1. Startseite
  2. Technologie
  3. Künstliche Intelligenz
  4. Künstliche Intelligenz: Neue Herausforderungen für Sam Altman nach Rückkehr zu OpenAI

Künstliche IntelligenzNeue Herausforderungen für Sam Altman nach seiner Rückkehr zu OpenAI

Nach der Wende im Führungsdrama dürfte bei OpenAI so schnell keine Ruhe einkehren. Gegen Altman läuft eine interne Untersuchung – Ex-Mitarbeiter erheben anonym neue Anschuldigungen.Thomas Jahn, Felix Holtermann, Christof Kerkmann 23.11.2023 - 15:26 Uhr Artikel anhören

Nach wenigen Tagen ist OpenAI-Gründer Sam Altman wieder Chef des KI-Start-ups.

Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Düsseldorf, Salt Lake City. Es ist eine Genugtuung für Sam Altman: Wenige Tage nach seinem Rauswurf kehrt der 38-jährige Unternehmer als Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI zurück. Im Onlinedienst X verbreitete er am Mittwoch die Meldung, garniert mit zwei Herzen und einem salutierenden Emoji. Auch seiner Forderung nach einer Neubesetzung des Verwaltungsrats wird entsprochen.

Es ist der vorläufige Höhepunkt des Dramas an der Spitze des Start-ups. Ein Zusammenbruch der weltweit wohl wichtigsten KI-Firma, der zwischenzeitlich zu befürchten war, scheint damit abgewendet. Ein Großteil der mehr als 700 Mitarbeiter hatte in einem offenen Brief mit dem Abgang gedroht, falls der Verwaltungsrat Altman nicht wieder einstellt und selbst zurücktritt.

In der Nacht zu Mittwoch feierten viele im Büro, wie Mitgründer Greg Brockman mit einem Selfie dokumentierte. Auch er kehrt zurück.

Satya Nadella, Chef des Partners und Großinvestors Microsoft, verkündete am Mittwoch auf X: „Wir glauben, dass dies ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer stabileren, gut informierten und effektiven Führung ist.“ Der Konzern wolle die Zusammenarbeit mit OpenAI zukünftig weiter stärken.

Die Unruhe bei OpenAI dürfte nach dem beispiellosen Machtkampf allerdings noch einige Zeit anhalten: Die Neubesetzung des Verwaltungsrats läuft gerade erst. Das Unternehmen will die Vorwürfe gegen Altman, die Grund für dessen Rauswurf waren, unabhängig untersuchen lassen.

Unterdessen kursieren neue Vorhaltungen von ehemaligen Mitarbeitern, die in einem offenen Brief von „einem verstörenden Muster von Täuschung und Manipulation“ sprechen. Und parallel wird das Management einiges tun müssen, um das verlorene Vertrauen bei Investoren und Kunden wieder aufzubauen.

Und am Mittwochabend (Ortszeit) machte dann eine neue Erklärung für den Rauswurf von Altman die Runde: Demnach warnten mehrere Mitarbeiter kurz vor Altmans Rausschmiss den Verwaltungsrat vor einem wichtigen Durchbruch im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI), der eine Bedrohung für die Menschheit darstelle. Aber der Reihe nach.

OpenAI: Verwaltungsrat erst mal ohne Altman

Die Chaostage bei OpenAI begannen, als der Verwaltungsrat Sam Altman am Freitag kündigte. OpenAI ist mit einer Sonderkonstruktion in einen kommerziellen und stiftungsähnlichen Bereich aufgeteilt – doch bei beiden besitzt der Verwaltungsrat großen Einfluss.

Nun wird das Gremium neu besetzt – fast alle Mitglieder, die den Machtwechsel vollziehen wollten, verlieren ihren Einfluss. Allerdings bleiben auch die beiden Mitgründer Altman und Brockman zumindest außen vor.

Die Leitung des Gremiums übernimmt mit Bret Taylor ein Manager, der als erfahren und besonnen gilt. Er hatte in mehreren Tech-Konzernen Führungspositionen inne, zuletzt als Co-Chef von Salesforce. Zudem leitete er zwischenzeitlich den Verwaltungsrat von Twitter – mit der Aufsicht chaotischer Unternehmen kennt er sich also aus.

