Flugzeug-Unglück: Mehr als 200 Tote bei Absturz von Air-India-Flug in Indien
Ahmedabad. Eine Boeing 787 (Dreamliner) der Fluggesellschaft Air India ist in der indischen Stadt Ahmedabad im westlichen Bundesstaat Gujarat abgestürzt. Der Air-India-Flug 171 war kurz zuvor vom dortigen Flughafen gestartet und auf dem Weg nach London Gatwick. Laut der indischen Zeitung „Times of India“ stürzte das Flugzeug in dem Viertel Meghani ab.
Bei dem Absturz sind nach Angaben der Airline 241 Insassen des Fluges ums Leben gekommen. Ein Passagier hat Air India zufolge den Absturz überlebt.
Boeing äußerte sich am Donnerstag nach dem Unglück: „Wir sind mit Air India wegen Flug 171 im Austausch und sind bereit, sie zu unterstützen. Wir sind in Gedanken bei den Passagieren, der Crew, den Ersthelfern und allen Betroffenen.“ Was den Unfall verursachte, ist bislang nicht bekannt.
Auf Videoaufnahmen ist eine hohe Rauchsäule zu sehen. An Bord waren nach Angaben der Airline 230 Passagiere und zwölf Crewmitglieder. Unter den Passagieren waren laut Air India 169 indische Staatsbürger, 53 Briten, sieben Portugiesen und ein Kanadier.
Das Flugzeug stürzte in die Kantine eines Hostels für Ärzte, wo sich Medizinstudenten aufhielten. Noch sei unklar wie viele Menschen in dem Gebäude getötet wurden, in das das Flugzeug hineinstürzte. Leichenteile seien doppelt gezählt worden, erklärte eine Vertreterin der Polizei am Abend.
In Ahmedabad seien bei dem Absturz offenbar mehrere Gebäude beschädigt worden, wie lokale Medien berichten.
Funkverbindung kurz nach dem Start verloren gegangen
Das Flugzeug hatte Daten von Flightradar24 zufolge eine Höhe von 625 Fuß (rund 190 Metern) und eine Geschwindigkeit von 174 Kilometern pro Stunde erreicht. Die Verbindung zu dem Flugzeug sei laut der Plattform um 13.38 Uhr Ortszeit verloren gegangen – weniger als eine Minute nach dem Start.
„Wir sind schockiert, als wir von dem Flugzeugabsturz in Ahmedabad erfahren haben“, sagte der indische Minister für zivile Luftfahrt Kinjarapu Ram Mohan Naidu. Seine Behörde sei in höchster Alarmbereitschaft. „Wir unternehmen alle Anstrengungen, damit medizinische Hilfe schnellstmöglich an die Absturzstelle gelangt“, teilte er mit.
Der indische Regierungschef Narendra Modi spricht den Betroffenen auf X sein Beileid aus. „Die Tragödie in Ahmedabad lässt uns fassungslos und traurig zurück. Es ist unbeschreiblich herzzerreißend“, schreibt Modi. Er sei mit den zuständigen Ministern und Behörden in Kontakt. Bei dem Unglück wurde auch Vijay Rupani, ein Parteifreund Modis und ehemaliger Regierungschef des Bundesstaats Gujarat getötet.
Der Premierminister des Vereinigten Königreichs Keir Starmer sagte dem Sender Sky News: „Die Bilder des Flugzeugs, das auch viele britische Bürger transportierte und in der indischen Stadt Ahmedabad abstürzte, sind erschütternd.“ Auch die Regierungschefs von Kanada und Portugal, Mark Carney und Luis Montenegro drückten ihr Mitgefühl aus.
Air-India-Vorstandschef Campbell Wilson sagte in einem am Donnerstag veröffentlichten Video: „Es ist ein schwieriger Tag für uns alle bei Air India. Wir fokussieren alle unsere Kräfte auf die Bedürfnisse unserer Passagiere, Crewmitglieder sowie deren Angehörigen und Nächsten.“ Die Tata Gruppe verspricht, den Familien der Opfer Zahlungen in Höhe von zehn Millionen Rupien zukommen zu lassen – das entspricht 100.800 Euro.
US-Präsident Donald Trump bot Unterstützung an. Indien sei ein „großes“ und „starkes“ Land, doch die Vereinigten Staaten stünden bereit, im Bedarfsfall sofort Hilfe zu leisten, sagte der Republikaner bei einer Veranstaltung im Weißen Haus in Washington. Trump zeigte sich betroffen und sprach von einem „furchtbaren Absturz“ und „einem der schlimmsten in der Geschichte der Luftfahrt“. Niemand wisse bislang, was vorgefallen sei.
Laut Flightradar wurde das Flugzeug vor elf Jahren an die Airline ausgeliefert.
Insgesamt betreibt Air India nach Angaben der Unternehmenswebsite eine Flotte von 192 Flugzeugen von Airbus und Boeing, darunter 34 vom Typ 787. Die meisten sind mehr als zehn Jahre alt. Im Jahr 2023 hatte Mutterkonzern Tata eine Bestellung von 470 Flugzeugen aufgegeben, um die Flotte zu modernisieren und auszubauen.
Laut Daten des Portals Netzwerk für Flugsicherheit ist es das erste Mal, dass ein Dreamliner abstürzt.
Bereits in der Vergangenheit hatte Boeing Probleme mit der 787. Im vergangenen Jahr sorgten „technische Probleme“ bei einem Dreamliner dafür, dass das Flugzeug in Turbulenzen geriet und mindestens 50 Menschen verletzt wurden. In den Jahren zuvor fand die US-Luftfahrtaufsicht FAA Mängel an den Frachträumen des Dreamliners und bei der Montage des Rumpfs.
Zuletzt machte auch ein anderes Modell des Flugzeugbauers negative Schlagzeilen: Ende des vergangenen Jahres kamen bei einem Unglück einer Boeing-Mittelstreckenmaschine 179 Personen ums Leben, an einer Boeing 737 Max hatten sich bei einem Flug über den USA Schrauben gelöst und ein Teil brach heraus.
Die Pannenserie bei dem Flugzeughersteller hatte auch personelle Konsequenzen. Im Frühjahr des vergangenen Jahres kündigte der damalige Boeing-Chef Dave Calhoun seinen Rückzug an. Am Donnerstag verliert die Boeing-Aktie nach dem Unglück in Indien mehr als vier Prozent.