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Reisekonzern Drittes Milliarden-Hilfspaket für Tui – Staat könnte zum Großaktionär werden

Der Reisekonzern hat sich mit privaten Investoren, Banken und Bund auf ein Paket in Höhe von 1,8 Milliarden Euro geeinigt. Auch eine Kapitalerhöhung ist geplant.
02.12.2020 Update: 02.12.2020 - 21:01 Uhr Kommentieren
Der Konzern ist bereits zweimal vom Staat finanziell gestützt worden. Quelle: Reuters
Tui-Schild

Der Konzern ist bereits zweimal vom Staat finanziell gestützt worden.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Der durch die Coronakrise schwer angeschlagene Tourismuskonzern Tui erhält zum dritten Mal eine Milliarden-Unterstützung des Staates. Wie der Konzern in Hannover am Mittwoch mitteilte, umfasst das Gesamtpaket eine Summe von weiteren 1,8 Milliarden Euro, an dem sich nach eigenen Angaben nun auch der russische Großaktionär Alexej Mordaschow beteiligen will.

Zuletzt war Tui über zwei Tranchen mit KfW-Krediten in Höhe von insgesamt 2,85 Milliarden Euro gestützt worden. Weitere 150 Millionen Euro schoss der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Form einer Wandelanleihe zu, die dem Staat nach ihrem Ablauf eine neunprozentige Beteiligung verschafft hätte.

Nach der am Mittwoch geschlossenen Vereinbarungen wird sich die Staatsbeteiligung voraussichtlich erhöhen. So gewährt der WSF dem Tourismuskonzern eine stille Einlage über 420 Millionen Euro, die in Aktien umgewandelt werden kann – neben einer nicht wandelbaren stillen Einlage über weitere 280 Millionen Euro.

Im Fall einer Wandlung der 420-Millionen-Euro-Einlage, teilte Tui in einer Ad-hoc-Meldung mit, käme es zu einer Staatsbeteiligung von „nicht mehr als 25 Prozent plus eine Aktie“. Dem Staat fiele damit ein Vetorecht auf der Hauptversammlung zu.

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    Die Einigung über die stillen Einlagen steht noch unter dem Vorbehalt der Europäischen Kommission, die dem Unterfangen eine beirechtliche Zustimmung erteilen muss. Auch die Kartellbehörden müssen den Deal genehmigen. Weiter hinzu kommt eine Staatsgarantie über 400 Millionen Euro – oder alternativ eine nicht wandelbare Stille Einlage des WSF in gleicher Höhe.

    Auch die staatliche Förderbank KfW gewährt eine weitere Kreditlinie über 200 Millionen Euro, während ein Teil der bisherigen Kreditlinien – Tui spricht von 500 Millionen Euro, die zum April 2021 ausgelaufen wären – bis zum Juli 2022 verlängert werden.

    Kritik von der FDP

    Der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, hat mit scharfer Kritik auf die weitere Staatshilfen reagiert. „Bundeswirtschaftsminister Altmaier wird als Verstaatlichungs-Minister in trauriger Erinnerung bleiben, der Konzerne mit milliardenschweren Subventionen verstaatlicht und dem Mittelstand die existenziellen und versprochenen Hilfen weiter schuldig bleibt“, sagte Theurer dem Handelsblatt. Das sei mittelstandsfeindlich und nach den staatlichen Hilfen für die Lufthansa „der nächste ordnungspolitische Sündenfall“.

    Gastwirte, Kulturschaffende und Solo-Selbstständige warteten hingegen weiter auf die Novemberhilfen und müssten sogar den nächsten Teil-Lockdown fürchten. „Um eine Pleitewelle zu verhindern, muss die Bundesregierung die Abschlagszahlungen bei den Novemberhilfen des Bundes auf bis zu 500.000 Euro anheben“, verlangte Theurer.

    „Mit den Maßnahmen sichert der Konzern die Liquidität für eine weiter anhaltende Pandemie in 2021“, erklärte Tui-Vorstandschef Fritz Joussen, „gleichzeitig verbessern wir langfristig unsere Bilanzstrukturen.“ Das Gesamtpaket aus unterschiedlichen Finanzierungsmitteln verschiedener Partner zeige das breite Vertrauen aller Beteiligten in die Zukunft des Tourismus und des Tui-Konzerns.

    Tui-Aktie mit Kursverlusten

    Das Unternehmen flankiert die Hilfen mit einer umfangreichen Eigenkapitalmaßnahme. Danach wird das Grundkapital von 2,56 auf einen Euro pro Aktie herabgesetzt, um anschließend 500 Millionen neue Aktien zu emittieren und damit das Kapital zu erhöhen. Das muss aber erst eine außerordentliche Hauptversammlung genehmigen.

    Unifirm, eine Zwischenholding des Großaktionärs Mordaschow, die aktuell 24,9 Prozent an Tui hält, hat nach eigener Auskunft zugesagt, ihr Bezugsrecht im Rahmen der Kapitalerhöhung auszuüben. Sollten sich die übrigen Aktionäre, darunter die Hotelfamilie Riu und die ägyptische Milliardärsfamilie El Chaty nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen, will Mordashow entsprechend weitere Anteile übernehmen.

    Falls ihn die Bafin von einem Pflichtangebot entbindet, will er die Beteiligung auf bis zu 36 Prozent ausbauen, falls nicht, will er sie auf 29,9 Prozent beschränken. Die Einnahmen aus der Kapitalerhöhung sollen einen im Oktober 2021 fälligen Bond über 300 Millionen Euro ablösen.

    Wie Tui erklärte, verfüge der Konzern durch die erneute Finanzierungsmaßnahme pro forma über eine Liquidität von 2,5 Milliarden Euro. Im Gegenzug müsse Tui weiterhin auf Dividendenzahlungen verzichten, ebenso auf Investitionen in andere Unternehmen. Zwei vom WSF benannte Personen sollen zudem in den Aufsichtsrat aufgenommen werden. Aufgrund der angekündigten Eigenkapital-Herabsetzung verloren die Tui-Aktie am Mittwochnachmittag fast sechs Prozent ihres Wertes.

    Das Tui-Finanzierungspaket Punkt für Punkt

    • eine Bezugsrechtskapitalerhöhung über rund 500 Millionen Euro
    • eine in Aktien der Tui wandelbare stille Einlage des Wirtschafts-Stabilisierungsfonds (WSF) in Höhe von 420 Millionen Euro
    • eine nicht wandelbare stille Einlage des WSF in Höhe von 280 Millionen Euro
    • eine Staatsgarantie über 400 Millionen Euro oder alternativ eine entsprechende Erhöhung der nicht wandelbaren stillen Einlage des WSF
    • eine zusätzliche Kreditlinie der staatlichen Förderbank KfW über 200 Millionen Euro sowie eine Verlängerung der bestehenden Kreditlinie der KfW bis Juli 2022.

    Mehr: Tui ruft offenbar erneut nach Staatshilfe

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