Hinzu kommt der bekannte Ökonom Larry Summers. Von der alten Besetzung bleibt lediglich Adam D’Angelo, Chef des Onlinenetzwerks Quora, der den Rauswurf von Altman zuvor mitgetragen hatte.

Laut den Analysten von Counterpoint Research könnte D'Angelo der eigentliche „Anstifter des Coups“ gewesen sein. D'Angelo ist ein Silicon-Valley-Insider, Schulfreund von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Initiator von Poe, einer Plattform, die verschiedene KI-Modelle bereitstellt, darunter auch ChatGPT. Berichten zufolge sei D'Angelo frustriert gewesen über die von Altman angekündigte Einführung eines „GPT Store“, der seine eigene Plattform überflüssig machen könnte, schreiben die Analysten.

Zugleich war D'Angelo in den vergangenen Tagen laut übereinstimmenden Berichten wichtiger Ansprechpartner für Microsoft-Chef Satya Nadella. Nach dem chaotischen Wochenende soll er die Rückkehr Altmans mit eingefädelt haben. Sein Verbleib im Verwaltungsrat deuten Beobachter als Zeichen, dass auch eine kritische Stimme erhalten bleibt.

Die neue Dreier-Konstellation im Verwaltungsrat ist aber lediglich eine Übergangslösung: „Wir arbeiten zusammen, um die Details zu klären“, teilte OpenAI am Mittwoch mit.

Microsoft kämpft um einen Sitz

Medienberichten zufolge soll der Verwaltungsrat von derzeit sechs auf bis zu neun Mitglieder erweitert werden. In diesem Prozess dürfte Microsoft als wichtigster Partner und Anteilseigner darauf drängen, mindestens einen Vertreter zu entsenden. Auch Altman wolle wieder in das Gremium einziehen, berichtete das Technologieportal „The Verge“.

Microsoft wird zudem auf Änderungen in der Führungsstruktur drängen. Konzernchef Nadella ließ in mehreren Interviews wissen, dass er keine „Überraschungen“ mehr wünsche. „Wir wollen sicherstellen, dass die Dinge so ablaufen, dass wir weiter gut als Partner zusammenarbeiten können“, sagte er dem Fernsehsender Bloomberg TV.

Offen ist, ob das mit Änderungen an der Ausrichtung von OpenAI einhergeht. Das Start-up wurde als gemeinnützige Organisation mit der Mission gegründet, Künstliche Intelligenz (KI) zum Nutzen der Menschheit zu entwickeln. Die gewinnorientierte Tochtergesellschaft, die mit Microsoft kooperiert, muss sich dem bislang unterordnen – während Altman andere Prioritäten setzen wollte. Das gilt als eine der Ursachen für den Konflikt, der zu seinem zeitweiligen Rauswurf führte.

Neue Vorwürfe von ehemaligen Mitarbeitern

Zu den konkreten Gründen für die zwischenzeitliche Trennung schweigt OpenAI bisher. Der Verwaltungsrat sprach bislang nur von „einem Mangel an Aufrichtigkeit“, ohne Details zu nennen.

Laut Berichten soll sich der Streit auch an der Frage entzündet haben, wie schnell neue KI-Lösungen des Start-ups ausgerollt werden sollen. Einige Führungskräfte wie Chefwissenschaftler Ilya Sutskever seien der Ansicht gewesen, dass Altman neue Software zu schnell und mit einem zu kommerziellen Ansatz auf den Markt gebracht habe. Nun soll es Medien zufolge eine unabhängige Untersuchung geben, etwa durch eine Anwaltskanzlei.

Nahrung erhielten derlei Vermutungen durch eine Meldung vom Mittwochabend. Demnach schickten kurz vor Altmans Rauswurf mehrere OpenAI-Forscher dem Verwaltungsrat einen Brief, in dem sie vor einer mächtigen Entdeckung im Bereich KI warnten, die ihrer Meinung nach die Menschheit bedrohen könnte. Das berichteten die Agentur Reuters und das Portal „The Information“.

Der Brief sei der Auslöser dafür gewesen, dass der Verwaltungsrat Altman entlassen habe, nachdem sich das Verhältnis schon zuvor deutlich abgekühlt hatte, so zwei Insider. Die OpenAI-Managerin Mira Murati, die zunächst als Interims-CEO berufen wurde, erklärte demnach gegenüber Mitarbeitern, dass ein Brief über einen KI-Durchbruch namens Q* (sprich: „Q-Star“) den Ausschlag für den Rausschmiss gegeben habe.

