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DHDL-Deal Smartsleep im TestWas der Wunder-Schlaftrunk wirklich kann

Der Schlaftrunk Smartsleep soll dabei helfen, nach kurzen Nächten fitter und leistungsfähiger zu sein. Doch kann das wirklich funktionieren? Ist das gesund? Wir haben getestet.Carina Kontio 20.09.2018 - 08:26 Uhr Artikel anhören

Die Werbung sagt: Entwickelt von Schlafforschern der Harvard Universität. Aber hält der Trunk auch, was er verspricht?

Foto: Handelsblatt

Bonn. Schlecht einschlafen, unruhige Nächte, schnarchen, auf und ab gehen, morgens zu früh aufwachen, tagsüber wegdösen: Millionen Deutsche leiden unter Schlafstörungen. Jeder Vierte, so das Robert-Koch-Institut, hat Probleme beim Ein- oder Durchschlafen. Deutsche Unternehmen verlieren pro Jahr fast 210.000 Arbeitstage durch unausgeschlafene Mitarbeiter. Das kostet die Wirtschaft hierzulande knapp 57 Milliarden Euro jedes Jahr.

Dabei ist guter und erholsamer Schlaf wichtig in unserem hektischen Alltag. Wenn wir gut schlafen, sind wir stressresistenter und leistungsfähiger. Studien haben gezeigt, dass eine Nacht ohne Schlaf unsere Leistungsfähigkeit ungefähr so stark schmälert wie ein Promille Alkohol. Das wären bei mir vier Flaschen Bier oder eine ganze Flasche Wein.

Wäre es da nicht schön, wir könnten einfach vorm Schlafengehen ein Elixier trinken, das uns, ohne dass wir selbst etwas dafür tun müssen, wieder fit und leistungsfähig macht? Das verspricht der Macher von Smartsleep, der Nürnberger Schlafforscher Markus Dworak – am Dienstagabend sahen Millionen in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“, wie sich die Jury von dem smarten Gründer umgarnen lies.

Die Investoren Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel wittern ein lukratives Geschäft und wollen zusammen eine Rekordsumme von 1,5 Millionen Euro investieren. Ob der Deal nach der Sendung wirklich zustande kommt, wird sich erst nach einer ausführlichen Due-Diligence-Prüfung zeigen – es wäre nicht das erste Investment, das geplatzt ist, nachdem die Kameras wieder aus sind.

