Medizin: Mit Killerzellen gegen Krebs: Forscher treiben revolutionäre Therapie voran
Die neuartigen Immuntherapien markieren aus Sicht vieler Experten eine neue Ära der Krebsbehandlung,
Foto: HandelsblattFrankfurt. Seit neun Jahren feiert Emily Whitehead zweimal im Jahr Geburtstag. Einmal, weil sie ein Jahr älter geworden ist, und einmal, weil sie ein weiteres Jahr krebsfrei ist. Das hat die heute 16-jährige Amerikanerin einem revolutionären Therapiekonzept zu verdanken, dem Forscher der University of Pennsylvania und der Schweizer Pharmakonzern Novartis vor wenigen Jahren zum Durchbruch verhalfen.
Im Alter von fünf Jahren erkrankte Emily an Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL), dem häufigsten und sehr bösartigen Blutkrebs im Kindesalter. Als keine konventionelle Therapie mehr anschlug, entschlossen sich die Ärzte im Children’s Hospital von Philadelphia 2012 zu einer revolutionär neuen Behandlung, die sich damals noch in einem frühen, experimentellen Stadium befand: einer sogenannten CAR-T-Therapie.
CAR steht in diesem Fall für chimäre Antigen-Rezeptoren. Mit diesen künstlichen Rezeptoren werden bestimmte Immunzellen der Patienten, die T-Zellen, ausgerüstet und auf diese Weise darauf programmiert, an Krebszellen anzudocken und diese zu vernichten.
Nicht nur Emily Whitehead hat das Verfahren von ihrer Krebserkrankung befreit, auch viele weitere Blutkrebspatienten verdanken dem revolutionären Verfahren inzwischen ihr Überleben. Seit 2017 ist die von Novartis und der Pennsylvania University entwickelte Therapie unter dem Namen Kymriah offiziell zugelassen, ebenso wie vier weitere CAR-T-Therapien der US-Firmen Gilead und Bristol-Myers Squibb.