Technologie: iPhone-Produzent Foxconn baut für 20 Milliarden Dollar Chipfabrik in Indien
Der Taiwaner Konzern plant ein riesiges neues Chipwerk in Indien.
Foto: Bloomberg/Getty ImagesMünchen. Der iPhone-Produzent Foxconn und der indische Konzern Vedanta investieren gemeinsam knapp 20 Milliarden Dollar in einen komplett neuen Chipstandort. Die Partner bauen im indischen Bundesstaat Gujarat eine Halbleiterfabrik und Werke für das Verpacken und Testen der Bauelemente. Zudem sei eine Bildschirmproduktion geplant, wie die Unternehmen am Dienstag mitteilten.
Für die von Lieferengpässen geplagten Kunden der Chipindustrie ist das eine gute Nachricht. Denn an dem neuen Standort sollen Halbleiter reifer Technologiegenerationen mit einer sogenannten Strukturgröße von 28 Nanometern entstehen. Genau diese Bauteile fehlen der deutschen Industrie seit mehr als zwei Jahren. Zudem stammen aktuell viele dieser Chips aus China, was angesichts der Lockdowns in dem Land sowie der politischen Spannungen mit der Volksrepublik im Westen zunehmend als Risiko wahrgenommen wird.
Indien bemüht sich seit Jahrzehnten um eine eigene Chipproduktion – bislang weitgehend erfolglos. Mit massiven staatlichen Zuschüssen ist es dem Land nun erstmals gelungen, Investoren für eine Fertigung in großem Stil zu finden. Die Serienproduktion solle in zwei Jahren beginnen, 100.000 Stellen sollen entstehen, erklärte Vedanta-Chairman Anil Agarwal am Dienstag. „Indiens Silicon Valley rückt einen Schritt näher“, schrieb der Milliardär auf Twitter.
Indien zieht Investoren mit Milliardensubventionen an
Der Taiwaner Konzern Foxconn soll technologische Expertise einbringen, die Finanzierung übernimmt größtenteils das Konglomerat Vedanta. Allerdings spielt Foxconn in der Halbleiterindustrie bislang vor allem als Kunde eine Rolle: Die Chips für die iPhones kommen bislang vom ebenfalls in Taiwan sitzenden Technologieführer TSMC, Foxconn baut die Geräte dann zusammen, die Apple entwickelt und vertreibt.
Die indische Regierung hatte im Dezember ein zehn Milliarden Dollar schweres Subventionsprogramm angekündigt. Davon dürfte das Projekt profitieren. Politiker weltweit drängen derzeit die Chipfirmen, im eigenen Land zu produzieren und damit die seit mehr als zwei Jahren andauernden Lieferengpässe künftig zu vermeiden. Die Nummer zwei der Chipbranche, Intel, hat bereits öffentlich geförderte Milliardeninvestitionen in Europa und den USA auf den Weg gebracht.
In Indien sollen unterdessen noch zwei weitere Chipwerke entstehen: Das Konsortium ISMC will im Bundesstaat Karnataka drei Milliarden Dollar in den Aufbau einer Fabrik investieren, wie die örtliche Regierung Anfang Mai ankündigte. Das Vorhaben soll 1500 Jobs schaffen. Ebenso viele Arbeitsplätze will IGSS aus Singapur im Bundesstaat Tamil Nadu aufbauen und dabei 3,5 Milliarden Dollar für einen neuen Chipstandort ausgeben.
„Halbleiter spielen in der Welt eine Schlüsselrolle“, erklärte Indiens Premier Modi Ende April bei einer Branchenkonferenz. Die Regierung schätzt, dass der Chipmarkt in Indien bis 2026 auf ein Volumen von 63 Milliarden Dollar wachsen wird – von 15 Milliarden Dollar im Jahr 2020.