Diese zehn Dinge rauben uns den Schlaf
PCs und Smartphones vor dem Schlafengehen verhindern einen ruhigen Schlaf. Doch das ist längst nicht alles. Ein Überblick der Dinge, die den Körper noch davon abhalten, sich nachts zu regenerieren.
Abends noch schnell E-Mails für die Arbeit beantworten oder am PC noch an einem Projekt feilen – die ständige Erreichbarkeit und die technischen Möglichkeiten, auch von daheim zu arbeiten, lassen die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen. Das hindert daran, den Kopf frei zu bekommen und entspannt einschlummern zu können.
PCs und Smartphones verändern unser Freizeitverhalten: Statt vorm Einschlafen ein Buch zu lesen oder Fernzusehen – und dabei passiv Informationen aufzunehmen – surfen Menschen zunehmend vorm Schlafengehen im Internet. Doch beim Online-Shopping, E-Mail-Verkehr, Facebook-Chats oder Online-Spielen  muss das Gehirn sehr viele Informationen verarbeiten. Dabei wird es eher aktiviert als auf den Schlaf vorbereitet zu werden.Dabei kann helfen die Hintergrund-Beleuchtung der Displays zu dimmen, um sich auf die anstehende Nachtruhe einzustellen. Außerdem sollte nicht im Schlafzimmer gesurft werden, um den Raum gedanklich nicht mit Aktivität in Verbindung zu bringen. Eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte man komplett auf PCs, Smartphones und Co. verzichten.
Stressige Lebensphasen wühlen den Körper auf, und machen es nachts schwieriger, einzuschlafen. Um so wichtiger ist, es für Entspannung zu sorgen.
Je mehr man sich Gedanken, um die Schlafstörungen macht, desto stärker fördert man sie. So wird die Angst zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Da man denkt, in der Nacht nicht einschlafen zu können, stellt sich der Körper auf diesen Zustand ein – und man bekommt tatsächlich kein Auge zu.
Wenn Menschen lange Zeit einen unruhigen Schlaf haben, etwa weil sie gerade ein Kind bekommen haben, wird dieser Zustand für den Körper irgendwann zur Gewohnheit. So können Menschen auch Jahre nachdem ihr Baby das letzte mal nach der Flasche geschrien hat, immer noch einen unruhigen Schlaf haben. Dagegen kann eine Verhaltenstherapie helfen.
Menschen sollen über ihre Schlafprobleme nicht grübeln, sondern ihr Verhalten ändern. Dies kann etwa ein Einschlafritual sein. So stellt etwa die obligatorische Tasse Tee oder Milch vor dem Gang zum Bett, den Körper irgendwann darauf ein, dass nun die Schlafenszeit ansteht. Dadurch kann das Einschlafen mit der Zeit leichter fallen.
Manche Menschen können einfach nicht vor drei Uhr morgens einschlafen, weil sie Nachteulen sind. Bei ihnen stimmt die innere Uhr nicht mit dem regulären Tag-Nacht-Rhythmus zusammen. Die Schlafstörungen, die dadurch entstehen, kennen Menschen ohne dieses Problem, etwa bei einem Jetlag oder während Schichtarbeit. Der Besuch bei einem Arzt, kann helfen gegen diese Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen zu arbeiten.
Albträume treten immer mal wieder auf – und können Menschen aus dem Schlaf reißen. Sind sie jedoch chronisch und kehren regelmäßig wieder, können dahinter psychische Probleme stecken. In diesem Fall lohnt es sich in einer Psychotherapie diesen Träumen auf den Grund zu gehen.
Alkohol, Koffein, Nikotin können Menschen um ihren Schlaf bringen. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte auf Kaffee, Zigaretten und alkoholische Getränke vor der Schlafenszeit verzichten.
Jeder Mensch ist anders – und damit auch jeder Rücken. Falsche Matratzen und Kissen können für unangenehmen Schlaf sorgen.

Wir haben den Trunk schon seit rund drei Monaten im Test für unser großes Schlaf-Experiment (wir berichten demnächst ausführlich). Aufgefallen ist mir Smartsleep, nachdem ich auf Facebook und Instagram Werbung dafür gesehen habe. Von Wissenschaftlern im Labor entwickelte Getränke und Pillen wie die Produkte von Smartsleep, Sleep Ink oder Braineffekt-Sleep, die erholsamen Schlaf aus der Flasche versprechen, sind offenbar gerade ziemlich hipp.

Was sagt die Werbung?

Wer glaubt, dass er durch die Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels Smartsleep schneller ein- und besser durschläft, irrt. In dem Mittel ist, im Gegensatz zu anderen Produkten, kein künstliches Melatonin zugesetzt, das unserem Körper das Signal zum Einschlafen gibt.

Die Werbung von Smartsleep verspricht: „Schlaf dich fit. (...) ideal für Sportler, Geschäftsreisende, Menschen mit fordernden Berufen und alle, die auch nach wenig Schlaf fit und leistungsfähig sein müssen. (...) vor kurzen Nächten, nach Tagen mit intensiven körperlichen Belastungen.“ „Optimierte Erholung im Schlaf für mehr Leistung am Tag.“

Während andere Hersteller wie Sleep Ink oder Braineffect den Schlaf an sich verbessern wollen, ist Smartsleep eher dann gefragt, wenn man morgens schwer aus dem Bett kommt. Auch die Fußball-Profis von Hertha BSC schwören nach harten Trainingseinheiten und anstrengenden Spielen darauf.

Wie schmeckt es?

