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Epic Games So will Fortnite-Entwickler Tim Sweeney Apples „absolutes Monopol“ brechen

Mit „Fortnite“ hat Tim Sweeney mehr als ein Computerspiel geschaffen. Im Streit über Apples Gebühren geht es daher auch um mehr als Geld.
26.08.2020 - 13:59 Uhr Kommentieren
Epic Games: Fortnite-Enwtickler Tim Sweeney kritisiert Apple Quelle: AFP
Tim Sweeney

Das Computerspiel Fortnite sieht der Epic-Games-Chef als ersten Schritt in die rein virtuelle Welt des Metaversums.

(Foto: AFP)

San Francisco Eigentlich hat Tim Sweeney gar nichts gegen Apple. Auf einem Apple II+ lernte der 50-jährige, selbst erklärte „Computer-Nerd“ Anfang der 1980er-Jahre das Programmieren, schrieb der Gründer des Spieleentwicklers Epic Games kürzlich auf Twitter.

„Wo ist das Unternehmen, das den PC erfunden hat, heute?“, fragte Sweeney dann rhetorisch. In einem anderen Tweet nannte Sweeney Apple das „App-DMV“, eine Anspielung auf die US-Führerscheinstelle, die Amerikanern als Inbegriff kafkaesker Bürokratie gilt.

Mit seinen rigiden Regeln für Entwickler in seinem App Store habe Apple seine eigenen Ideale verraten – das ist die Botschaft, mit der Sweeney in die Schlacht gegen den iPhone-Konzern zieht. Sweeney will, dass Apple auf seinem Betriebssystem weitere App Stores zulässt, die Apple Konkurrenz machen können. In Epics eigenem App Store zahlen Entwickler statt 30 nur zwölf Prozent Provision.

Nur ist der eben nicht zugelassen, um Spiele auf iPhones oder iPads zu installieren. Apples App Store sei ein „absolutes Monopol“, schimpft Sweeney.

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    Mit „Fortnite“ hat Sweeneys Unternehmen Epic Games einen der größten Umsatzbringer des App Stores entwickelt. Viele Millionen Spieler weltweit kämpfen darin in Teams gegeneinander ums Überleben, „Battle Royale“ – königliche Schlacht – heißt das Format. Eine königliche Schlacht hat nun auch Sweeney angezettelt. Vor zwei Wochen provozierte er Apple so offen, dass das Unternehmen Fortnite aus seinem App Store schmiss.

    Mehr noch: Apple wollte nicht mal mehr Spiele zulassen, die andere Entwickler mit der „Unreal Engine“ entwickelt hatten. Ein Verbot von Epics Entwicklungsprogramm für Computerspiele hätte zahlreiche große Spielefirmen getroffen.

    Seit Jahren Beschwerden über Apple

    Epic Games hatte da schon seine Kartellklage gegen Apple vorbereitet. Man wolle zwar keine bislang gezahlten Provisionen zurück, aber Apple zwingen, Wettbewerb auf seinen Geräten zuzulassen. Es gehe nicht um Vorzugsbehandlung, sondern faire Bedingungen für alle Entwickler.

    Am ersten Verhandlungstag am Montag traf die Richterin eine Eil-Entscheidung, die für beide Seiten einen Teilsieg bedeutete: Apple dürfe Fortnite sperren, weil Epic bewusst gegen die bekannten App-Store-Regeln verstoßen habe – die mit der „Unreal Engine“ entwickelten Apps aber nicht.

    Tatsächlich beschweren sich viele große und kleine App-Entwickler seit Jahren über Apple: Vom Musikstreamingdienst Spotify über den Dating-App-Anbieter Match bis zu Microsoft, das Epic im aktuellen Streit unterstützt. Dabei hatte Sweeney einen ähnlichen Streit vor einigen Jahren schon gegen Microsoft angezettelt.

    Der Studienabbrecher hätte solche Kabale eigentlich nicht nötig. Epic Games wird von seinen Investoren – darunter Sony und Blackrock – mit 17,5 Milliarden Dollar bewertet, Sweeney hält noch immer die Mehrheit der Stimmrechte, was ihn zum Multimilliardär macht.

    Doch Sweeney ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Milliardär. Ein Naturfreund, der statt auf Konferenzbühnen lieber in der Wildnis wandern geht und sein Unternehmen nicht im Silicon Valley oder Los Angeles ansiedelte, sondern im verträumten Uni-Städtchen Cary in North Carolina, zwischen den Blue Ridge Mountains und dem Atlantik.

    Als Sweeney 2012 Kapital brauchte, holte er sich lieber den chinesischen Digitalkonzern Tencent ins Haus als das kalifornische Traditions-Filmstudio Warner Brothers, weil er nur mit dem Tencent-Deal die Mehrheit über Epic Games behielt. Denn Sweeneys Vision geht über Fortnite und Computerspiele hinaus. Seit Jahren spricht er schon vom „Metaversum“, einer Fortentwicklung des Internets in der virtuellen Realität, die auf den Science-Fiction-Autor Neal Stephenson zurückgeht.

    In der virtuellen Welt des Metaversums

    Fortnite sieht Sweeney als ersten Schritt in ein Metaversum. In der virtuellen Welt werden nicht mehr nur Schlachten gespielt, auch Freunde treffen sich dort, um sich zu unterhalten. Langfristig soll das Metaversum eine eigene Ökonomie entwickeln, in der Entwickler Produkte und Dienstleistungen rein für diese virtuelle Welt entwickeln können. Im April, in den ersten Wochen der Corona-Ausgangssperren, besuchten bereits 28 Millionen Spieler ein Konzert des Rappers Travis Scott in Fortnite.

    „Apple hat das Metaversum verboten“, schrieb Sweeney schon Anfang August. Damals hatte Apple angekündigt, keine Spiele-Abodienste wie Microsofts xCloud oder Googles Stadia zuzulassen, weil es nicht jedes einzelne Spiel darin überprüfen könne.

    Dieses Prinzip mache um ein Vielfaches komplexere virtuelle Welten quasi unmöglich. In Sweeneys Worten: Wie soll eine „App-Führerscheinstelle“ eine dynamische Welt administrieren, in der jeden Tag neue virtuelle Banken, Konzerthallen und Freizeitparks entstehen können?

    Es ist eine Frage, die weit über ein Computerspiel hinausgeht. Im September wird der Prozess fortgesetzt.

    Mehr: Epic Games’ Rebellion gegen Apple und Google könnte richtungsweisend sein

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