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Künstliche IntelligenzSo werden ChatGPT-Nutzer auch zu Programmierern

Auf der neuen GPT-Plattform können Nutzer eigene Apps bauen, ohne eine Zeile Code zu schreiben. Das bringt das Geschäftsmodell vieler neuer KI-Start-ups in Gefahr.Lina Knees 27.11.2023 - 09:33 Uhr Artikel anhören

Mit dem GPT Builder kann jeder eigene KI-Apps erstellen ohne zu Programmieren. (KI-generiertes Bild mit Dall-E)

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Ohne Programmierkenntnisse einen eigenen KI-Assistenten bauen: Vor einem Jahr wäre das noch als Science-Fiction durchgegangen. Heute begrüßt GPT Builder, ein neues Programm des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, die Nutzerin freundlich: „Hi! Ich helfe dir, ein neues GPT zu erstellen“, steht im Chatfenster. „Was würdest du gerne machen?“

Das Programm macht der Nutzerin direkt zwei Vorschläge: Sie könne sich zum Beispiel einen KI-Assistenten bauen, der Produktdesigns für sie erzeugt. Oder wie wäre es mit einem virtuellen Softwareingenieur, der beim Schreiben von Code hilft?

Mit ChatGPT hat OpenAI vor einem Jahr eine KI-Plattform freigeschaltet, mit der jeder per Knopfdruck Texte erstellen kann. Jetzt wiederholt die Firma, in die der IT-Riese Microsoft Milliarden gesteckt hat, das Gleiche mit den sogenannten GPTs. Die Abkürzung steht für Generative Pre-Trained Transformer. Gemeint sind in diesem Fall benutzerdefinierte Mini-Programme, mit denen Nutzer ChatGPT ganz spezifische Fähigkeiten beibringen können.

In der Technologiewelt hat die neue Plattform ein neues Beben ausgelöst, seit der nun ehemalige OpenAI-Chef Sam Altman sie vergangene Woche auf seiner Entwicklerkonferenz vorgestellt hat. „Diese Entwicklung ist so, als wäre eine neue Raketenstufe gezündet worden“, sagt Doris Weßels, Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Kiel.

Für nahezu jedes Assistenz- oder Beratungsbedürfnis könne ein GPT entwickelt werden. „Der Trend ist ganz klar: KI-Technologie möglichst ohne Softwareentwicklerfähigkeiten nutzen“, sagt Weßels.

CEO Sam Altman stellt auf OpenAIs erstem Entwicklertag am 6. November 2023 den GPT Builder vor. (Photo by Justin Sullivan/Getty Images)

Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson

OpenAI: So können ChatGPT-Nutzer ihre eigenen KI-Assistenten bauen

Der GPT Builder ist nur für Nutzer von Chat Plus verfügbar. Das Bezahlangebot kostet umgerechnet 23 Euro im Monat. Mit dem Programm müssen Nutzer nur noch ein paar Fragen beantworten, um eigene KI-Assistenten zu bauen. Zum Beispiel: Was soll der GPT-Produktdesigner können? Und was soll er nicht machen?

Damit er sich an den Designs einer bestimmten Firma orientiert, können Nutzer Dokumente hochladen. Das können Grundkenntnisse im Produktdesign, Richtlinien oder Beispiele sein, an denen sich das Programm orientieren soll. Wenn der GPT-Produktdesigner auch Informationen aus dem Internet nutzen soll, müssen Nutzer nur das Kästchen neben „Web-Browsing“ anklicken. Dann kann er auch das.

Wem auch das zu kompliziert ist, kann bald auf die GPTs anderer Nutzer zugreifen. Noch diesen Monat will OpenAI einen GPT-Store starten – eine Art App-Store für KI-Assistenten. Die Firma hat den Marktplatz angekündigt, damit Nutzer selbst gebaute GPTs kaufen und verkaufen können.

OpenAIs GPT Builder gefährdet Geschäftsmodell vieler Start-ups

Der Durchbruch von ChatGPT gilt vielen in der Technologieszene als ein neuer iPhone-Moment. Apple hatte 2007 mit seinem ersten Smartphone neu definiert, was ein Telefon sein kann, und eine neue Ära eingeleitet, in der Menschen Technologie auf eine völlig neue Art und Weise nutzen konnten. Ganz ähnlich ist es nun mit dem Chatbot von OpenAI.

Bisher war es vor allem etablierten Unternehmen und Start-ups möglich, auf Basis von großen KI-Modellen neue Applikationen aufzubauen. Mit dem GPT-Konfigurator versetzt OpenAI dazu praktisch jeden in die Lage. Für junge Unternehmen, die in den vergangenen Monaten ihre Produkte auf den neuen Sprachmodellen aufgebaut haben, könnte dies schon wieder das Ende bedeuten.

