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Künstliche IntelligenzMusks Milliardengebot verkompliziert OpenAIs Wandel

Der Hersteller von ChatGPT hat gemeinnützige Wurzeln, soll aber nach dem Willen von dessen CEO Sam Altman künftig gewinnorientiert arbeiten. Dafür gibt es einige Hürden. 17.02.2025 - 09:13 Uhr Artikel anhören
Bislang hat OpenAI-Chef Sam Altman das Übernahmeangebot von Konkurrent Elon Musk zurückgewiesen. Foto: AFP

Paris. OpenAI-Chef Sam Altman hat ein Übernahmeangebot von Konkurrent Elon Musk in Höhe von 97,4 Milliarden Dollar (93,9 Milliarden Euro) für das Unternehmen zurückgewiesen. Doch das unerbetene Angebot könnte Altmans Vorhaben erschweren, den Hersteller von ChatGPT in ein gewinnorientiertes Unternehmen umzuwandeln. „Wir stehen nicht zum Verkauf“, betonte Altman am Dienstag auf einem Gipfel für künstliche Intelligenz in Paris. Musks Anwälte erklärten am Mittwoch in einem Antrag vor Gericht, die vom Milliardär angeführte Investorengruppe werde ihr Angebot zurückziehen, wenn OpenAI gemeinnützig bleibe.

Das am Montag bekannt gegebene Angebot ist die jüngste Entwicklung in einem seit Jahren geführten erbitterten Kampf zwischen Altman und Musk um die Kontrolle über das KI-Startup, das beide vor zehn Jahren als gemeinnützige Organisation mitbegründet haben und das heute eine führende Kraft inmitten des weltweiten Booms der generativen KI-Technologie ist.

Seit seiner Gründung 2015 ist es das erklärte Ziel von OpenAI, auf sichere Weise eine futuristische KI zu entwickeln, die besser als der Mensch ist und als künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) bezeichnet wird. „OpenAI hat eine Mission“, sagte Altman bei einer Diskussion auf der Konferenzbühne in Paris. „Wir sind eine ungewöhnliche Organisation und wir haben die Mission, AGI zum Nutzen der gesamten Menschheit einzusetzen.“

Musk, ein früher Investor und einst Vorstandsmitglied, verließ OpenAI 2018 nach einem internen Machtkampf, den Altman gewonnen hatte. Ihre öffentliche Fehde ist im vergangenen Jahr eskaliert: Musk verklagte OpenAI und arbeitet daran, sein eigenes KI-Unternehmen xAI aufzubauen. Es ist Teil eines Geschäftsimperiums, zu dem auch Tesla, SpaceX und die Online-Plattform X gehören (ehemals Twitter). Musk ist inzwischen auch ein Top-Berater von Präsident Donald Trump zur Umgestaltung der US-Regierung und hat OpenAIs von Trump unterstütztes privates Investitionsprojekt für den Bau von KI-Rechenzentren in den USA öffentlich in Frage gestellt.

Das Übernahmeangebot erschwert den Plan von OpenAI, seine Struktur weg von seinen gemeinnützigen Wurzeln hin zu einem Unternehmen zu ändern, das Aktionären verpflichtet ist. Der gemeinnützige Verwaltungsrat von OpenAI wird Musks Angebot prüfen müssen; es ist nicht Altman allein, der es annehmen oder ablehnen kann. Der Verwaltungsratsvorsitzende Bret Taylor stützte indes Altmans Ansatz und erklärte bei einer Veranstaltung des „Wall Street Journals“ am Dienstag in Kalifornien: „OpenAI steht nicht zum Verkauf.“

Als Verwaltungsrat einer gemeinnützigen Organisation, sagte Taylor, „ist unsere Aufgabe sehr einfach, nämlich jede strategische Entscheidung der Organisation anhand des einen Tests zu bewerten, der da lautet: "Fördert dies tatsächlich den Auftrag, sicherzustellen, dass AGI der Menschheit nützt?" Und es fällt mir schwer zu erkennen, wie dies der Fall sein könnte.“ Der Verwaltungsrat wird nicht nur die Vermögenswerte des Unternehmens abwägen müssen, sondern auch den Wert der Kontrolle über das Unternehmen, das diese Technologie entwickelt.