Ich habe Smartsleep getestet. Das ist eine gelbe Flüssigkeit mit Zitronengeschmack, die in einer Art Reagenzglas verkauft wird. Acht Trinkampullen kosten 25 Euro. Einnehmen soll man sie fünf bis zehn Minuten vor dem Schlafengehen. Oben im Deckel stecken noch zwei kleine Kreatin-Pillen, die man zerkauen muss. Schmeckt nicht ganz so lecker, ist bitter und mir verzieht es jedes Mal das Gesicht, bis ich alles runter habe. Vor allem die dicken Kreatin-Pillen zu zerkauen ist gewöhnungsbedürftig, denn sie sind ziemlich groß und hart. Dass Kreatin zur besseren Regeneration eingesetzt wird, ist indes nicht neu. Bodybuilder und Kraftsportler nehmen es häufig in Form günstigerer Kreatin-Kapseln zu sich.

Wie wirkt es?

Ich habe den Wunder-Trank 16 Tage lang am Stück getestet. Beim Einschlafen habe ich gar nichts gemerkt. Aber ich fühlte mich morgens sehr oft erholter und frischer. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich ziemlich anfällig für gutes und schickes Marketing bin – und zumindest das können die Macher von Smartsleep richtig gut. Der Name des Produktes gehört zu den Top-Abfragen bei Google.

Dass das Elixier bei mir wirkt, kann aber auch daran liegen, dass es bestimmte Vitamine und Nährstoffe wie Magnesium, Zink, Biotin und Kreatin enthält. Eine Kombination, die meine Erholung im Schlaf beschleunigen soll.

Ernährungsforscher sagen, dass vor allem das Kreatin bewirkt, dass die Tiefschlafphase intensiviert wird. Dadurch wird das Hirn besser durchblutet und mein müder und vom Sport oder der Arbeit erschöpfter Körper regeneriert schneller. Doch ob Smartsleep nun den Körper bei zu wenig Schlaf wirklich mehr unterstützt und ihn leistungsfähiger werden lässt, sehen Schlafforscher eher kritisch. Denn: bislang fehlen wissenschaftliche Studien und Untersuchungen. Noch gibt es keine Belege.

Da Smartsleep als Nahrungsergänzungsmittel deklariert ist, darf das Mittel auch ohne Wirksamkeitsnachweis auf den Markt gebracht werden. Nachweislichen Einfluss haben die Produkte auf die Bilanz der Hersteller: So lagen die Umsätze mit rezeptfreien Schlafmitteln in Deutschland 2015 bei 233 Millionen Euro. Der Placeboeffekt – ich nehme eine Tablette/ein Getränk und reduziere dadurch meine Angst, nicht schlafen zu können – kann stark sein, wie man immer wieder in unzähligen Studien herausgefunden hat.

So gern man die Werbeversprechen glauben würde: Smartsleep ist kein Zaubertrank. Er wirkt von Person zu Person unterschiedlich und bietet keinen Ersatz für genügend Schlaf. Das würde auch teuer werden. Mein Ratschlag: Wenn Sie ernsthafte Ein- und Durchschlafschwierigkeiten haben, sollten Sie sich von einem Spezialisten untersuchen lassen und nicht eigenständig zu Wunderpillen und -getränken greifen.

Gibt es Alternativen?

Was mir auch aufgefallen ist im Test: Bei den ganzen Röhrchen und Fläschchen kommt schnell ein Berg Plastikmüll zu Stande. Wenn Sie besser schlafen wollen, können Sie alternativ auch 62 Pistazien knabbern, denn darin steckt insgesamt 1 Milligramm Melatonin. Das Schlafhormon, das wirklich müde macht. Die Schalen sind hier dann auch biologisch abbaubar.

Und britische Mediziner schwören neuerdings auf einen Drink aus Milch und Instant-Hafer: Die Forschungsergebnisse hierzu waren so vielversprechend, dass ich das mal ausprobieren werde.

Transparenzhinweis: Für den Produkttest stellte uns die Firma Smartsleep eine 16-Tages-Ration kostenlos zur Verfügung.

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