Start-ups: Weniger Runden, mehr Geld – deutsche Start-ups im Aufwind
Berlin. Die deutsche Start-up-Branche ist endgültig aus ihrem Nach-Corona-Tief heraus: Insgesamt wurden 2025 etwa 8,4 Milliarden Euro in Start-ups investiert – und damit fast ein Fünftel mehr als im Jahr zuvor. Damit erreichten die Investitionen den dritthöchsten jemals gemessenen Wert.
Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Start-up-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor. Nach dem Einbruch nach der Coronapandemie stellt 2025 damit das zweite Jahr in Folge dar, in dem wieder mehr Risikokapital an junge Firmen ging.
Es ist die nächste positive Nachricht aus der Start-up-Branche in kurzer Zeit. Anfang des Jahres wurde bereits bekannt, dass die Zahl der Neugründungen im vergangenen Jahr mit 3568 auf ein Rekordhoch gestiegen ist.
Zudem erreichte erstmals Mitte Januar – und nicht wie 2024 erst im Mai – eine junge Firma den Einhorn-Status in Deutschland. So werden mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertete Start-ups bezeichnet. Dieser Titel ging an die KI-Softwarefirma Osapiens aus Mannheim.
Beim Blick auf die EY-Zahlen fällt etwas besonders auf: Die Investitionen legten im vergangenen Jahr zwar zu, aber die Zahl der Deals ging deutlich zurück. Im zweiten Halbjahr waren es beispielsweise nur noch 318 Abschlüsse und damit so wenig wie zuletzt 2018.
Start-up-Experte Thomas Prüver von EY erklärt den Rückgang damit, dass es in erster Linie Start-ups seien, die „bereits erste Erfolge vorweisen können“, die an Geld kommen. Diese befinden sich in der Regel bereits in einem fortgeschrittenen Firmenstadium und benötigen entsprechend mehr Kapital.
Die Tendenz zu weniger, dafür aber größeren Deals spiegelt sich auch in der gestiegenen Zahl der Einhörner wider. Während es 2024 mit dem Fitnessspezialisten Egym nur eins war, erlangten 2025 gleich fünf diesen Status: die KI-Firmen Parloa, N8N und Black Forest Labs sowie der Drohnenhersteller Quantum Systems und die Quantenfirma IQM.
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Zugleich stemmte das KI-Rüstungs-Start-up Helsing eine der größten Finanzierungsrunden in Europa und sammelte bei Investoren 600 Millionen Euro ein. „Der Technologie-Sektor wird zunehmend zum zentralen Wachstumstreiber der deutschen Start-up-Landschaft“, sagte Prüver.
Start-ups aus Bayern liegen vorn
Unterdessen manifestierte Bayern seine Position als das Bundesland, in dem am meisten Geld in Start-ups investiert wird. Junge Unternehmen aus Bayern erhielten im vergangenen Jahr insgesamt 3,3 Milliarden Euro und damit fast eine Milliarde Euro mehr als 2024.
Auch Berlin kam auf ein deutliches Plus: Die Investitionen stiegen um eine halbe Milliarde auf knapp 2,7 Milliarden Euro. Bei der Zahl der Deals liegt die Hauptstadt noch vorn: Berlin kam auf 218 Finanzierungsrunden, Bayern auf 148.
Trotz des Aufwärtstrends fordert EY bessere Rahmenbedingungen für Innovation und Unternehmertum in Deutschland, um das Ökosystem für junge Unternehmen weiter zu fördern. Diese könnten in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld dazu beitragen, die deutsche Wirtschaft zu modernisieren, betonte Prüver.