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Aleph AlphaAndrulis’ neuer Masterplan – Ein Betriebssystem für KI

Aleph Alpha kündigt sein neues KI-Modell Pharia-1 an. Das steht allerdings nicht mehr im Mittelpunkt der Strategie. Das Start-up plant Größeres – und steht vor neuen Herausforderungen.Larissa Holzki, Christof Kerkmann 27.08.2024 - 14:44 Uhr Artikel anhören
Jonas Andrulis: Der Chef von Aleph Alpha will künftig eine KI-Komplettlösung anbieten. Foto: Philipp Maurice Föll

Düsseldorf. Deutschlands führendes Unternehmen im Rennen um Künstliche Intelligenz (KI) hat am Montag sein lang erwartetes neues Modell vorgestellt. Pharia-1 von Aleph Alpha soll vor allem bei Anwendungen in Unternehmen und der Verwaltung mit den Angeboten internationaler Konkurrenten mithalten.

Wegen Verzögerungen bei der Entwicklung waren die Zweifel an dem Unternehmen zuletzt gewachsen, die Technologie wies zuletzt eine deutliche Lücke zur Konkurrenz auf. Firmenchef Jonas Andrulis stellte am Montag jedoch nicht nur ein neues Modell, sondern gleich eine neue Strategie vor: Eigene KI-Modelle wie Pharia-1 sollen künftig nur noch ein kleiner Baustein im Angebot seiner Firma sein.

Mit Blick auf den heftigen Wettbewerb mit Anbietern wie OpenAI, Cohere und Anthropic hat Aleph Alpha die Ausrichtung geändert. „Wir bieten künftig eine komplett souveräne Umgebung, in der man generative KI entwickeln und betreiben kann“, sagte Jonas Andrulis dem Handelsblatt.

Das Unternehmen hat also den Fokus von der Entwicklung der Basistechnologie auf die Anwendung verlagert. Andrulis’ Begründung: Ein Sprachmodell allein sei kein Geschäftsmodell.

Investoren scheinen das ähnlich zu sehen: Kritische Fragen nach der Rentabilität der horrenden Investitionen in die neue Technologie KI häufen sich, Warnungen vor einer Blase gehen um. Denn die Entwicklung von großen Basismodellen, die Texte, Bilder oder Computercode erzeugen können, kostet Hunderte Millionen Dollar. Zugleich haben die Unternehmen jedoch bisher kaum Wege gefunden, mit ihrem Angebot auch Geld zu verdienen.

Auch bei der neuen Lösung hat Aleph Alpha indes mächtige Konkurrenz: So integrieren mittlerweile die großen Cloudanbieter – insbesondere Amazon Web Services (AWS), Microsoft und Google – Funktionen für Entwicklung und Betrieb von KI-Anwendungen in ihre Plattformen. Softwarehersteller wie IBM wiederum bieten Lösungen für die Verwaltung von IT-Ressourcen an, ob im eigenen Rechenzentrum oder bei einem der Hyperscaler.

Aus Sicht von Jonas Andrulis bietet Aleph Alpha aber einen Vorteil: Unternehmen vermeiden mit der Software aus Heidelberg einen „Lock-in“, also die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern. Das soll dafür sorgen, dass die Kunden zukunftssicher sind.

Ein Leuchtturm in schwierigen Gewässern

Die neue Komplettlösung von Aleph Alpha heißt Pharia AI – in Anlehnung an den ersten historisch überlieferten Leuchtturm auf der Mittelmeer-Insel Pharos, der Schiffen in der Antike den Weg durch schwierige Gewässer zeigte. Dieses Paket beinhaltet mehrere Komponenten:

  1. Technische Grundlage ist das Betriebssystem Pharia OS. Unternehmen sollen damit die Infrastruktur managen können, die sie für das Training und den Betrieb generativer KI benötigen. Das können die großen Cloudplattformen sein, aber auch ein eigenes Rechenzentrum.
  2. Mit der Entwicklungsumgebung Pharia Studio erstellen Programmierer Anwendungen. Dazu zählen etwa Assistenten für Wissensarbeiter, die Inhalte zusammenfassen, Fragen beantworten oder Texte übersetzen. Wichtig: Unternehmen können Daten aus der eigenen Organisation einbinden.
  3. Die Funktion Pharia Catch soll es erleichtern, menschliches Wissen in die Maschine zu übertragen. Wenn das KI-System etwa Widersprüche in den Dokumenten des Unternehmens entdeckt, fordert es eine Erklärung des Nutzers. Aleph Alpha sieht darin eine Möglichkeit, Fehler zu minimieren.

