Covid-19: Bund und erste Länder unterstützen digitale Patientenüberwachung
Viele Covid-19-Patienten können analog keinen Kontakt mit dem Behandler aufrechterhalten.
Foto: ImagoDüsseldorf. Dreimal täglich prüft Stefan Hagel einen Teil seiner Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind und sich in häuslicher Quarantäne befinden, auf Herz und Sauerstoff. Der geschäftsführende Oberarzt am Universitätsklinikum Jena braucht dafür nicht einmal bei den Patienten vor Ort zu sein. Stattdessen erhält er in einer Web-Anwendung Vitalwerte und Symptome, die die Patienten übermitteln, in Echtzeit aufgelistet.
Seit April nutzt die Jenaer Klinik das System und war damit eine der ersten Einrichtungen deutschlandweit. „Bei mindestens drei Patienten, die sich von allein nicht gemeldet haben, konnte ein schwerwiegender Verlauf von Covid-19 verhindert werden, weil das System rechtzeitig gewarnt hat“, berichtet Hagel.
Vielfach würden Covid-19-Patienten daheim ansonsten einfach gar keinen Kontakt mit dem Behandler aufrechterhalten können, weil physische Kontakte nur eingeschränkt möglich und digitale Datenübermittlungen ohne Vorgaben komplex sind.
Entwickelt wurde die Technologie namens „Remote Patient Monitoring“ (RPM) von der Firma Huma aus Großbritannien, wo es schon großflächig eingesetzt wird. In Deutschland hatten es bislang nur die Unikliniken Jena, Greifswald und Heidelberg. „Den größten Nutzen hat das System aber im ambulanten Bereich, dort, wo die meisten der Abertausenden Covid-19-Patienten in häuslicher Quarantäne überwacht werden müssen“, erklärt Oberarzt Hagel. Bei den Niedergelassenen wurde das System bislang nur vereinzelt erprobt.