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Remdesivir, Thalidomid, Gilenya Diese Wirkstoffe könnten gegen das Coronavirus helfen

Forscher und Pharmaunternehmen arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung von Wirkstoffen gegen das Coronavirus. Ein Impfstoff wird aber auf sich warten lassen.
26.02.2020 - 15:27 Uhr Kommentieren
Durch die Untersuchung der Proben soll die genetische Struktur des Virus analysiert und identifiziert werden können. Quelle: dpa
Coronavirus-Testlabor am Glasgow Royal Infirmary Lehrkrankenhaus

Durch die Untersuchung der Proben soll die genetische Struktur des Virus analysiert und identifiziert werden können.

(Foto: dpa)

Frankfurt Während sich das Coronavirus in immer mehr Ländern ausbreitet, stehen wirksame und eingehend geprüfte Medikamente und Impfstoffe gegen die Infektion mit Sars-CoV-2 noch nicht zur Verfügung. Die Suche nach solchen Wirkstoffen wurde in den letzten Wochen jedoch intensiviert. Zahlreiche klinische Studien wurden gestartet oder sind geplant.

Und da grundlegende Neuentwicklungen zu viel Zeit erfordern würden, konzentriert sich die Forschung vor allem auf bereits etablierte Medikamente sowie auf Substanzen, die zumindest in einem gewissen Umfang klinisch erprobt wurden.

Als potenziell stärkste Waffe kristallisiert sich dabei zusehends das Entwicklungsprodukt Remdesivir von der US-Pharma- und Biotechfirma Gilead Science heraus. Es ist ein Wirkstoff, der noch nicht zugelassen ist und sich bisher in Phase II der klinischen Tests befindet.

Bruce Aylward, ein Assistenz-Direktor der Weltgesundheitsorganisation WHO, bezeichnete das Molekül Agenturberichten zufolge sogar als das einzige verfügbare Medikament, das echte Wirksamkeit gegen das Coronavirus haben könnte.

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    Allerdings ist die Evidenz dafür bisher noch sehr dünn. Denn Gilead hat das Mittel bisher nur an vergleichsweise wenigen Patienten in einer Phase-II-Studie getestet. „Wir haben daher noch nicht genügend Verständnis von der Wirkung des Mittels, um einen breiten Einsatz zu rechtfertigen“, warnt der US-Hersteller.

    Allerdings hat Gilead inzwischen mit chinesischen Gesundheitsbehörden zwei größere Studien mit insgesamt mehr als 700 Teilnehmern gestartet, die Remdesivir gezielt gegen den Corona-Erreger testen. Gilead erwartet, dass die Resultate bis Ende April vorliegen werden.

    China hat Patente noch nicht umfassend erteilt

    Bei Remdesivir handelt es sich um ein Nukleotidanalog, das ein Enzym blockiert, das Viren zur Vermehrung benötigen. Ähnliche Wirkstoffe werden zum Beispiel bei der Aids-Behandlung eingesetzt – ein Gebiet, auf dem Gilead führender Anbieter ist.

    In Tierversuchen hat Remdesivir laut Gilead relativ breite antivirale Wirkung gezeigt, unter anderem auch gegen die mit Sars-CoV-2 verwandten Erreger der Mers- und Sars-Infektionen. Das wiederum werten die US-Forscher als Indiz dafür, dass das Mittel auch gegen den Corona-Erreger wirken könnte.

    Unabhängig von den Studien will Gilead den Wirkstoff auch im Rahmen von Härtefallanwendungen für besonders schwer erkrankte Patienten zur Verfügung stellen, für die es keine anderen Optionen mehr gibt.

    Unklar ist, inwieweit der US-Konzern dabei einen Patentschutz für den Wirkstoff besitzt. China hat die bisher beantragten Patente noch nicht voll erteilt. Stattdessen haben Forscher des Virologie-Instituts in Wuhan laut Bloomberg ein eigenes Patent für den Einsatz der Substanz gegen das Coronavirus beantragt. Mehrere chinesische Pharmahersteller haben danach bereits die Produktion des Wirkstoffs aufgenommen.

    Neben Gilead haben auch andere Pharmafirmen und akademische Institutionen in den vergangenen Wochen die Suche nach potenziellen Mitteln gegen die Corona-Infektion deutlich verstärkt.

    Die Datenbank clinicaltrials.gov listet inzwischen 54 bereits laufende oder geplante klinische Studien im Zusammenhang mit der Epidemie auf. Das sind mehr als dreimal so viele wie noch Ende Januar. Bei 38 davon geht es um mögliche Medikamente oder Impfstoffe, weitere 16 Studien sind sogenannte Beobachtungsstudien.

    Geplant oder bereits gestartet ist auch eine Reihe von Studien mit antiviralen Medikamenten, die bisher schon für die Behandlung anderer Krankheiten zugelassen sind. Dazu gehören etwa die Aids-Mittel Darunavir (von Johnson & Johnson) und Kaletra (Abbvie) sowie das Grippemedikament Tamiflu von Roche.

    Contergan-Wirkstoff könnte helfen

    Darüber hinaus suchen Forscher inzwischen auch verstärkt nach Medikamenten, die zwar nicht direkt gegen den Erreger wirken, wohl aber in der Lage sein könnten, Organschäden durch besonders schwere Infektionen zu mindern. Im Zuge dieser Strategien plant die chinesische Wenzhou Medical University nun auch zwei Studien mit dem Wirkstoff Thalidomid, der einst als maßgeblicher Bestandteil des Schlafmittels Contergan traurige Berühmtheit erlangte.

