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Energie

Coronavirus Sorge um kritische Infrastruktur: Energiekonzerne wappnen sich gegen Corona-Epidemie

Strom-, Gas- und Telekommunikationsnetze, Kraftwerke und Flugverkehr müssen auch in der Coronakrise funktionieren. Die Betreiber haben ihre Notfallpläne bereits angepasst.
11.03.2020 - 11:03 Uhr Kommentieren
Coronavirus: Sorge um Strom-, Gas- und Telekommunikationsnetze, Kraftwerke & Flugverkehr Quelle: Moment/Getty Images
Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg

Strom- und Telekommunikationsnetze sollen auch im Krisenfall weiter funktionieren.

(Foto: Moment/Getty Images)

Düsseldorf, Frankfurt, Berlin Wie der Ernstfall aussieht, konnten der Autozulieferer Webasto und die Wirtschaftsprüfer von EY schon erleben. In beiden Firmen hatten sich Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Ganze Bürogebäude wurden darum geräumt, Mitarbeiter und Teams in Quarantäne geschickt. Das Coronavirus breitet sich in Deutschland immer weiter aus – und beeinträchtigt zunehmend auch die Unternehmen. Doch was passiert in Unternehmen, deren Dienste unverzichtbar sind?

In Kraftwerken, den Leitwarten von Strom- und Gasnetzen, den Kontrollabteilungen der Telekommunikationsnetze oder im Tower eines Flughafens ist aber auch eine kurzfristige Quarantänemaßnahme ein Horrorszenario. Der Betrieb kritischer Infrastruktur, der für die Wirtschaft so wichtig ist, muss auch während der Coronavirus-Epidemie gewährleistet sein.

Die Bundesnetzagentur, die für die Energienetze und die Telekommunikation zuständig ist, nimmt die Situation nach eigenen Angaben jedenfalls „sehr ernst“. „Wir stehen in Kontakt zu den Übertragungsnetzbetreibern und lassen uns über die Lage und über Vorsorgemaßnahmen informieren“, sagte ein Sprecher mit Blick auf die großen Überlandleitungen für Strom.

Aktuell seien aber „weder Verdachtsfälle noch bestätigte Fälle bekannt“: „Nach unserer Einschätzung sind die Übertragungsnetzbetreiber bestmöglich auf mögliche Fälle vorbereitet.“ Ähnlich äußerte er sich zur Telekommunikation. Auch hier sieht Behörde die Branche „bestmöglich“ vorbereitet.

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    Tatsächlich gehört es für Betreiber von kritischer Infrastruktur zum Standard, sich gegen mögliche Krisen zu wappnen. Notfallpläne müssen gewährleisten, dass der Betrieb beispielsweise von Strom- oder Gasnetzen stets aufrechterhalten wird – egal ob es technische Probleme, Katastrophen oder auch Terroranschläge gibt.

    Während vergangener Epidemien wie etwa dem Ausbruch der Vogelgrippe mit dem Erreger H5N1 seit 1997 oder der Schweinegrippe mit dem Erreger H1N1 im Jahr 2009 wurden die Notfallpläne auch auf die Virusausbreitung ausgelegt. Jetzt haben die Unternehmen aus den betroffenen Branchen die Pläne auch an die aktuelle Corona-Epidemie angepasst.

    Energiekonzerne bereiten sich vor

    Dazu hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe eine aktualisierte Handlungsempfehlung speziell für Betreiber kritischer Infrastrukturen veröffentlicht. Sie warnte darin offen, eine Pandemie könnte „die Infrastruktur der Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt gefährden“.

    „Als Unternehmen tragen wir eine gesellschaftliche Verantwortung, mit dieser außergewöhnlichen Situation angemessen umzugehen“, erklären die vier Betreiber des deutschen Stromübertragungsnetzes Amprion, 50 Hertz, Tennet und TransnetBW: „Unser Anliegen ist es, jederzeit die Aufrechterhaltung unseres System- und Geschäftsbetriebes zu gewährleisten und unsere Belegschaft vor möglichen Ansteckungen zu schützen.“

    Die Netzbetreiber haben – wie viele Unternehmen in Deutschland – beispielsweise Dienstreisen in Risikogebiete ausgesetzt, aber auch Dienstreisen innerhalb Deutschlands eingeschränkt. Für die Beschäftigten in den Leitwarten, in denen die Netze geregelt werden, sowie in den für die Aufrechterhaltung des Netzes zwingend notwendigen technischen Teams gelten aber noch  „besondere Anforderungen“.

    Mit Details halten sich die Unternehmen dabei in der Regel zurück – weil sie zum Teil auch gegen andere Krisen wie Terroranschläge angewandt werden. Beim Energiekonzern Eon, der allein in Deutschland Hunderttausende Kilometer an regionalen Stromleitungen betreibt, heißt es nur: „Wir sind auf einen möglichen Krisenfall gut vorbereitet, um unsere Kunden jederzeit sicher und zuverlässig mit Strom versorgen zu können.“

    In Branchenkreisen heißt es aber, sowohl in der Leitwarte als auch in anderen kritischen Bereichen könnten die Mitarbeiter im Notfall auch über Wochen autark und weitgehend abgeschottet arbeiten und so den Netzbetrieb sicherstellen. Für solche Fälle würden ohnehin Personal, Räume und Vorräte vorgehalten. Das gelte auch für die Technik, zum Beispiel Ersatzteile für Umspannwerke oder Leitungen. Zudem hält jeder größere Netzbetreiber Reserveleitwarten vor.

