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Energie

Energie Ölmultis verlieren Milliarden – und das Schlimmste steht den Konzernen noch bevor

Mit Total legt der letzte Branchenriese seine Zahlen vor. Das vergangene Quartal war für Ölkonzerne eine Katastrophe. Die Zeiten der ewigen Gewinne sind erst einmal vorüber.
05.05.2020 - 15:54 Uhr 1 Kommentar
Für kleine Produzenten in der US-amerikanischen Ölförderbranche ist die Krise besonders hart.  Quelle: dpa
Ölförderung in den USA

Für kleine Produzenten in der US-amerikanischen Ölförderbranche ist die Krise besonders hart. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Jeden Tag werden weltweit knapp 100 Millionen Barrel Öl aus den Tiefen der Erde gefördert. Das sind umgerechnet fast 16 Milliarden Liter. Und es werden immer mehr – bis jetzt.

Seit dem Ausbruch der weltweiten Coronakrise sieht sich die Ölindustrie einem noch nie dagewesenen Problem gegenüber: Die Nachfrage nach der wichtigsten Energiequelle der Welt bricht von heute auf morgen ein. Für die einst erfolgsverwöhnte Ölbranche ist das eine Katastrophe, die viele kleinere Unternehmen in den Ruin treiben und selbst die größten unter ihnen vor die härteste Bewährungsprobe ihrer Geschichte stellen wird.

Schon in den ersten drei Monaten des Jahres bricht der Umsatz der fünf Branchenriesen Exxon Mobil, Shell, Chevron, BP und Total im Vergleich zum Vorjahr um satte 50 Milliarden US-Dollar ein. Damit schmelzen auch die Gewinne. Zusammen verdient Big Oil im ersten Quartal so gerade mal etwas über eine Milliarde Dollar.

„Die Situation, in der sich die Ölmärkte befinden, ist katastrophal und deutlich schlimmer als bei der Finanzkrise 2008 oder der Ölpreiskrise von 2014“, warnt die unabhängige Expertin Cornelia Meyer. Noch nie habe es in der Geschichte der Ölindustrie einen so radikalen Nachfrageeinsturz gegeben. „Das ist absolutes Neuland.“

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    Seitdem nahezu alle Länder strenge Maßnahmen zur Eindämmung der globalen Corona-Pandemie beschlossen haben, lassen Milliarden von Menschen ihr Auto stehen, während gleichzeitig der private Flugverkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist und der Konsum in vielen Ländern massiv eingeschränkt wird.

    In der Folge rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) mit einem Rekordrückgang der globalen Erdölnachfrage. Im laufenden Jahr dürfte die 9,3 Millionen Barrel pro Tag weniger verbraucht werden, als 2019.

    Schwerer Einbruch im April erwartet

    Für den April rechnen Experten gar damit, dass der Verbrauch durchschnittlich um 29 Millionen Barrel pro Tag niedriger war als im Vorjahresmonat. Das wäre ein Einbruch um nahezu ein Drittel der weltweiten Ölnachfrage. Ein Niveau, das es zuletzt 1995 gab. 

    „Das sind wohl die brutalsten Zeiten, die man sich nur vorstellen kann“, kommentiert BP-Chef Bernard Looney seine ersten Wochen an der Spitze des britischen Milliardenkonzerns bei der Verkündung der Quartalszahlen.

    Grafik

    Erst Anfang Februar übernahm der 50-Jährige den Chefposten von Bob Dudley. Jetzt rutscht der Ölriese in die roten Zahlen. Unter dem Strich macht das Londoner Unternehmen ganze 4,37 Milliarden Dollar Minus. Der bereinigte Gewinn fällt in der Folge von 2,3 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 791 Millionen Dollar, der operative Cashflow von fast sechs Milliarden Dollar auf nur noch etwas über eine Milliarde.

    Dividende will BP trotzdem weiter zahlen. Eine Entscheidung, die auch die US-Riesen Exxon Mobil und Chevron genauso wie die französische Total getroffen haben. „Mit unserem soliden Fundament, also niedrigen Produktionskosten und der geringen Verschuldung, können wir unseren Aktionären auch weiterhin eine stabile Dividende von 0,66 Cent pro Aktie auszahlen“, kommentierte Total-Chef Patrick Pouyanné die Entscheidung des Pariser Energiekonzerns. Dabei behält sich der langjährige Manager allerdings die Option vor, die finale Dividende für 2019 in Aktienanteilen auszuzahlen. 

    Shell kürzt Dividende

    „Ölkonzerne gelten eigentlich als sehr verlässlich, was die Dividende angeht. Aber wie ernst die Situation ist, sieht man auch daran, dass einige von ihnen sich schon dafür entschieden haben von diesem Kurs abzuweichen“, erklärt Ölmarkt-Analyst Achim Wittman von der Baden-Württembergischen Landesbank (LBBW).

    So entschied sich Branchenriese Shell zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges dafür, seine Gewinnausschüttung zu kürzen. Die Investoren sollen eine Quartalsdividende von 0,16 Dollar erhalten – zwei Drittel weniger als zuletzt. 

