Arbeitnehmerrechte: Größere Gehaltstransparenz führt zu niedrigeren Gehältern
Zu wissen, was die Kollegen verdienen, hat für Arbeitnehmer nicht nur Vorteile. Der sogenannte Gleichgewichtseffekt sorgt sogar für Nachteile in Verhandlungen.
Foto: ImagoFrankfurt. Gehaltstransparenz im Unternehmen gilt bei Beschäftigten und Betriebsräten als gute Sache. Wenn der Informationsvorsprung der Arbeitgeber beseitigt wird, können die Beschäftigten besser verhandeln, lautet das Kalkül. Auch Gehaltsdiskriminierung nach Geschlecht oder anderen Merkmalen wird so leichter erkennbar.
Aus solchen Gründen erklären Gerichte regelmäßig Klauseln in Arbeitsverträgen für nichtig, die Beschäftigten verbieten, ihr Gehalt zu offenbaren. Auch das deutsche Entgelttransparenzgesetz setzt auf Informationsrechte für die Beschäftigten, um gleicher Bezahlung von Männern und Frauen näher zu kommen. Diskutiert wird außerdem über eine Pflicht zur Veröffentlichung der Gehaltsrelation von Topmanagern zu Durchschnittsbeschäftigten, um vertikale Ungleichheit in der Bezahlung zu dämpfen.
Die Harvard-BWL-Professorin Zoë Cullen hat in zwei Studien mit verschiedenen Koautoren genauer hingesehen, mit überraschenden Ergebnissen: „Wir stellen fest, dass Gehältertransparenz die Löhne um sieben bis 25 Prozent drückt“, lautet das Resümee des Aufsatzes „Equilibrium Effects of Pay Transparency“. Der Gewinn der Unternehmen steige prozentual sogar noch etwas stärker. Informationsrechte könnten für Frauen als Mittel zum Abbau ihres Gehaltsnachteils sogar nach hinten losgehen, mutmaßen sie.