    Auch die Betreiber von Kraftwerken fühlen sich gewappnet. „Eine Epidemie ist zwar eine Herausforderung, wir sind aber vorbereitet“, sagte David Bryson, Chief Operation Officer von Uniper. Das Unternehmen arbeitet mit Rotationsplänen, um stets ein einsatzfähiges Team bereit zu haben.

    Ganze Crews in Quarantäne

    Aber auch im Verkehr ist die Aufrechterhaltung des Betriebs kritisch. Die Lufthansa bereitet beispielsweise umfangreiche Maßnahmen vor, um den Flugbetrieb bei einer weiteren Ausbreitung des Virus sicherzustellen. „Wir arbeiten derzeit an Backup-Plänen für wichtige Bereiche unserer Fluggesellschaften wie etwa das Betriebskontrollzentrum, die Abfertigung und das Crewmanagement, um für den Fall, dass wir ein Gebäude schließen oder Teams in Quarantäne schicken müssen, den Betrieb aufrechterhalten können“, sagte Konzern-Chef Carsten Spohr am vergangenen Freitag in einer internen Botschaft an die Mitarbeiter.

    Unter anderem hat Lufthansa zusätzliche Mitarbeiter technisch dafür ausgerüstet, von zu Hause zu arbeiten. Auch hat man die Mitarbeiter noch einmal eindringlich daran erinnert, jeden Abend den Rechner und den für den sicheren IT-Zugang notwendigen Token (Zugangsberechtigung) mitzunehmen. Selbst eine Anleitung, wie man zu Hause Bürosoftware wie Office365 nutzt, wurde verteilt. Dort, wo es möglich ist, wurden die Aufgaben redundant ausgelegt – sodass sie zum Beispiel sowohl in Frankfurt als auch in München erledigt werden können.

    Auch bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) trifft man Vorsorge, um die Steuerung des Flugverkehrs im deutschen Luftraum sicherzustellen. So werden Dienstreisen in die betroffenen Länder und Regionen nicht mehr genehmigt. Private Reisen in betroffene Gebiete müssen angemeldet werden. Zudem haben Besucher keinen Zutritt mehr in den sensibelsten Bereich der DFS: die Lotsenarbeitsplätze. Damit soll die Ansteckungsgefahr reduziert werden.

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    Zudem wurde die dienstliche Teilnahme an Großveranstaltungen abgesagt. Auch privat rät die Geschäftsleitung dringend von der privaten Teilnahme an Großveranstaltungen ab. „Die DFS pflegt schon seit Jahren einen Pandemieplan. Der wird nun an die aktuellen Themen angepasst und bereitgehalten“, erklärt eine Sprecherin.

    Die Vorsorge der DFS ist auch deshalb so wichtig, weil Lotsenaufgaben nicht ohne Weiteres von anderer Stelle aus erledigt werden können. Für jeden Einsatzort braucht es eine eigene Schulung. Auch Heimarbeit ist hier keine Alternative. Die DFS betreibt vier Kontrollzentren, von denen aus sie den deutschen Luftraum überwacht. Daneben ist sie an 16 Flughäfen aktiv und kontrolliert dort die An- und Abflüge.

    Wenn Schulen und Kitas geschlossen werden

    Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt in seinem Schreiben den Betreibern kritischer Infrastruktur fünf zentrale Handlungsempfehlungen. Dazu zählt erstens ein Plan für Quarantänemaßnahmen. Betriebe müssen sicherstellen, dass Schlüsselfunktionen weiter ausgeführt werden können, auch wenn einige Beschäftigte gleichzeitig aufgrund von Krankheit oder Schutzvorschriften ausfallen sollten. „Dazu kann zum Beispiel gehören, dass bestimmte Teams nicht mehr zusammenarbeiten, damit sich Mitarbeiter nicht gegenseitig anstecken können“, sagte ein Insider.

    Zweitens führt das Bundesamt ein Szenario aus, in dem etliche öffentliche Einrichtungen geschlossen werden, etwa Schulen oder Kitas. Dies könnte dazu führen, dass viele Mitarbeiter ausfallen, weil sie sich um Angehörige wie ihre eigenen Kinder kümmern müssen. Das Bundesamt empfiehlt daher, alternative Arbeitsabläufe wie Homeoffice, kürzere Arbeitszeiten oder Schichtdienst vorzubereiten.

    „Wir werden noch in dieser Woche Liquiditätshilfen zur Verfügung stellen“

    Drittens beschreibt das Bundesamt, wie Prioritäten beim Beheben von Störungen gesetzt werden können. Sollte es zu massiven Engpässen beim Personal kommen, könnten nicht alle Probleme direkt gelöst werden. Die Firmen müssen entscheiden, was zu welchem Zeitpunkt wichtig ist. Dazu empfiehlt die Behörde, die Kunden entsprechend transparent zu informieren.

    Viertens sieht die Behörde den Personennahverkehr als Risiko für Betriebe. Der Verkehr etwa von Bussen oder Bahnen könnte eingeschränkt werden, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, wie etwa in Italien oder China geschehen. Dadurch könnten Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen. Dafür empfiehlt das Bundesamt Homeoffice-Lösungen oder betriebsinterne Fahrdienste.

    Als letzten Punkt warnt die Behörde vor Sperrungen von Straßen oder ganzen Regionen. „Einige der vom Coronavirus betroffenen Staaten haben Absperrgebiete eingerichtet, in Deutschland ist dies bislang nicht erforderlich“, schreibt das Amt. Dies könne sich aber in Zukunft ändern. Daher sei ein Austausch mit Behörden sinnvoll, um etwa Sondergenehmigungen zu erhalten.

    Mehr: Wie Webasto die Coronakrise in den Griff bekommen hat

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