Jördis Frommhold im Interview: Long-Covid-Expertin: „Meine Patienten sind oft junge Leistungsträger – für sie bricht eine Welt zusammen“
„Es gibt auch Patienten, die sich einfach nicht mehr belasten können, die schon bei einem einfachen Spaziergang aus der Puste kommen“, sagte die Expertin für Long Covid.
Foto: IMAGO/Jürgen HeinrichBerlin. Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen: Eine Corona-Infektion kann teils schwerwiegende Langzeitfolgen nach sich ziehen. „Es kann jeden treffen“, sagt Jördis Frommhold, Chefärztin für Atemwegserkrankungen an der Medianklinik in Heiligendamm. In ihrer Klinik behandelt sie genau solche Patienten mit Langzeitfolgen. „Meine Patienten sind oft junge Leistungsträger“, sagt sie. „Für die bricht mit der Diagnose eine Welt zusammen.“
Besonders stark Betroffene „einfach so in ihrem Job weiterarbeiten zu lassen, wird in den meisten Fällen nicht funktionieren“, sagt sie. „Damit müssen wir als Gesellschaft lernen umzugehen.“ Auch Unternehmen könnten dabei helfen. „Es ist schon ein Anfang, wenn Arbeitgeber eine stufenweise Wiedereingliederung unterstützen“, sagt sie. „Ein weiterer Schritt wäre, dass auch die Betriebsärzte geschult werden und Übungen im Betrieb fördern.“ Auch Chefs müssten sensibilisiert werden.
Sie empfiehlt Infizierten vorbeugende Atemübungen und die Erkrankung vollständig ausheilen zu lassen. „Der ein oder andere wird sagen: ,Ich habe ja nur ein bisschen Halsschmerzen, eine laufende Nase, ein bisschen Husten, das ist ja gar nicht so schlimm'“, sagt Frommhold. „Die sind möglicherweise auch negativ getestet, gehen wieder zur Arbeit und geben 120 Prozent. Die schaden sich selbst.“