Toan Nguyen: „Du musst dich doppelt so sehr anstrengen wie die Deutschen“
Hamburg. Um zu verstehen, wie Toan Nguyen zu einer Art Wunderkind der Werbebranche wurde, wieso er das Leben als ein Spiel betrachtet und das deutsche Aufstiegsversprechen als „German Game“ bezeichnet, muss man weit reisen.
Nicht nur in der Zeit, denn Nguyens Geschichte beginnt viele Jahre vor seiner Geburt. Sondern auch an einen Ort, der weit weg liegt von dem beschaulichen Hamburger Stadtteil, in dem der 38-Jährige heute mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt. Seine Geschichte beginnt, wie so viele Flüchtlingsgeschichten beginnen: mit einem verlorenen Krieg, einer letzten Hoffnung und einem Boot.
Nguyens Großvater war Professor für Volkswirtschaftslehre in der vietnamesischen Stadt Saigon, die heute Ho-Chi-Minh-Stadt heißt. Doch nach dem Krieg im eigenen Land, den die Südvietnamesen trotz Unterstützung der Amerikaner gegen den kommunistischen Vietcong verloren, war sein Titel nichts mehr wert. Es war klar, dass die Zukunft, so es denn eine gab, für die Familie woanders liegen musste.
Toan Nguyens Vater, damals 18 Jahre alt, bestieg gemeinsam mit seinen beiden Brüdern ein Boot, so wie viele andere Flüchtlinge aus Vietnam, die in der Folge „Boatpeople“ genannt werden sollten. Doch ihre Flucht endete in einem Zwischenlager auf einer malaysischen Insel. Die Menschen dort nannten sich selbst nur „Müll“.