Telekommunikation: Deutsche Telekom hebt erneut Ziele an – Aktie im Minus
Düsseldorf. Prognose hoch, Aktienkurs runter: Die Deutsche Telekom hat nach einem überraschend kräftigen Gewinnplus die Ziele für das laufende Jahr ein weiteres Mal leicht angehoben. „Wir sehen auch im zweiten Quartal ein starkes Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks“, sagte Konzernchef Tim Höttges am Donnerstag.
Ein möglicher Grund für die Skepsis: In Deutschland – zweitwichtigster Markt nach den USA – bekam der Marktführer die scharfe Konkurrenz zu spüren. Robert Grindle, Analyst bei der Deutschen Bank, urteilte in einer ersten Einschätzung: „Das Unternehmen ist auf gutem Weg, seine Jahresziele zu erreichen – allerdings könnten die schwächeren Kennzahlen im deutschen Geschäft heute auf die Stimmung drücken.“
Dabei übertraf die Telekom bei wichtigen Kennzahlen den Konsens der Analysten. Im Berichtszeitraum stieg der Umsatz des Bonner Konzerns währungsbereinigt um vier Prozent auf 28,7 Milliarden Euro, der operative Gewinn um fünf Prozent auf elf Milliarden Euro.
Der freie Finanzüberschuss (Free Cashflow) schrumpfte zwar um knapp sieben Prozent, lag mit 4,88 Milliarden Euro aber ebenfalls über den Markterwartungen. Das Unternehmen verwies auf übliche Schwankungen.
Die aktualisierte Prognose spiegelt vor allem den Geschäftsverlauf von T-Mobile US wider, an der die Deutsche Telekom gut 52 Prozent der Anteile hält: Die amerikanische Tochterfirma steuert knapp zwei Drittel zum Umsatz bei und ist auch für die Börsenbewertung maßgeblich.
T-Mobile hatte vor einigen Wochen seine Ziele für das Kundenwachstum 2025 angehoben. Es übertraf mit einem Plus von netto 1,7 Millionen Mobilfunkkunden die Erwartungen der Finanzanalysten, zudem gewann das Unternehmen rund 450.000 Haushalte für seine Breitband-Internetanschlüsse.
Damit steigerte T-Mobile den Umsatz um knapp sieben Prozent auf 21 Milliarden Dollar, den Nettogewinn um zehn Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Das Management um Vorstandschef Mike Sievert hob bereits vor zwei Wochen die Prognose für Gewinn und freien Cashflow leicht an.
Belastung durch schwachen Dollar
Allerdings belastet die Entwicklung des Dollar-Kurses die Geschäftszahlen der Deutschen Telekom, zumindest auf dem Papier. Für die Zwischenbilanz werden die Umsätze und Gewinne von T-Mobile zu einem ungünstigen Verhältnis umgerechnet und bilanziert: Ende Februar kostete der Euro noch rund 1,05 Dollar, aktuell sind es 1,17 Dollar – eine Aufwertung um 14 Prozent.
Der buchhalterische Effekt: Ohne Bereinigung stiegen Umsatz und bereinigter Gewinn um lediglich rund ein Prozent.
Anders als etwa häufig in der Industrie entsteht die Wertschöpfung der Telekommunikationsbranche jedoch lokal. Es gebe weder Warenbewegungen noch Zahlungsströme zwischen Konzern und Landesgesellschaft, erklärte die Telekom. Die Umrechnung habe daher keine direkten materiellen Auswirkungen auf das Geschäft.
In Deutschland gewann die Telekom ebenfalls Kunden hinzu, allerdings in deutlich geringerem Ausmaß – der Wettbewerb auf dem zweitwichtigsten Markt gilt als intensiv.
Im Mobilfunkgeschäft zählte der Dax-Konzern 185.000 zusätzliche Vertragskunden, weniger als in den Vorquartalen – hauptsächlich durch den Wechsel eines Großkunden zur Konkurrenz. Das Management sieht aber einen positiven Effekt durch die „Unlimited“-Tarife, durch die beispielsweise Familien mit mehreren Anschlüssen Vergünstigungen erhalten.
Im Festnetz gewann die Telekom 137.000 Glasfaserverträge hinzu. Im Breitbandmarkt verlor der Konzern jedoch 20.000 Anschlüsse. Telekom-Finanzchef Christian Illek verwies auf den „anhaltend starken Wettbewerb“. In diesem Umfeld konzentriere sich der Konzern auf hochwertige Kunden, der durchschnittliche Umsatz pro Vertrag sei auf Jahressicht um 3,5 Prozent gestiegen.
Um die Kundenabwanderung zu bremsen, will die Telekom gezielt gegensteuern: Finanzvorstand Illek kündigte „gezielte Maßnahmen zur Kundenbindung“ sowie eine regionale Preisgestaltung an – je nach Wettbewerbssituation. Zudem vermarktet der Konzern einen Hybridtarif, bei dem der Festnetzanschluss durch eine 5G-Mobilfunkverbindung beschleunigt wird.
Analysten zeigen sich weiterhin optimistisch für die Telekom
Analysten sehen die T-Aktie weiterhin positiv. Polo Tang, Analyst bei der Großbank UBS, urteilte: „Während der deutsche Mobilfunkmarkt weiterhin wettbewerbsintensiv ist, übertrifft die Deutsche Telekom weiterhin die Erwartungen, und der Breitbandmarkt bleibt rational.“
Trotz der Kursverluste am Donnerstag dürfte es weiter Potenzial für die T-Aktie geben, die meisten Analysten empfehlen sie zum Kauf. UBS etwa verwies darauf, dass der Konzern in den USA von niedrigeren Steuern sowie dem Ausbau des Glasfasergeschäfts profitieren könnte. In Deutschland könnte das Infrastrukturpaket der Bundesregierung für zusätzlichen Umsatz sorgen.
