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TechnologieKopf-an-Kopf-Rennen an der Börse: Diese drei Punkte sprechen für Microsoft

Für kurze Zeit war der Windows-Konzern an der Börse mehr wert als Apple. Mittelfristig dürfte Microsoft aber die Nase vorn haben. Dahinter steckt Strategie von Vorstandschef Satya Nadella.Stephan Scheuer, Thomas Jahn 12.01.2024 - 13:26 Uhr aktualisiert

San Francisco, Düsseldorf. Microsoft ist an der Börse Weltspitze. Zumindest für einen kurzen Moment zog das Unternehmen am Donnerstag an Apple als global wertvollstem Konzern an den Aktienmärkten vorbei. Wenige Stunden später hatte Apple mit einem Börsenwert von knapp 2,9 Billionen Dollar die Nase wieder vorn. 

Mittelfristig wird Microsoft den Titel aber wohl dauerhaft für sich beanspruchen können. Der Software-Konzern wächst stärker, dazu spielt ihm der KI-Boom durch die enge Kooperation mit dem ChatGPT-Entwickler OpenAI in die Hände. Analyst Gil Luria von D.A. Davidson hält es für „unvermeidlich“, dass Microsoft Apple in der Marktkapitalisierung überholen wird.

Der iPhone-Hersteller hat mit Problemen zu kämpfen. Erst am Mittwoch stuften drei Analysten aufgrund schwacher iPhone-Verkäufe die Aktie herunter. Vor allem im wichtigen Markt China geht laut Analyst Tim Long von Barclays die Nachfrage nach dem iPhone 15 zurück.

Analyst James Cordwell von Redburn Atlantic sieht in den kommenden Jahren für die Apple-Aktie nur wenig Potenzial. Auch das zu erwartende schwache Auftaktquartal 2024 könne „das Vertrauen beeinflussen".

Microsoft: Künstliche Intelligenz befeuert Wachstum

Ganz anderes ist die Expertenstimmung bei Microsoft. Ganze 90 Prozent der Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Der Optimismus speist sich vor allem aus dem Wachstum des wichtigen Cloud-Geschäfts Azure, das auch durch Künstliche Intelligenz (KI) angetrieben wird.

Im jüngsten Quartal setzte Microsoft damit 24,3 Milliarden Dollar um, während Analysten nur mit 23,6 Miliarden Dollar gerechnet hatten. Insgesamt stiegen die Erlöse um 29 Prozent. Die KI-Dienste trugen nach Konzernangaben drei Prozentpunkte bei.

Hinter diesem Erfolg steht vor allem eine Person: Konzernchef Satya Nadella. Zehn Jahre steht der Manager an der Spitze des US-Technologieunternehmens. Bei seiner Amtsübernahme 2014 hatte Microsoft mit Problemen zu kämpfen. Das Unternehmen hatte zwar mit dem Betriebssystem Windows PCs in nahezu jeden Haushalt gebracht. Danach hatte die Firma jedoch etliche Trends verschlafen.

Unter Nadellas Vorgänger Steve Ballmer herrschte eine destruktive Konkurrenzkultur im Unternehmen. Ballmer war für seine Wutausbrüche bekannt, bei denen er auch schon mal Gegenstände durch die Konferenzräume schleuderte. Nadella etablierte einen neuen Führungsstil, der sich durch drei zentrale Elemente auszeichnet.

1. Von Anfang an harte Entscheidungen getroffen

Der in Indien geborene Manager war angetreten, um Microsoft einen neuen Fokus zu geben. Teil des Kurswechsels waren Massenentlassungen, wie es sie bei Microsoft noch nie gegeben hatte. Im ersten Jahr unter Nadella wurden 18.000 Jobs gestrichen. Im Jahr darauf fielen rund 8000 weitere Jobs weg.

Nadella schrieb die unter Ballmer zugekaufte Mobilfunksparte Nokia komplett ab, die Ballmer im Vorjahr für 7,2 Milliarden Dollar zugekauft hatte.

2. Neues „Growth Mindset“ eingeführt

Anstatt der lange bei Microsoft üblichen Überheblichkeit verordnete Nadella sich, seinen Führungskräften und der gesamten Belegschaft eine neue Unternehmenskultur. Er stellte das Konzept „Growth Mindset“ ins Zentrum. Es wurde von Psychologieprofessorin Carol Dweck entwickelt und basiert darauf, eigene Emotionen und Einstellungen immer wieder zu hinterfragen und stets bereit zu sein, neue Wege zu beschreiten.

3. Zukunftsbereiche entschieden forciert

Zu Nadellas wegweisenden Entscheidungen zählte vor allem die Wette auf das KI-Start-up OpenAI. Obwohl Microsofts Forschungsabteilung von Microsoft seit Jahrzehnten eigene KI-Modelle entwickelt hatte, erkannte der Managerdas Potenzial des bis dahin weitgehend unbekannten Start-ups aus San Francisco.

Nadella investierte Milliarden in das Jungunternehmen. Als dessen Technik sich dann als besonders vielversprechend erwies, stellte er die Strukturen bei Microsoft um. Heute gilt ChatGPT von OpenAI als bester KI-Chatbot der Welt, und Microsoft baut die Technik dahinter als „Co-Pilot“ in fast jedes seiner Produkte ein.

Das Warten auf KI bei Apple

Die Hoffnung von Nadella ist, dass dieser Fokus von KI sein Unternehmen noch erfolgreicher machen wird. Erste Ergebnisse im Cloudgeschäft scheinen ihm recht zu geben. Ein großer Schub bei Umsatz und Gewinn steht aber noch aus. Sollte dieser bald kommen, könnte Microsoft an der Börse schon bald mehr als drei Billionen Dollar wert sein – und dann für längere Zeit an Apple vorbeiziehen.

Allerdings schreiben nicht alle Experten Apple ab. Erik Woodring von Morgan Stanley macht sich große Hoffnungen für Apple in diesem Jahr. Zwar habe der iPhone-Konzern bislang noch keine größere KI-Projekte veröffentlicht. Aber das werde sich 2024 ändern und dem Kurs neues Leben einhauchen.

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Wann Apple KI-Neuerungen bekannt gibt, ist unklar. Aber wahrscheinlichsten wären die Entwicklerkonferenz im Juni oder die Präsentation neuer Produkte im September. Bis dahin aber gibt selbst Optimist Woodring zu, dass es zu „Unebenheiten“ in Apples Geschäft kommen könnte. 

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