ChatGPT-Konkurrent: KI-Pionier Cohere fokussiert sich auf Unternehmen
Aidan Gomez, der Chef von Cohere, schrieb 2017 an einem Forschungspapier mit, das die Grundlage für mächtige Modelle der Künstlichen Intelligenz legt.
Foto: Photos by John CairnsSan Francisco. „Wir haben einen globalen Standard geschaffen“, sagt Aidan Gomez. 2017 schrieb er an einem Forschungspapier mit, das die Grundlage für mächtige Modelle der Künstlichen Intelligenz (KI) wie ChatGPT legt. Heute hat Gomez sein eigenes Unternehmen und große Ziele. Damit fordert Gomez OpenAI, die Firma hinter ChatGPT heraus, und fokussiert sich auf Unternehmenskunden – auch in Deutschland.
Deutschland spielt schon länger eine wichtige Rolle für das Unternehmen. Der Frankfurter Informatiker Nils Reimers leitet den Bereich maschinelles Lernen bei Cohere.
Cohere wird laut Branchendienst Pitchbook mit rund zwei Milliarden Dollar bewertet. Zudem haben bekannte KI-Forscher wie Geoffrey Hinton und Li Fei-Fei persönlich in die Firma investiert. Oracle-Gründer Larry Ellison nannte die Technologie von Cohere „zukunftsweisend“.
Derzeit gilt OpenAI als das führende Unternehmen im Bereich von KI-Sprachmodellen. Zusammen mit dessen Partner Microsoft setzen auch viele Unternehmen in Deutschland auf die Technologie. Gomez will diese Dominanz brechen und richtet Cohere daher konsequent auf die Bedürfnisse von Firmenkunden aus. „Für uns stehen Vertrauen und Datenschutz im Zentrum“, sagt der Mitgründer und CEO.
Er nennt OpenAI nicht beim Namen, sagt aber, Wettbewerber hätten viel Vertrauen verspielt. So seien Daten nicht ausreichend geschützt gewesen und sensible Firmendaten hätten nach außen dringen können. „Kunden müssen der Technologie voll vertrauen können. Sonst ergibt ein Einsatz in Unternehmen wenig Sinn“, sagt Gomez.
Cohere trainiert KI auf bestimmte Spezialfälle von Firmen
Das Angebot von Cohere versucht sich daher an etlichen Stellen von OpenAI abzusetzen. „Unsere Modelle können Firmen sogar auf ihren eigenen Servern laufen lassen, wenn sie das mögen“, erklärt Gomez. Zudem würden alle großen Cloud-Anbieter unterstützt, wie Amazon, Google und Microsoft. OpenAI ist hingegen vor allem über das Cloud-Angebot von Microsoft verfügbar.
Ein weiterer Unterschied: Die Firma bietet laut Gomez nicht nur allgemeine Sprachmodelle an, die Texte oder Computercode verfassen können. „Wir haben noch eine zweite Kategorie von Modellen für Firmen im Angebot“, so Gomez. Diese Modelle seien auf Unternehmensforderungen zugeschnitten. Sie könnten beispielsweise gezielt Informationen suchen, bestehende Daten klassifizieren oder bewerten. Das mache sie vor allem für den Einsatz bei sensiblen Firmendaten interessant.
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Zudem versuche Cohere seine Modelle auf bestimmte Anwendungsbereiche zu optimieren. Dafür arbeite die Firma mit Partnern zusammen, um besondere Datensätze für Spezialfälle zu erstellen. Beispielsweise sammele Cohere dafür große Datenmengen aus dem medizinischen Bereich.
„Es ist falsch zu glauben, dass die Qualität der KI-Modelle alleine von der Menge von verfügbaren Daten abhängt“, sagt Gomez. „Der Schlüssel ist die Qualität der Daten.“
KI von Cohere erfüllt Datenschutzvorgaben in Europa
Bislang gibt es beim Einsatz von KI in Unternehmen ein entscheidendes Problem: Die Modelle produzieren Fehler. Dieses Problem könnte auf absehbare Zeit gelöst werden, sagt Gomez. Eine neue Art im Umgang mit diesen Modellen verknüpfe sie stärker mit Wissensdatenbanken. Die Modelle seien dann in der Lage, genaue Quellenangaben für jede Aussage zu machen und damit Fehler stark zu reduzieren.
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Firmen in Europa will Gomez mit einem weiteren Versprechen von seiner Technologie überzeugen: „Wir erfüllen alle Datenschutzvorgaben in Europa.“ Gegen OpenAI war kürzlich eine Datenschutzbeschwerde in Europa eingereicht worden. Ein Vorwurf: OpenAI erfüllt nicht die Transparenzvorschriften in Europa.
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Der Computerexperte Lukasz Olejnik hatte festgestellt, dass die Modelle von OpenAI Falschinformationen über ihn enthielten. Er forderte daher Aufklärung von OpenAI, woher die Daten über ihn kamen, und veranlasste eine Korrektur. Dieser Anforderung sei OpenAI nicht nachgekommen, sagte Olejnik. Mittlerweile hat sich der Datenschutzbeauftragte in Polen dem Fall angenommen und ein Verfahren gegen OpenAI eingeleitet. Die Firma ließ eine Anfrage des Handelsblatts dazu unbeantwortet.
Cohere sei hingegen in der Lage, die Grundlage für Informationen transparent zu machen und auch Fehler zeitnah zu korrigieren, verspricht Gomez.
Erstpublikation: 03.11.2023, 14:36 Uhr.