OpenAI habe Fortschritte bei Q* gemacht, die laut der Sicht einiger einen Durchbruch auf der Suche nach einer Super-KI (allgemeine künstliche Intelligenz genannt) darstellen könnte. Zwar soll das neue Modell nur in der Lage gewesen sein, Mathematik auf Grundschulniveau zu betreibe. Dennoch habe es die Forscher sehr optimistisch gestimmt, was den künftigen Erfolg von Q* angeht, berichtet Reuters.

Nach Handelsblatt-Informationen vermutete auch der bekannte deutschstämmige Wagniskapitalgeber und OpenAI-Investor Peter Thiel, dass innerhalb des Start-ups an einem weiteren, fortgeschritteneren Modell gearbeitet wurde. Unabhängig überprüfen ließen sich die behauptete Existenz und die Fortschritte bei Q* jedoch nicht.

Es sind allerdings nicht die einzigen Vorwürfe gegen Altman. Auf der Plattform X, früher bekannt als Twitter, kritisierten angebliche ehemalige Mitarbeiter den Gründer anonym in einem offenen Brief. So sei unter Altman Kritik unerwünscht gewesen und „systematisch“ verfolgt worden. Die Verfasser kritisieren zudem seine „diskrete, aber routinemäßige Ausnutzung von OpenAIs Non-Profit-Ressourcen“, um „seine persönlichen Ziele zu verfolgen“.

Insider sprachen gegenüber dem Handelsblatt von einer zunehmenden Entfremdung zwischen Altman und mehreren Ratsmitgliedern. Dabei sollen unter anderem die zahlreichen Nebengeschäfte Altmans eine Rolle gespielt haben. Dieser sei schon immer stark monetär motiviert gewesen und habe private Vertraute auf gutbezahlte Posten gehievt.

An allererste Stelle stehe für Altman und Brockman das Erreichen einer sogenannten Artificial General Intelligence (AGI), einer KI, die es in jeder intellektuellen Aufgabe mit einem Menschen aufnehmen kann, heißt es in dem offenen Brief. Ihre barschen Methoden seien aber fragwürdig und würden Zweifel daran wecken, „wie sehr sie wirklich der gesamten Menschheit helfen wollen“. Weder OpenAI noch Altman haben sich zu den Vorwürfen bisher öffentlich geäußert.

Die Vorhaltungen sind allerdings anonym und überzeugen angesichts der breiten Unterstützung von Altman in der Belegschaft auf den ersten Blick nicht. Das ist laut den Verfassern allerdings kein Widerspruch, denn kritische Mitarbeiter seien in „bedeutsamer Anzahl“ aus dem Unternehmen gedrängt worden. Zwischen Januar 2018 und Juli 2020 habe die Fluktuation bei ungefähr 50 Prozent gelegen.

Elon Musk wärmt Streit mit Altman wieder auf

Veröffentlicht wurde der Brief von X-Eigentümer Elon Musk. Dem Milliardär zufolge wurde dieser auf der Entwicklerplattform Github am Dienstag gepostet. Dort ist er aber nicht mehr aufzufinden, Github wiederum ist eine Tochter des OpenAI-Großinvestors Microsoft.

Musk hat dagegen gute Gründe, den Brief weiterzureichen. Er versteht sich wenig mit Altman. Beide gründeten mit Partnern 2015 OpenAI. Doch Musk verließ das Start-up wenige Jahre später im Streit. Der Grund war wohl die gewinnorientierte Ausrichtung und Zusammenarbeit mit Microsoft. Die Fehde kommt auch im Brief zur Sprache, Altman habe Mittel der Stiftung dazu verwendet, „insbesondere seinen Groll gegen Elon Musk“ zu verfolgen, heißt es dort.

Kommt es zu einer Schlammschlacht bei OpenAI? Oder zieht endlich Frieden ein? Altman hat nach seiner Rückkehr auf jeden Fall einige Probleme zu lösen.

Verwandte Themen
Sam Altman
OpenAI
Microsoft
Elon Musk
ChatGPT
Künstliche Intelligenz

Erstpublikation: 22.11.2023, 16:51 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt