwartet schlechten Geschäftsverlauf – und sorgen damit für einen Ausverkauf der Halbleiterwerte an der Börse.
Dass der Chip-Boom eines Tages zu Ende gehen würde, war klar. Doch nun brechen die Verkäufe in einem Tempo ein, das Firmen und Investoren gleichermaßen überrascht. In der Nacht auf Freitag teilte AMD mit, dass der Umsatz im dritten Quartal rund 15 Prozent geringer ausgefallen sei als im Sommer vorhergesagt.
Statt 6,7 Milliarden Dollar verbuchte der US-Konzern lediglich Erlöse von 5,6 Milliarden. Der Intel-Rivale hat sich auf Prozessoren spezialisiert, die Gehirne der Rechner. „Die makroökonomischen Bedingungen führten zu einer niedriger als erwarteten PC-Nachfrage und einer signifikanten Bestandskorrektur“, sagte Vorstandschefin Lisa Su.
Anleger trennen sich von AMD-Aktien
Die Anleger warfen deshalb zum Wochenschluss massenhaft AMD-Aktien aus ihren Depots. Im vorbörslichen Handel in New York gab der Kurs am Freitag um rund fünf Prozent nach. Im Sog von AMD gehörte der deutsche Chipkonzern Infineon zu den Verlierern im Dax. Die Papiere lagen zur Mittagszeit knapp ein Prozent im Minus bei rund 25,40 Euro.
Enttäuschend sind auch die Zahlen von Samsung Electronics, dem größten Chipkonzern der Welt. Der Betriebsgewinn im dritten Quartal sei um knapp ein Drittel auf 7,7 Milliarden Dollar eingebrochen, berichteten die Südkoreaner am Freitag. Auch der Umsatz liege unter den eigenen Erwartungen. Es ist das erste Mal seit 2019, dass der Überschuss sinkt.
Samsung ist zwar in vielen Geschäftsfeldern tätig, unter anderem bei Smartphones. Zuletzt erwirtschaftete der Konzern aber den weitaus größten Teil des Gewinns mit Speicherchips.
Vergangene Woche hatten bereits die Speicherchip-Spezialisten Micron und Kioxia von deutlich schwächeren Geschäften berichtet und gleichzeitig angekündigt, deutlich weniger zu produzieren und auch zu investieren.
Der gewaltige Aufschwung der vergangenen zweieinhalb Jahre in der Chipindustrie ist damit vorüber. In den Lagern der Elektronikhersteller stapeln sich vor allem Speicherchips und Prozessoren. Die weltweit hohe Inflation dämpfe die Nachfrage nach PCs und Laptops, so die Marktforscher von Trendforce. Sie rechnen für die weit verbreiteten, sogenannten DRAM-Speicherchips mit einem Preisverfall von 13 bis 18 Prozent im vierten Quartal.
Infineon teilt seine Chips den Kunden zu
Allerdings ist die Lage nicht überall so düster wie bei AMD und Samsung. Das Wohl und Wehe hängt ganz am Sortiment. Der weltgrößte Auftragsfertiger TSMC übertraf im dritten Quartal sogar leicht die Erwartungen der Analysten. So ist der Umsatz der Taiwaner im dritten Quartal um 48 Prozent auf 19,4 Milliarden Dollar in die Höhe geschossen.
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TSMC beliefert fast alle großen Chiphersteller der Welt und deckt damit ein breites Spektrum an Halbleiterkategorien ab. Größter Kunde ist Apple. Gleichwohl, die Aktien von TSMC verloren am Freitag nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen 2,9 Prozent an der Börse in Taipei.
Auch beim deutschen Chiphersteller Infineon heißt es, dass zahlreiche Produkte nach wie vor den Kunden zugeteilt werden müssten, weil die Kapazitäten knapp sind und die Nachfrage anhaltend hoch ist. Dies betreffe unter anderem Halbleiter für Elektroautos. Die Münchener haben ihre Prognose bereits in dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr mehrmals nach oben geschraubt.