IT-Sicherheit: Wie sich Cyberkriminelle den Trend zum Homeoffice zunutze machen
Das Arbeiten daheim birgt auch IT-Risiken.
Foto: imago images/photothekDüsseldorf. Das Telefon von Wolfgang Straßer steht seit Wochen nicht mehr still. Er ist Geschäftsführer bei Add Yet, einer Beratungsgesellschaft für IT-Sicherheit aus dem nordrhein-westfälischen Leichlingen. Seit fast 20 Jahren berät Straßer Mittelständler und Großkonzerne in Fragen der Cybersicherheit. Doch einen Ansturm wie derzeit hat der Manager und Berater in seiner Karriere noch nicht erlebt. „Bei uns ist die Hölle los“, sagt Straßer. „Derzeit haben wir sicher ein Drittel mehr Anfragen als sonst.“
Das hohe Interesse an seiner Arbeit begründet Straßer mit dem Coronavirus. Denn die Pandemie hat nicht nur dem Homeoffice, sondern gleichzeitig auch Cyberangreifern einen regelrechten Boom beschert. Hunderttausende Angestellte in ganz Deutschland mussten plötzlich ins heimische Arbeitszimmer umziehen, als die Pandemie Anfang des Jahres nach Asien auch Europa erreicht hatte. Dort arbeiten sie oft mit Geräten, die schlechter geschützt sind als der Arbeitscomputer im Büro – mit teilweise dramatischen Folgen für die Sicherheit der Unternehmen.
Immer häufiger gerät das produzierende Gewerbe ins Visier der Hacker. Im August wurde der Osnabrücker Kupferverarbeiter KME Opfer einer Attacke durch Unbekannte. Zeitweise musste der Konzern die Produktion zurückfahren, weil wichtige Daten von den Servern nach dem Angriff nicht mehr abrufbar waren. Ähnliches erlebte 2019 der Aluminiumhersteller Norsk Hydro, der von Computerkriminellen mit einer Software, die Firmendaten verschlüsselte, erpresst worden war.