Zusammengenommen handelt es sich also um eine Art Betriebssystem. Und so wie auf Windows, Mac OS oder Linux verschiedene Programme laufen, eignet sich Pharia AI für verschiedene Sprachmodelle: Unternehmen können je nach Anwendungsfall entscheiden, ob sie das Modell von Aleph Alpha nutzen oder von Anbietern wie OpenAI, Meta oder Mistral.

Neues Sprachmodell „Weltspitze“ bei Transparenz

Damit reagiert Aleph Alpha einerseits darauf, dass die Technologie zunehmend austauschbar ist. Obwohl die Entwicklung von Basismodellen enorme Summen verschlingt, haben die führenden Anbieter mit Produktverbesserungen nur noch einige Wochen Vorsprung vor der Konkurrenz. Zugleich können Kunden lizenzfrei auf etliche leistungsfähige Modelle zugreifen.

Andererseits, so sagte am Montag Aleph-Alpha-Produktchef Christopher Kränzler, ließen sich mit Sprachmodellen allein keine komplexen Geschäftsprobleme lösen. Das Unternehmen will deshalb mit Partnern und Kunden Pharia AI für einzelne Branchen und Aufgaben anpassen. Erste Beispiele gibt es in der öffentlichen Verwaltung, im Bereich Compliance und in der Autoindustrie.

Trotz der neuen Ausrichtung hat Aleph Alpha auch ein kleines neues Basismodell entwickelt. Pharia-1 ist nach Angaben des Unternehmens etwa mit Llama 3.1 aus dem Facebook-Konzern Meta und Mistral 7B des gleichnamigen französischen Entwicklers vergleichbar. Unabhängig überprüfen ließ sich das zunächst nicht.

Stärken in Maschinenbau und Verwaltung

Laut firmeneigenen Auswertungen gibt Pharia-1 vergleichsweise „kurze und präzise Antworten“, sagte Andrulis. Stärken lägen vor allem bei deutschsprachigen Antworten in den Bereichen Verwaltung und Maschinenbau. Das sei keine Garantie, dass das Aleph-Alpha-Modell für alle Anwendungen auf diesen Gebieten das beste sei. „Wo wir wirklich Weltspitze sind, ist das Thema Transparenz“, sagte der Unternehmer.

Das neue Modell werde unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht, sodass Entwickler es für eigene Zwecke anpassen und bei nicht kommerzieller Nutzung kostenlos verwenden können. In der Model Card, einer Art Gebrauchsanweisung für KI-Modelle, veröffentliche Aleph Alpha neben dem Modell und den sogenannten Gewichten auch den Trainingscode.

Zudem habe Aleph Alpha die Anforderungen des deutschen und europäischen Rechtsrahmens „überpeinlich verfolgt“. Der Unternehmer versicherte: „Wem Compliance insbesondere mit dem AI Act wichtig ist, der hat bei uns mit die beste Wahl.“

Aleph Alpha will mit der Entwicklung eigener Modelle sicherstellen, dass Kunden jederzeit Zugriff auf zentrale Technologien haben – für Andrulis ein Aspekt der digitalen Souveränität. Zugleich geht es um die eigenen technologischen Fähigkeiten. Der Gründer betonte: „Innovationen sind nicht möglich, wenn man die Technologie nicht versteht.“

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All das ist eine Vision. Vollständig entwickelt ist das neue Betriebssystem noch nicht. Es gebe einen „kleinen, stabilen Kern“, sagte Andrulis. Die Software komme bereits zum Einsatz, etwa in F13, einem digitalen Assistenten für die öffentliche Verwaltung. Etliche Komponenten seien aber noch in der Entwicklungs- oder Testphase. Das Start-up wird in den nächsten Monaten beweisen müssen, dass es dieses Konzept zur Reife bringen kann.

Erstpublikation: 26.08.2024, 15:49 Uhr.

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