    Firmenchef Ben van Beurden verteidigte die Dividendenkürzung mit einem Verweis auf die Unsicherheit und die schlechteren Aussichten für die Weltwirtschaft. „Wir mussten weitere Schritte unternehmen, um unsere Widerstandsfähigkeit zu stärken.“ Zuvor hatte der britisch-niederländische Konzern schon sein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt. 

    Die Milliardenkonzerne müssen in den nächsten Monaten sparen, wo sie nur können. Dafür werden jetzt vor allem die Investitionen gekürzt, bei Exxon Mobil sogar um 30 Prozent. Auch die Produktionskosten, die schon nach der großen Ölpreiskrise vor vier Jahren um fast die Hälfte gedrückt wurden, sollen noch weiter gedrosselt werden. So plant BP seine Kosten von aktuell 56 Dollar pro Barrel auf 35 Dollar zu senken. Und das ist mit Blick auf die Rohstoffpreise auch bitter nötig. 

    Schon vor Corona standen die Ölkonzerne unter Druck. Die Preise für Öl und Gas waren extrem niedrig, was maßgeblich daran liegt, dass die Unternehmen schon vor der Krise mehr Öl und Gas produzierten, als die Welt verbraucht hat. Zu viel Öl auf dem Markt drückt den Preis, der pro Barrel der Sorte Brent schon im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent gefallen ist.

    Noch schlimmer sieht die Situation auf dem Gasmarkt aus. Besonders stark trifft es das viel gehypte Flüssigerdgas, kurz LNG (Liquefied Natural Gas). Hier fielen die Preise 2019 sogar um fast 40 Prozent.

    Exxon Mobil schreibt rote Zahlen

    Der Schlagabtausch zwischen den beiden Ölfördergiganten Saudi-Arabien und Nordamerika verschärfte die Situation zunehmend. Die Preise für Rohöl fielen weiter. Als dann aufgrund von Corona erst die Nachfrage in China einbrach und dann im Rest der Welt, traf das auch die Ölpreise massiv.

    Vor einigen Tagen stürzte der Preis für US-Öl zum ersten Mal in der Geschichte ins Minus. Zwar hat sich der Ölpreis mittlerweile wieder etwas erholt, am Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 29,09. Die US-Sorte WTI wird aktuell mit 22,42 Dollar je Barrel gehandelt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Preise damit aber trotzdem um fast 80 Prozent gefallen. 

    Das macht sich auch beim Branchenprimus Exxon Mobil mehr als bemerkbar. Zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren rutschte der größte Ölkonzern der USA innerhalb von einem Quartal in die roten Zahlen.

    Ganze 610 Millionen Dollar steckt der texanische Konzern in den Miesen. „Etwas Vergleichbares zu dem, was gerade in der Welt passiert, haben wir noch nie erlebt“, sagte Exxon-CEO Darren Woods. Bis Ende des Jahres will der Ölriese 75 Prozent seiner Ölförderung im permischen Becken einstellen.

    Auch die anderen Supermajors drosseln ihre Produktion mit sofortiger Wirkung. „Für die großen Ölkonzerne ist die Lage zwar sehr schwierig, aber in den Griff zu bekommen. Bei den kleineren Produzenten, besonders den amerikanischen Schieferfirmen, droht eine regelrechte Pleitewelle – es wird einen Kahlschlag geben“, warnt Expertin Meyer.

    Schon Anfang April mussten viele Fracking-Unternehmen in den USA ihre Produktion stilllegen, weil es schlicht nicht genug Lagerkapazitäten für das geförderte Rohöl gab, oder weil die oft hoch verschuldeten Bohrfirmen es sich nicht mehr leisten konnten bei den teilweise negativen Preisen weiter zu produzieren. 

    Die Industrie, deren Wachstum es US-Präsident Donald Trump ermöglichte, die Abhängigkeit der USA vom Öl aus dem Nahen Osten zu verringern und ihm erlaubte, Energieexporteure von Iran bis Russland zu sanktionieren, steht kurz vor dem Kollaps. Und das Schlimmste kommt erst noch. 

    „Das erste Quartal war schon schlecht, das zweite wird eine Katastrophe“, erklärt Ölexpertin Meyer. Denn während in den ersten Monaten nur China, Südkorea und Japan ihr öffentliches Leben herunterfuhren, kamen danach auch noch Europa, die USA und der Rest der Welt dazu. Die Zeiten der ewig steigenden Gewinne dürften deswegen auch für die Großen der Branche erst einmal wieder vorbei sein. 

    Mehr:  Was der historische Öl-Crash für Verbraucher und Anleger bedeutet.

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    1 Kommentar zu "Energie: Ölmultis verlieren Milliarden – und das Schlimmste steht den Konzernen noch bevor"

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    • Geringe Verschuldung bei Ölkonzernen? Na, dann schauen Sie sich die Bilanzen der Ölmultis mal genauer an!

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