ChatGPT-Entwickler: OpenAI lässt Musk mit Kaufangebot abblitzen
San Francisco. Der ChatGPT-Erfinder OpenAI hat das fast 100 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot von Elon Musk abgeschmettert. Der Verwaltungsrat des KI-Start-ups habe sich einstimmig dagegen ausgesprochen, teilte OpenAI-Chef Sam Altman mit. „OpenAI steht nicht zum Verkauf“, schrieb er bei Musks Online-Plattform X.
Eine von Tech-Milliardär Elon Musk angeführte Investorengruppe hatte die Offerte in Höhe von 97,4 Milliarden Dollar (aktuell 92,8 Milliarden Euro) Anfang der Woche bekanntgegeben. Altman kritisierte es gleich als Versuch, einen Konkurrenten auszubremsen. Musk, der einst unter den Gründern von OpenAI war, hat inzwischen die eigene KI-Firma xAI.
OpenAI ist gerade dabei, die Struktur zu ändern und sich in ein gewinnorientiertes Unternehmen umzuwandeln. Musk führt bereits einen Kampf gegen das Start-up vor Gericht, um das zu verhindern. Dort behauptet er unter anderem, er sei bei seinem Ausscheiden betrogen worden.
Die Investorengruppe bietet für die Non-Profit-Organisation, die bisher OpenAI kontrolliert. Ursprünglich wurde als Ziel von OpenAI ausgegeben, Künstliche Intelligenz zum Wohle der Menschheit zu entwickeln. Altman hatte 2019 auch eine auf Profit ausgerichtete Tochterfirma gegründet, um Geld von Investoren wie Microsoft einzusammeln. Nun soll OpenAI insgesamt als Unternehmen auf Gewinn ausgerichtet werden. Einige frühere Mitarbeiter warnen, dass dieser Schritt die Risiken bei der KI-Entwicklung verstärken könne.
Auch wenn OpenAI Musks Avancen zurückwies, macht sein Vorstoß den Umbau trotzdem komplizierter. Denn die Non-Profit-Organisation soll im Zuge des Umbaus eine Beteiligung an dem gewinnorientierten OpenAI bekommen. Verhandlungen dazu unter anderem mit frühen Investoren des Start-ups wie Microsoft laufen derzeit. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass es ein Anteil von 25 Prozent werden könnte.
Mit seinem 97-Milliarden-Dollar-Gebot setzte Musk nun eine hohe Messlatte für den Wert der Non-Profit-Organisation, die OpenAI schlecht unterschreiten kann. Laut einem Bericht der Zeitung „Financial Times“, der sich auf Insider bezieht, wurde bei OpenAI bisher ein Preis von 30 Milliarden Dollar für den Non-Profit-Teil diskutiert – also deutlich weniger.
Klagewelle gegen OpenAI
Musk führt bereits seit Längerem mehrere Klagen und Verbalattacken gegen das Unternehmen, bei denen es vor allem um dessen Geschäftsmodell geht. Am Montag hatte er OpenAI-Chef Sam Altman auf seiner Kurznachrichtenplattform X scharf attackiert: Dieser sei ein „Schwindler“. Altman habe den ursprünglichen Geschäftszweck von OpenAI, KI quelloffen („Open Source“) zum Nutzen der Menschheit zu bauen, insgeheim abgeändert und das Unternehmen auf Profit getrimmt, so Musks Argumentation.
Eine OpenAI-Sprecherin hatte auf Handelsblatt-Anfrage auf einen Kommentar Altmans auf X verwiesen. Dort hatte der OpenAI-Chef spöttisch reagiert: „Nein danke, aber wir werden Twitter für 9,74 Milliarden Dollar kaufen, wenn ihr wollt.“ Das war offenbar als Scherz gemeint: Musk hatte Twitter (heute X) 2022 für rund 44 Milliarden Dollar übernommen.
Klar ist: Musk handelt nicht uneigennützig. 2023 hatte er sein eigenes KI-Start-up xAI gegründet, das im direkten Wettbewerb zu OpenAI steht. xAI hat im Dezember sechs Milliarden Dollar frisches Kapital eingesammelt und wird laut Medienberichten nun mit mehr als 50 Milliarden Dollar bewertet. Sein Wert hätte sich damit innerhalb eines halben Jahres verdoppelt, läge jedoch weiter deutlich hinter dem von OpenAI.
Beobachter im Silicon Valley sehen in dem Streit „ein großes Muskelspiel“ um das beste KI-Geschäftsmodell, sagte etwa der Chef des Cloud-Unternehmens Civo, Mark Boost, dem Handelsblatt. Beim „öffentlichen Grabenkampf“ Musk gegen Altman gehe es auch um die Frage, ob quelloffene oder geschlossene KI-Modelle am zukunftsträchtigsten seien.
OpenAIs Textroboter ChatGPT hatte vor gut zwei Jahren einen wahren Hype rund um KI ausgelöst. Am Tag nach der Amtseinführung von Präsident Donald Trump trat Altman im Weißen Haus auf, um seinen sogenannten „Stargate“-Plan vorzustellen, der in den kommenden vier Jahren Investitionen von bis zu 500 Milliarden Dollar in US-Rechenzentren vorsieht. Musk war trotz seiner engen Beziehung zu Trump nicht zugegen.
Vor gut einer Woche kündigte OpenAI dann die Eröffnung eines neuen Büros in München an.
Mit Material von dpa.