    Die Forscher der Universität verweisen darauf, dass sich mit Thalidomid relativ sicher und effektiv schwere Lungenschädigungen bei Infektionen mit dem H1N1-Influenza-Virus verhindern ließen. Sie glauben, dass sich der Wirkstoff auch bei schwerwiegenden Corona-Infektionen als vorteilhaft erweisen könnte.

    Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei schweren Verläufen von Infektionen – so offenbar auch beim Coronavirus – am Ende vor allem eine Art Überreaktion des Immunsystems das größte Problem darstellt. Weil Immunzellen Entzündungsfaktoren im Übermaß ausschütten und einen sogenannten „Zytokin-Sturm“ auslösen, werden die Blutgefäße durchlässig und es kommt zum Organversagen – zum Beispiel auch der Lunge. Auch die bei Infektionen generell gefürchtete Sepsis geht letztlich auf diesen Effekt zurück.

    Thalidomid wirkt dämpfend auf bestimmte Botenstoffe des Immunsystems und könnte damit auch bei schweren Corona-Infektionen gefährliche Überreaktionen der Immunabwehr vermeiden oder mildern, so die Hoffnung der chinesischen Forscher. Schon seit Langem wird das Molekül für die Behandlung bestimmter Formen von Lepra und gegen verschiedene Blutkrebsarten eingesetzt.

    Andere Wirkstoffe, die getestet werden, sind Kortisone und auch zum Beispiel das Multiple-Sklerose-Medikament Gilenya von Novartis. Auch diese Substanzen wirken dämpfend auf das Immunsystem.

    RNA-Impfstoffe machen Hoffnung

    Auch mit Blick auf mögliche Impfstoffe laufen die Forschungsarbeiten mit Hochdruck. Bis wirksame und erprobte Impfstoffe in großer Menge zur Verfügung stehen, dürfte es jedoch noch mindestens ein halbes Jahr oder noch länger dauern.

    Für Furore sorgte die Meldung des amerikanischen Biotechunternehmens Moderna, dass man nun einen ersten Impfstoffkandidaten an das amerikanische Nationale Institut für Infektionskrankheiten geliefert habe. Erste Tests mit diesem Produkt sollen Ende April bei einer kleinen Gruppe von gesunden Probanden starten. Die Reaktion auf die Meldung: Die Moderna-Aktie legte am Dienstag gegen den allgemeinen Trend um mehr als ein Viertel zu.

    Das US-Unternehmen gehört neben den deutschen Firmen Biontech und Curevac zu den führenden Vertretern von Biotechfirmen, die an Medikamenten und Impfstoffen auf Basis der Boten-Nukleinsäure (mRNA) arbeiten. Bei dieser Substanz handelt es sich um ein Gegenstück zum Erbmolekül DNA, das dafür sorgt, das Geninformationen in den Zellen in Eiweißstoffe (Proteine) übersetzt werden.

    Bei der Impfstoff-Entwicklung versucht man diesen Effekt zu nutzen, indem man Zellen dazu bringt, unschädliche Bestandteile des Virus zu produzieren. Gegen diese im Körper erzeugten Virusteile soll das Immunsystem dann Antikörper generieren, so dass sich ein Schutz gegenüber dem echten Virus entwickelt. Der Vorteil der Technologie besteht darin, dass potenzielle RNA-Impfstoffe relativ schnell generiert werden können, wenn die Gensequenz der Erreger bekannt ist.

    Ob das Konzept tatsächlich funktioniert, ist bisher allerdings noch nicht belegt. Bislang wurden weder Medikamente noch Impfstoffe auf Basis von mRNA zugelassen. Sollte sich der Moderna-Impfstoff in den ersten Tests als sicher erweisen, müsste er zunächst noch in einer zweiten, deutlich größeren Studie auf Wirksamkeit getestet werden. Diese Studie könnte sechs bis acht Monate dauern. Erst danach würde der Impfstoff für den Masseneinsatz zur Verfügung stehen.

    „Sterberate ist aktuell fünf- bis zehnmal so hoch wie bei der Grippe“

    Neben Moderna arbeitet auch die Tübinger Firma Curevac in Kooperation mit der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), einer öffentlich-privaten Partnerschaft zur Beschleunigung der Impfstoffentwicklung, an RNA-Impfstoffen gegen das Coronavirus. Ziel sei es, einen sicheren Impfstoffkandidaten schnellstmöglich in einer klinischen Studie zu testen, heißt es.

    Die bereits im Januar vereinbarte Kooperation baut auf der bereits bestehenden Partnerschaft zwischen Curevac und CEPI zur Entwicklung einer schnell einsetzbaren Impfstoff-Plattform auf.

    Sie beinhaltet eine Finanzierung durch CEPI von bis zu 8,3 Millionen US-Dollar für eine beschleunigte Impfstoffentwicklung und -herstellung sowie für klinische Studien. CEPI wird vom Bundesforschungsministerium mit einer Summe von 90 Millionen Euro mitgetragen. Ein Zeitplan für den Beginn möglicher klinischer Studien wurde von CEPI und Curevac bisher noch nicht genannt.

    Mehr: Wie gefährlich ist das Coronavirus? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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