Pandemie: Corona-Langzeitfolgen sollen per App erforscht werden
Behandlung eines Corona-Patienten in einem Krankenhaus in Berlin.
Foto: dpaBerlin. Symptome wie Geschmacksverlust, Müdigkeit und Kopfschmerzen können nicht nur auf eine Corona-Infektion hindeuten, sondern bei Betroffenen auch nach Monaten noch bestehen.
Bislang sind diese Langzeitbeschwerden jedoch noch wenig erforscht. „Das liegt zum einen an der im Vergleich zu anderen Krankheiten noch recht kurzen Dauer der Pandemie“, sagt Dirk Brockmann, Forscher am Robert Koch-Institut (RKI), Handelsblatt Inside. Und zum anderen liege es daran, dass es noch keine Möglichkeit für Patienten gebe, ihre Langzeitbeschwerden systematisch zu erfassen und Wissenschaftlern und Ärzten bereitzustellen. Einige Studien zeigten aber, dass diese erheblich sein könnten.
Brockmann kennt sich mit Daten aus, er und sein Team werten etwa täglich die Corona-Datenspende-App des Instituts aus. „Ich würde es für sinnvoll erachten, diese App um Funktionen zu erweitern, um die Langzeitbeschwerden von Corona-Patienten besser zu erforschen“, sagt er. „Man könnte zum Beispiel eine zweite Version entwickeln, die es erlaubt, mit den Spenderinnen und Spendern zu interagieren.“
Bereits jetzt teilen in der Corona-Datenspende-App rund 500.000 Nutzer Informationen, die ihre Fitness-Tracker und Handys sammeln. Aus den Daten können die Forscher Erkenntnisse über den Verlauf der Corona-Pandemie gewinnen – etwa eine Vorausschau über kommende Hotspots.
Durch die Erweiterung der App könnten Nutzer außerdem ihre Symptome dokumentieren – auch rückwirkend. Auch der Zeitpunkt einer Corona-Infektion könnte eingetragen werden. Diese neuen Informationen lassen sich mit den bestehenden Datensätzen verknüpfen, um neue Erkenntnisse über die Langzeitfolgen zu gewinnen.
Damit die Pläne Realität werden, braucht es unter anderem den Segen des Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, der in Datenschutzfragen für das RKI als Bundesbehörde zuständig ist. Da die neuen Funktionen über die aktuelle Datenschutzvereinbarung mit den Nutzern hinausgehen würde, bräuchte es außerdem eine neue Vereinbarung.
Data4Life-App erweitert
Für die Umsetzung käme unter anderem eine Kooperation mit dem durch das Hasso-Plattner-Institut finanzierten Non-Profit-Unternehmen Data4Life infrage. Das veröffentlichte im Februar gemeinsam mit der Berliner Charité die CovApp und entwickelte mit der Data4Life-App einen eigenen Corona-Symptomchecker. Der wurde vor Kurzem um eine Funktion für Langzeitbeschwerden erweitert.
„Wir wissen derzeit weder, wen Langzeitbeschwerden treffen, noch wie“, sagt Cornelius Remschmidt, Chief Medical Officer von Data4Life, Handelsblatt Inside. Um die Symptome besser zu verstehen, könne eine Langzeiterhebung sinnvoll sein.
Remschmidt verweist auf eine Studie des Londoner King’s College mit 4.000 Teilnehmern. Bei 13 Prozent der Covid-19-Patienten hielten die Symptome länger als vier Wochen an, bei rund fünf Prozent sogar länger als acht Wochen.
„Derzeit gibt es wenig Möglichkeiten, Symptome kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum digital zu erfassen“, sagt Remschmidt. Deswegen habe man die Funktionen der Data4Life-App erweitert. Bislang verlassen die Daten allerdings nicht das Handy der rund 10.000 Nutzer und können nicht von Forschern ausgewertet werden. Die soll sich künftig ändern, vielleicht ja mit einem Partner wie dem RKI.