Rose Chan Loui, Direktorin des Lowell Milken Center on Philanthropy and Nonprofits an der juristischen Fakultät der University of California in Los Angeles (UCLA), sagte, der Verwaltungsrat solle die Glaubwürdigkeit des Angebots von Musk prüfen. Dazu zähle die Frage, ob er und seine Investoren in bar zahlen würden. Und der Verwaltungsrat solle berücksichtigen, ob ein neuer Verwaltungsrat unter der Kontrolle von Musk und anderen Investoren unabhängig wäre und welche Garantien sie für den Schutz des öffentlichen Nutzens geben könnten.

Auch Musks 44-Milliarden-Dollar-Übernahme von Twitter 2022 begann mit einem unaufgeforderten Angebot und einem Rechtsstreit mit dem Twitter-Verwaltungsrat, der ebenfalls von Taylor geleitet wurde. Eine Übernahme von OpenAI wäre jedoch aufgrund des gemeinnützigen Zwecks des Unternehmens komplizierter. „Es gibt einen rechtsverbindlichen Zweck“, sagt Jill Horwitz, Professorin an der Jurafakultät der UCLA. „Es ist das Versprechen, das der Öffentlichkeit gegeben wurde, als OpenAI, die gemeinnützige Organisation, gegründet wurde. Dieses Versprechen ist rechtlich einklagbar.“

Die plötzliche Popularität von ChatGPT vor zwei Jahren brachte OpenAI weltweiten Ruhm und neue kommerzielle Möglichkeiten, verschärfte aber auch internen Zwist über die Zukunft der Organisation und die KI, die sie zu entwickeln versuchte. Altman wurde Ende 2023 als CEO abgesetzt, er kehrte aber Tage später zurück.

Der zuletzt 2020 definierte gemeinnützige Zweck von OpenAI besteht darin, „sicherzustellen, dass künstliche allgemeine Intelligenz der gesamten Menschheit zugute kommt, unter anderem durch die Durchführung und/oder Finanzierung von Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz“. Die Frage ist, ob das möglich ist, wenn die Vermögenswerte verkauft werden und die Kontrolle über das Unternehmen verloren geht, das diese Technologie entwickelt.

„Der Welt das Versprechen zu geben, dass man an einen rechtlichen Zweck gebunden ist, und mit diesem Versprechen zu wachsen, einschließlich der Aufforderung an die Investoren, keine Rendite zu erwarten und ihre Investitionen eher als Spende denn als Investition zu betrachten“, sagt Professorin Horwitz. „Und dann, wenn Sie groß genug sind, sagen Sie: "Wissen Sie was? Wir würden das gerne besitzen." Das scheint ein echter Verstoß gegen das Versprechen zu sein.“

Musk verklagte OpenAI vergangenes Jahr zunächst vor einem kalifornischen Staatsgericht und später vor einem Bundesgericht. Er machte geltend, das Unternehmen habe seine Gründungsziele als gemeinnütziges Forschungslabor verraten. Ein Anwalt Musks sagte, dieser habe von der Gründung bis 2018 rund 45 Millionen Dollar in das Startup investiert. In einer Anhörung vor einem kalifornischen Bundesgericht ging es vergangene Woche um einen Antrag Musks auf eine Anordnung, die eine gewinnorientierte Umwandlung von OpenAI blockieren würde. Eine Entscheidung stand noch aus.

Musks Anwalt Marc Toberoff erklärte, wenn Altman und die derzeitige Führung von OpenAI die Absicht hätten, ein vollständig gewinnorientiertes Unternehmen zu werden, sei es von entscheidender Bedeutung, dass die gemeinnützige Organisation fair für das entschädigt werde, „was ihre Führung ihr wegnimmt: die Kontrolle über die transformativste Technologie unserer Zeit“.

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Altman sagte Mitarbeitern in dieser Woche, die Struktur von OpenAI stelle sicher, „dass kein Einzelner die Kontrolle über OpenAI übernehmen kann“. Er bemühte sich, Musks Taktik als die eines Konkurrenten zu charakterisieren, der versuche, aufzuholen. „Ich denke, er versucht wahrscheinlich nur, uns aufzuhalten. Er ist offensichtlich ein Konkurrent“, sagte Altman auf dem Pariser Gipfel dem Fernsehsender Bloomberg.

Erstpublikation: 14.02.2025, 05:53 Uhr.

ap
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