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Andre Retterath vom Wagniskapitalgeber Earlybird sieht in den GPTs eine große Gefahr für viele KI-Start-ups. „Viele haben in Start-ups auf der Applikationsebene investiert, die ein Logo-Bau-Tool, ein Präsentationstool oder Recherche-Assistenten angeboten haben“, sagt Retterath. „Mit so einem Launch ist einfach eine ganze Kohorte an Start-ups, die KI-Applikationen macht, tot.“

„Jetzt macht OpenAI das Geschäft“, sagt Sebastian Deutsch, Geschäftsführer des Softwareunternehmens 9elements. Für KI-Apps müssen Daten gesammelt, Datenbanken gebaut und spezifische Instruktionen gegeben werden. Das übernimmt jetzt jeder Nutzer selbst für OpenAI. „Wenn kleine Start-ups KI-Anwendungen entwickeln, liegt das Wissen bei denen. Jetzt liegt es bei OpenAI“ , erklärt Deutsch.

Doris Weßels hat mit ihren Studierenden bereits eigene Anwendungen entwickelt. Sie sagt: „Content wird King.“ Die besten KI-Anwendungen hingen nun nicht mehr von Programmierfähigkeiten ab, sondern von einer guten Idee für einen Anwendungsfall und von dem Wissen, mit dem der GPT gefüttert wird.

Experten erwarten zu sorglosen Umgang mit Daten

Auch ohne den Store sind schon zahlreiche von Nutzern gebaute GPTs im Netz zu finden. Einige von ihnen haben Programme, die wiederum andere GPTs finden können, entwickelt.

Wann der Store genau kommt und wie die angekündigte Entlohnung für die Macher begehrter Programme aussehen soll, ist noch unklar. Experten haben noch viele offene Fragen. „Die GPTs sind ja Blackboxes“, sagt Weßels. „Wir wissen nicht, wie sie konzipiert sind oder welche Inhalte hochgeladen werden. Es müsste eigentlich eine Qualitätssicherung geben.“

Ob es eine solche im GPT-Store geben wird oder die Möglichkeit, Anwendungen zu bewerten, bleibt abzuwarten. Für iPhone-Apps gibt es solche Prozesse zum Beispiel.

Eine weitere Sorge betrifft die Datensicherheit. Nutzer können die GPTs nun mit noch viel mehr Dokumenten an Hintergrundwissen ausstatten. „Wir haben bereits letztes Jahr mit ChatGPT gesehen, dass Nutzer fahrlässig mit ihren Informationen und Daten umgehen“, sagt Investor Retterath. Viele GPTs gäben aktuell noch alle Daten freiwillig preis, wenn man sie einfach danach fragt.

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Und nicht nur Nutzer bekommen jetzt einfacher alle möglichen Daten durch GPTs anderer: „Wahnsinnig viele Daten, benutzerdefinierte GPTs und Domänenwissen werden jetzt ihren Weg zu OpenAI finden“, sagt Softwareunternehmer Sebastian Deutsch. Hinzu kommt: „Mit jedem Upload wird OpenAI unter der Haube schlauer.“ Das Sprachmodell bekomme Zugriff auf immer spezialisierteres Expertenwissen, sprich Informationen, zu denen es vorher keinen Zugang hatte.

Ein Blick in die Zukunft von OpenAI

Deutsch glaubt, dass OpenAI wie damals Apple schon weiter ist, als man zugibt. „Das macht aus ökonomischer Sicht und mit Blick auf die Konkurrenz natürlich Sinn“, sagt er. So könne das Unternehmen jeden Entwicklungsschritt öffentlich feiern und sich gleichzeitig einen Marktvorteil verschaffen.

„Natürlich hat OpenAI die Schublade noch nicht leer, aber die anderen bestimmt auch nicht“, sagt auch Doris Weßels. Die Wissenschaftlerin beschreibt den Markt als Strategiespiel: Sie sei gespannt, wer wann mit welchem Zug die Bühne betritt.

Andre Retterath sieht mit den GPTs eine potenziell gefährliche Zentralisierung. „Bei dem, was hier mit OpenAI und dahinter Microsoft passiert, geht der Trend schon Richtung Monopolisierung“, sagt der Investor, der am OpenAI-Wettbewerber Aleph Alpha beteiligt ist. Die GPTs und der Marktplatz könnten nur ein Zwischenschritt zu weiteren, noch größeren Entwicklungen sein.

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Retterath glaubt, der nächste Schritt könne eine Art Kommandozentrale sein, die alle GPTs vereint und so sämtliche Anfragen in sehr guter Qualität beantworten kann.

Erstpublikation: 17.11.2023, 15:20 Uhr.

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